SZenario Manifest in Schwarz

Die Mitgliederausstellung der Künstlervereinigung Dachau werten die Vernissagegäste als die beste seit Jahren. Den vier Kuratorinnen gelingt eine Installation, welche die Bilder zu einem visuellen Gesamtkunstwerk verbindet

Von Wolfgang Eitler, Dachau

Das Naheliegende wäre eine heftig-deftige Schwarzmalerei. Die Welt befindet sich in einem Zustand, in dem die Düsternis der Menschen und der Pessimismus ein Thema hätten sein können. Aber die Künstlervereinigung Dachau (KVD) ließ die Gelegenheit verstreichen, sich bildnerisch politisch einzumischen. Die Mitgliederausstellung in der Kulturschranne beschränkt sich auf die Kunst. Weniger ist halt oft mehr, ganz im Sinne der konkreten Malerei, die eben eine eigene Welt erschaffen will, in der die Bildgesetze gelten und sonst keine.

Die Reaktionen auf der Vernissage am Donnerstagabend in der Kulturschranne waren entsprechend einhellig positiv. "Die beste Mitgliederausstellung seit vielen Jahren", hieß es. Oberbürgermeister Florian Hartmann, der mit einem betont bunten Schal einen farblichen Akzent setzte, freute sich über die Entscheidung, den Boden der Galerie zu sanieren. Bei der Vorstellung, der alte, steinern bräunliche wäre noch drin, schauderte es ihn. Nicht nur ihn. Auch die vier Kuratorinnen, Maria Detloff, Annekathrin Norrmann, Katrin Schürmann und Mette Therbild. Die Komposition in Schwarz hätte wie ein Fremdkörper gewirkt.

Die Ausstellungsidee verdeutlichte der Richter, Kunstliebhaber und Fotograf Ramón Grote durch einen kunstgeschichtlichen Exkurs auf die Farbe Schwarz. Er begann mit Kasimir Malewitsch und dessen schwarzem Quadrat, das als Ikone der Moderne die große Zeit der gegenstandslosen Malerei vor fast genau 100 Jahren eröffnete. Er führte kurz in die Kunstgeschichte vor allem der US-amerikanischen Malerei der vergangenen 70 Jahre ein. Ad Reinhardt beispielsweise schuf Flächen mit minimalen Farbabstufungen. Franz Kline dynamisierte die Farbe Schwarz gestisch. Der Österreicher Arnulf Rainer weitete das Spannungsfeld zwischen konkreter und gegenständlicher Kunst durch seine Übermalungen aus. Er stülpte schwarze Flächen über Vorlagen der Kunstgeschichte. Joseph Beuys wollte mit seinem Beitrag zum Kontrast von Schwarz und Weiß dialektisch pädagogisch die Gegenwelt der Vielfalt der Farbe und damit eine Art utopischen Ausblick schaffen.

Die vier Kuratorinnen zitieren einerseits die Kunstgeschichte und widersprechen andererseits der Theorie von Beuys. Denn die Farbe Schwarz, soweit sie eine ist, lebt. Sie schafft lebendige Räume, sie ist keineswegs nur monochrom im Sinne einer Farblosigkeit, sondern nobilitiert ihre Umgebung. Vor allem die Skulpturen von Klaus Eberlein, Klaus Herbrich, Wolfgang Sand und Monika Siebmanns verdeutlichen den Effekt.

Von Beuys übernahmen die Kuratorinnen die Idee der Installation als ideale Präsentationsform. Aus der Kunstgeschichte heraus wollten sie eine Art Gesamtkunstwerk als eine Einheit in der Vielfalt schaffen. Tatsächlich eröffnet sich schon am Eingang ein Gesamtbild aus zahlreichen visuellen Bezügen. Deshalb ist Annekathrin Norrmann der Ansicht, dass die einzelnen Werke sich auf den ersten Blick der kritischen Betrachtung entziehen. Der Gesamtblick herrscht vor. Der KVD gelingt dadurch zum Jahresende ein starkes Manifest für ihre Tätigkeit. Ein weiterer wesentlich Grund dafür ist die Qualität der Werke, wie auch der KVD-Vorsitzende Johannes Karl (mit schwarzem Hut) in der Begrüßung hervorhob. Die gesamte Kunstgeschichte war präsent. Alfred Ullrich und Günter Urban zeugen Drucke, die im Subtraktionsverfahren entstanden sind. Die Farbe Schwarz entsteht dadurch, dass die drei Primärfarben Rot, Gelb und Blau übereinanderlegt werden. Im Sinne von Malewitsch arbeiten Paul Havermann, Gabriele Middelmann. Und Franz Kline ist bei Karin Schuff, Yamakuma Mayumi, Grigat Urmila oder auch Wolfgang Feik. Schatten und Schattenstrukturen spielen bei vielen Werken eine Rolle, bei Mette Therbild, Katrin Schürmann, Andreas Kreutzkam und auch Dieter Navratil. Maria Detloff übersetzt das Thema in eine Jugendstil-ornamentale Gebirgslandschaft. Und Annekathrin Norrmann riskiert ein Spiel mit dem Licht, das einen ehemaligen Plastik-Adventskalender schimmern bis glänzen lässt. Schwarz kann also rechtzeitig zum Advent eine Farbe der Hoffnung sein.

Heiko Klohn hat den Dachauer Architekten Richard Schwarz in der Farbe seines Namens porträtiert. Der ironische Exkurs auf den Zufall der Geburt ist ein Plädoyer für eine gewisse Bescheidenheit in der Bewertung von Menschen aus anderen Ländern. Ganz ohne Schwarzmalerei.

KVD-Mitgliederausstellung: "Schwarz", bis Freitag, 23. Dezember, Donnerstag bis Samstag, 16 bis 19 Uhr. Sonntag, 12 bis 18 Uhr. Kulturschranne in der Altstadt.