Volksbühne Dachau:Weltrettung im Zeitalter der Bürokratie

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Volksbühne Dachau: Noah (Albert Tenk) bekommt himmlische Unterstützung von Engel Susi (Eva Grimme, links).

Noah (Albert Tenk) bekommt himmlische Unterstützung von Engel Susi (Eva Grimme, links).

(Foto: Niels P. Jørgensen)

In Krisen muss man schnell reagieren. Aber das ist gar nicht so leicht, wenn man für alles eine behördliche Genehmigung braucht. Das merkt auch Herbert Noah im neuen Stück der Volksbühne Dachau, als er mit dem Bau einer neuen Arche beauftragt wird.

Von Petra Neumaier, Dachau

Es ist wirklich zum Haareraufen: Da steht der Welt die nächste Sintflut bevor, und dann kann der arme Noah keine Arche bauen. Denn abgesehen davon, dass er gar kein Zimmermann, sondern ein Schriftsteller ist, verhindern Bauvorschriften, Proteste der Tier- und Naturschützer und Brandschutzverordnungen die Fertigstellung der Arche. Da kann er sich abmühen, wie er mag... Herrlich amüsant und kurzweilig ist das neue Theaterstück der Volksbühne Dachau. Denn die Ähnlichkeiten mit realistischen Behörden und Beamten sind nicht rein zufällig.

Ein wenig nervös war Regisseurin Daniela Renner vor den ersten Vorstellungen am vergangenen Wochenende. Nicht, weil sie sich Sorgen um ihre Inszenierung oder gar um die sieben hervorragenden Schauspieler in ihren diversen Geschlechterrollen machte. Unklar war, wie viele Besucher sich angesichts der noch immer hohen Infektionszahlen mit diversen Viren in eine Theatervorstellung trauen würden.

Am Sonntagabend atmet Daniela Renner jedoch erleichtert auf. "Es gibt zwar noch Karten, aber der Vorverkauf läuft viel besser als erwartet." Vielleicht auch deshalb, weil nun wieder die ersten "normalen" Aufführungen seit Pandemiebeginn stattfinden können: Anstelle der Theaterbestuhlung stehen jetzt wieder Tische an den Stühlen, im Zuschauerraum darf wieder gegessen und getrunken werden. Ein "Back to the Roots" in der weit über 50 Jahre alten Geschichte des Theatervereins.

Trotz himmlischer Unterstützung türmen sich die Akten

Der Titel "Noah - ein himmlischer Auftrag" löst schon fast hämische Vorfreude aus. Wer jemals nur ein Haus oder Ähnliches bauen wollte, weiß, welche bürokratischen Hürden zu überwinden sind: Wie soll es da dem armen Mann aus dem Alten Testament anders gehen? Der Plan von Petrus (Alexander Grimme) muss da ja schief gehen, der Engel Susi (Eva Grimme) damit beauftragt, jenen Herbert Noah (Albert Tenk) aus Dachau zum Bau der Arche zu bewegen, weil der liebe Gott die Menschheit mal wieder satt hat - noch dazu soll der Bau in nur einem halben Jahr fertig sein!

Volksbühne Dachau: Die Zollbeamtin (Kristina Schlönberger) trifft auf Haushälterin Schimmelberg (Sandra Lackner, rechts).

Die Zollbeamtin (Kristina Schlönberger) trifft auf Haushälterin Schimmelberg (Sandra Lackner, rechts).

(Foto: Niels P. Jørgensen)
Volksbühne Dachau: Nach mehr als zwei Jahren Pandemie erlebt das Publikum im Thoma-Haus endlich wieder einen Theaterabend, wie man ihn von früher kannte.

Nach mehr als zwei Jahren Pandemie erlebt das Publikum im Thoma-Haus endlich wieder einen Theaterabend, wie man ihn von früher kannte.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Trotz himmlischer Unterstützung türmen sich in Noahs Wohnzimmer schon nach kurzer Zeit viele Ordner mit Bescheiden und Einsprüchen, ohne dass der Bau recht vorankäme. Die alten Pläne seines Vorgängers sind kaum zu gebrauchen. Es fehlen Feuerschutztüren und Rettungstreppen, sanitäre Anlagen für Mann und Frau (wobei letztere erst noch gefunden werden will). Einen Bootsführerschein und ein Kapitänspatent braucht er auch noch, und was den artgerechten Transport der Tiere betrifft: au Backe! Fast möchte man den armen Kerl in den Arm nehmen und trösten, aber das erledigt Engel Susi schon.

Ein besonderes Vergnügen bereiten die Haushälterin Frau Schimmelberg (Sandra Lackner) mit ihrem Dauergekeife sowie Claudia Rothe (Jessica Schwaiger) vom Bund Naturschutz. Kristina Schönberger überzeugt als Zollbeamtin, und Christian Marschall ist gleich in zwei Rollen zu sehen: Als in Noah verliebter TÜV-Mitarbeiter und als strenger Polizist, der den Arche-Erbauer ins Gefängnis stecken muss - ob das mal gut ausgeht.

Weitere Vorstellungen der Komödie in zwei Akten sind am Samstag, 29. Oktober, 15 und 20 Uhr; Sonntag, 30. Oktober, 18 Uhr und Samstag, 5. November, 20 Uhr. Der Eintritt kostet 12 Euro (Schüler, Studenten und Schwerbehinderte sechs Euro). Bei der Nachmittagsvorstellung gibt es Kaffee und Kuchen, abends warme und kalte Speisen. Weitere Informationen bei Kornelia Renner unter Telefon 081 36/16 84.

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