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SZ-Podiumsdiskussion:Auf Augenhöhe

Welche Jugendliche haben wir verdient? Dieser Frage geht die SZ-Podiumsdiskussion "Abgreifen und weg" am Donnerstagabend im Ludwig-Thoma-Haus nach. Auf dem Podium sitzt auch ein Jugendlicher.

Anna Schultes

Sie beschmieren wahllos Züge und Hauswände mit ihren Graffiti. Sie kommen ungefragt zu Partys und zerstören dort Sachen, die ihnen nicht einmal gehören. Sie klauen und prügeln sich. Wenn man Zeitung liest oder den Fernseher einschaltet, zeichnen die Nachrichten allzu oft ein desaströses Bild der heutigen Jugend. Die Medien prägen den schlechten Eindruck von einer ganzen Generation: Aufnahmen, etwa von jungen Menschen, die im U-Bahnhof auf einen wehrlosen Mann einschlagen, setzen sich in den Köpfen der Zuschauer fest. Was dabei gerne in Vergessenheit gerät: Es sind nur einzelne Jugendliche, die auf die schiefe Bahn geraten.

Und trotzdem muss die Frage nach den Ursachen für ein derart enthemmtes Verhalten erlaubt sein. Fehlen den jungen Menschen heute Ansprechpartner, die ihnen auf Augenhöhe begegnen? Vermitteln Erwachsene überhaupt noch Werte, die es sich zu übernehmen lohnt? Und wie leben Jugendliche generell in unserer Leistungsgesellschaft, in der Menschlichkeit viel zu oft weniger zählt als der eigene Vorteil? Mit dem schlechten Image von Jugendlichen befasst sich das SZ-Forum zum Thema "Abgreifen und weg - Welche Jugendliche haben wir verdient?". Auf dem Podium diskutieren Dachaus Polizeichef Thomas Rauscher, Albert Schröttle, Geschäftsführer des Zweckverbands Kinder- und Jugendarbeit, und Diana Ziegleder, wissenschaftliche Referentin in der Arbeitsstelle Kinder- und Jugendkriminalitätsprävention am Deutschen Jugendinstitut. Matthias Neulinger, 17, vertritt die Jugend. Die Diskussion moderiert Helmut Zeller, Teamleiter der SZ Dachau.

Es gibt ganz wenige wirklich problematische Jugendliche", sagt Albert Schröttle. Es sei schade, wenn die Jugend allgemein als verkommen und schlecht wahrgenommen werde. Der Großteil der Jugendlichen führt ein geordnetes Leben. Er geht zur Schule, macht eine Ausbildung, studiert, reist ins Ausland. Der Druck auf junge Menschen aber ist größer geworden. Ob sie auf ihrem Weg noch wahre Vorbilder finden, wird auf dem Podium ebenso zur Diskussion stehen.

Die Podiumsdiskussion "Abgreifen und weg - Welche Jugendliche haben wir verdient?" findet am Donnerstag, 3. Mai, um 20 Uhr im Ludwig-Thoma-Haus in Dachau statt. Eintritt frei.

© SZ vom 28.04.2012
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