Theaterspektakel in Haimhausen:Ufos im Anflug

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Das Fotoshooting am Kramer Kreuz sorgt für Aufmerksamkeit. Das soll es auch. Der Kulturkreis Haimhausen wirbt damit für sein Theaterspektakel "Verschollen in Haimhausen". (Foto: Toni Heigl)

Beim Kulturkreis laufen die letzten Vorbereitungen für ein neues Theaterspektakel: Im dritten Teil der Haimhausen-Trilogie sind es nun Aliens, die für allerhand Wirbel sorgen.

Von Dorothea Friedrich, Haimhausen

Im sonst so beschaulichen Haimhausen gehen gerade merkwürdige Dinge vor sich. So haben vor einiger Zeit eine riesige Plakatwand und etliche seltsame Gestalten am Kramer Kreuz großes Aufsehen erregt. Gerüchteweise hieß es, die überdimensionierte Plakatwand mit der Architekturzeichnung einer Sternwarte und die mit fremdartigen Gewändern bekleideten Personen hätten sogar zu Kollisionen der von dem Ereignis abgelenkten Autofahrerinnen und Autofahrer geführt. Was angesichts der bisher nicht eindeutig identifizierten Personengruppe mit mutmaßlich migrantischem Hintergrund nicht weiter verwunderlich wäre.

Die Plakatwand hatten die als Außerirdische agierende Mitglieder des Haimhauser Kulturkreises aufgestellt. Sie sind mitten in den Vorbereitungen für das Stück "Verschollen in Haimhausen" und hatten zur öffentlichen Probe am Kramer Kreuz eingeladen, was dort in der Tat einige Aufmerksamkeit auf sich zog. Die jüngste Produktion des Kulturkreises hat am Freitag, 28. Juni, Premiere im Haniel'schen Theaterstadl. "Verschollen in Haimhausen" heißt sie und sie ist der letzte Teil der Haimhausen-Trilogie.

Das Stück stammt - ebenso wie der Vorgänger "Das Geheimnis von Haimhausen" und der "Haimhauser Ball der Vampire" - von Carsten Golbeck. Regie führt auch dieses Mal Philipp Jescheck. Autor und Regisseur waren viele Jahre am Münchner Volkstheater tätig und arbeiten gerne mit den Haimhauser Theater-Aficionados zusammen. Da hat sich eine ganz besondere Beziehung entwickelt.

Schon bei dieser kurzweiligen Probe unter freiem Himmel wird klar: Der Kulturkreis macht sich und vor allem seinen Zuschauerinnen und Zuschauern zu seinem 40. Geburtstag ein ganz besonderes Geschenk. "Verschollen in Haimhausen" verspricht etliche Überraschungen, die Akteure sind mit vollem Körpereinsatz dabei - und hochmotiviert.

Wir befinden uns in der zweiten Hälfte des 21. Jahrhunderts. Das Dorf an der Amper ist längst zur Boomtown mit einer in die Millionen gehenden Einwohnerschaft und allen daraus resultierenden Problemen mutiert. Doch die Gier kennt keine Grenzen. Auf dem letzten noch freien Baugrundstück wollen einige Geldige mit dem Bau einer Sternwarte das Image der Stadt aufpolieren, sie als Wissenschaftsstandort vermarkten, ganz nach dem Motto "Haimhausen grüßt den Rest der Welten". Was nicht allen Bürgern passt. Doch die Protestierenden haben schlechte Karten.

"Satirisch-kritischer Blick auf die Eingeschränktheit der Menschheit"

Da greift das Schicksal ein: In der Nacht vor der feierlichen Grundsteinlegung kracht ein Ufo aufs künftige Baugelände. Die gestrandeten Außerirdischen sind von ihrem eigenen Planeten geflüchtet und auf der Suche nach einer neuen Heimat. Da sind die Konflikte auf und um Haimhausens letztes Baugrundstück vorprogrammiert. Was weiter geschieht, will Regisseur Jeschek nicht verraten. Nur soviel: Es gehe "um die Beobachtung der Menschen von außen" mit einem "satirisch-kritischen Blick auf die Eingeschränktheit der Menschheit". Und lachend fügt er hinzu: "Es geht auch um Weisheit à la Obi-Wan Kenobi", dem großen Lehrmeister aus dem Star-Wars-Universum.

Jeschek scheint bei der Probe überall gleichzeitig zu sein. Freundlich-fröhlich, aber bestimmt gibt er seine Anweisungen. Jeder Schritt, jede Geste muss sitzen, sei es im Miteinander einzelner Gruppen oder bei Soloauftritten. Die Darstellerinnen und Darsteller folgen ihm willig - oft lachend, manchmal ein wenig stöhnend, wenn Jescheks Anforderungen mal wieder denen an Profi-Akrobaten gleichen. Man ahnt, dass da einiges an Amüsement aufs Publikum zukommen wird.

Regisseur Philipp Jescheck vor werbewirksamen Plakat für eine fiktive Haimhauser Sternwarte. (Foto: Toni Heigl)
Die Upper Class der neuen Boomtown Haimhausen sonnt sich in der Aussicht auf weitere gute Geschäfte. (Foto: Toni Heigl)
Die Aliens wundern sich. Wo sind sie denn hier gelandet? (Foto: Toni Heigl)
Die Landung der Aliens weckt bei den Alteingesessenen Abstiegsängste und Fremdenfeindlichkeit. (Foto: Toni Heigl)

Doch nicht nur die Darstellerinnen sind gefordert, einige Männer verdrehen schon leicht die Augen, wenn sie an die vor ihnen liegende Aufgaben denken: Den Haniel'schen Stadl ausräumen, Bühne und Musikerpodium aufbauen, Requisiten herrichten. Trotz aller Plackerei: Die Vorfreude lässt die Gesichter strahlen. Das gilt auch für Elisabeth Kleber, zuständig für die aufwändigen Kostüme. "Das sind nur die Probenkostüme, die richtigen kommen noch", sagt sie mit Blick auf die farblich in Erdtönen fein aufeinander abgestimmten Outfits der mitwirkenden Frauen.

Was auch bei diesem 15. Großprojekt des Kulturkreises erstaunt und allerhöchsten Respekt verdient, ist das Engagement aller an den schon legendären Haimhauser Theaterproduktionen Beteiligten. Das sind mehr als 50 Mitwirkende auf und hinter der Bühne, die Haimhauser Dorfmusik, die Band Dr. Will & The Wizards, der Theaterchor und all die Ehrenamtlichen, die für einen reibungslosen Ablauf, für Speisen und Getränke sorgen. So verspricht "Verschollen in Haimhausen wieder mal ein echtes Leuchtturmprojekt in der vielfältigen Theaterlandschaft der Region zu werden.

Karten zu den Vorstellungen am 28.,29. und 30. Juni sowie am 4., 5. und 6. Juli gibt es online auf der Seite theater.haimhauser-kulturkreis.de .

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