SZ-Forum in Dachau Der Weg zur Wende

Auf Einladung der Süddeutschen Zeitung diskutierten fünf Experten über die Zukunft der Energieversorgung. Sie sind sich einig: Der Umstieg auf erneuerbare Energien kann nur gelingen, wenn jeder seinen Beitrag leistet.

Von Robert Stocker

Der Atomausstieg bis zum Jahr 2022 ist beschlossene Sache. Doch wie soll die Energieversorgung ohne Kernkraftwerke funktionieren? Klettern die Strompreise dann exorbitant in die Höhe? Die Bundesregierung will den Ausbau der regenerativen Energien forcieren und fördert den Bau von Photovoltaikanlagen, Windrädern oder Wasserkraftwerken. Die Energiewende ist in aller Munde. Wie lässt sie sich ganz konkret im Landkreis Dachau verwirklichen? Fünf Experten haben sich in einer Podiumsdiskussion der Süddeutschen Zeitung am Freitagabend im Ludwig-Thoma-Haus diesen Fragen gestellt.

Böse Kernkraft - gute Windenergie? Auf dem SZ-Podium im Ludwig-Thoma-Haus diskutieren Wolfgang Schölkopf, Gerald Nübel, Thomas König, Peter Felbermeier und Herbert Barthel, es moderiert der stellvertretende SZ-Ressortleiter Christian Mayer (von links).

(Foto: www.joergensen.com)

Rund 120 Besucher kamen zu der Veranstaltung mit dem Titel "Böse Kernkraft, gute Windkraft - schaffen wir die Energiewende?" ins Ludwig-Thoma-Haus. Christian Mayer, stellvertretender Leiter des Ressorts München-Region-Bayern, stellte zunächst die Diskutanten und ihre Positionen vor. Herbert Barthel, Leiter des Energiereferats des Bundes Naturschutz in Bayern, fordert einen schnellstmöglichen Atomausstieg, Energieeinsparungen und lokale Energieberater. Für die Energiewende setzt er verstärkt auf die Windkraft.

Der Atomausstieg bedingt den Ausbau der erneuerbaren Energien, lautet das Credo von Haimhausens Bürgermeister Peter Felbermeier (CSU), dessen Gemeinde die Bedeutung regenerativer Energien schon früh erkannt hat. Thomas König, Vorstand der Gesellschaft für Abfallwirtschaft (GfA) in Geiselbullach, will die Müllverbrennungsanlage zu einem umfassenden Energieversorger weiter entwickeln. Dazu setzt er auf den Ausbau des Fernwärmenetzes und sucht Kooperationspartner.

Die Stadtwerke Dachau wollen ihren Anteil an regenerativer Energieerzeugung erhöhen, sagt Gerald Nübel, technischer Leiter der Stadtwerke Dachau. Auch Windkraftanlagen und Gaskraftwerke seien für die Stadtwerke eine Option. Wolfgang Schölkopf, Leiter der Abteilung Erneuerbare Energien beim Bayerischen Zentrum für Energieforschung, ist ein Pionier in der Erforschung regenerativer Energien. Er wünscht sich einen Energiemix auf lokaler Ebene.

Schölkopf plädierte in der Diskussion dafür, die Energie aus regionalen und überregionalen Quellen zu beziehen. "Wir brauchen auch den Strom aus den Wüsten Afrikas", sagte er. Die Gemeinde Haimhausen, unterstrich Bürgermeister Felbermeier, sei mit drei kommunalen Wasserkraftwerken und zwei großen Freiflächen-Photovoltaikanlagen "theoretisch autark". Bei den Windkraftanlagen müssten die Kommunen jedoch steuernd eingreifen, um einen Wildwuchs der Anlagen zu verhindern.

Für Gerald Nübel geht die Wende hin zur dezentralen Energieerzeugung, "da sind wir als Stadtwerke gefordert", sagte er. GfA-Vorstand König plädierte dafür, die Abfallentsorgung mit der Erzeugung von Energie zu verzahnen. "Die Energiegewinnung durch Abfall schont Ressourcen", betonte er.