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Theatertage Dachau:Kämpferin für Kinderrechte

Malala nutzt die Macht der Worte. Das Tanztheater mit Judith Seibert, das Malalas Geschichte erzählt, setzt dagegen auf starke Bilder.

(Foto: Toni Heigl)

Tanztheater setzt das Leben der jungen Aktivistin Malala in Szene

Von Lisa Brendel, Dachau

Die Choreografin Judith Seibert hat mit ihren zwei Kolleginnen die Geschichte des mutigen pakistanischen Mädchens Malala als Tanztheater auf die Bühne gebracht. Die Vorstellung bei den Dachauer Theatertagen im Ludwig-Thoma-Haus war ausverkauft. Das Stück für Kinder ab neun Jahren und Erwachsene erzählt eine bewegende Geschichte.

Malala Yousafzai wurde 1997 im Swat-Tal in Pakistan geboren, ihr Vater, ein Bildungsaktivist, ermutigte sie schon in jungen Jahren, für ihre Rechte zu kämpfen. Seitdem setzt sich die Kinderrechtsaktivistin für Frauen- und Mädchenrechte ein sowie für das Recht von Kindern auf Bildung. Mit elf Jahren berichtete sie unter einem Pseudonym über die Situation im Land, nachdem die Taliban die Macht übernommen hatten. "Es ist besser, einen Tag wie ein Löwe zu kämpfen, als 100 Jahre als Sklave zu leben", sagt schon ein altes pakistanisches Sprichwort. 2012 flog ihr Deckname auf. Sie wurde von Taliban im Schulbus in den Kopf geschossen, nachdem sie gefragt hatten: "Wer von euch ist Malala?" In einer Klinik in Birmingham wurde sie behandelt und überlebte die schwere Verletzung nur knapp.

In dem Stück wird nachgezeichnet, wie sich das Mädchen langsam wieder in ihr Leben zurückkämpft. Der langwierige Prozess wird bildhaft mit einem Gymnastikball dargestellt, der ihr zuerst immer wieder aus der Hand gleitet, doch nach einigen Versuchen fängt sie ihn sicher auf und beginnt sogar, damit zu spielen.

2014 wurde Malala der Kindernobelpreis und der Friedensnobelpreis verliehen, sie ist damit die jüngste Nobelpreisträgerin der Welt. Im Dezember 2012 wurde in Zusammenarbeit mit der UNESCO der Malala-Fonds gegründet, um weltweit das Recht von Kindern auf Bildung durchzusetzen. Dieses Jahr schloss die UN-Friedensbotschafterin ihr Studium in Oxford ab.

Das Stück beginnt mit einem Tuchtanz, der an den inneren Kampf der unterdrückten Frauen in Pakistan erinnert, die Tücher sind ein Symbol für die Religion. Mit Symbolen wird das ganze Stück über viel gearbeitet. Das Bühnenbild ist simpel gehalten: Drei Gitter hängen von der Wand, an ihnen hängen ein paar Bücher, die restlichen liegen auf dem Boden verteilt. Sie stehen für die Bildung im Land. Malala versucht immer wieder, die Bücher aufzuhängen, doch sie werden sofort wieder von den Taliban heruntergerissen. "Du erkennst die Macht deiner Stimme erst, wenn du zum Schweigen gebracht wirst", ruft die Schauspielerin, die Malala spielt. Die Tänzerinnen arbeiten auch mit der Symbolik von Farben. Das ganze Stück über tragen sie Schwarz, doch als Malala ihren Wohnsitz nach England verlegt, tragen sie Gelb, und die Musik wird fröhlicher und ausgelassener. Zuschauerin Sabine Kordes sagt, dass das Stück ihr viel mitgegeben habe, denn es habe "Kopf und Herz angesprochen".

Die zweite Runde der Theatertage geht vom 7. bis 16. November. Einige Tickets sind noch online erhältlich. Aktuelle Informationen gibt es auf der Homepage www.theatertage-dachau.de.

© SZ vom 24.10.2020

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