SZ-Adventskalender Unterstützung für Senioren in Not

Schon ein Arztbesuch kann Rentner vor finanziell unlösbare Probleme stellen. Der SZ-Adventskalender hilft

Von Petra Schafflik, Dachau

Von Tag zu Tag wird das Leben beschwerlicher. Schon seit Jahren kämpfen sich Maria und Franz Maier (Namen geändert) nur mit Mühe durch den Alltag. Doch jetzt vergisst der Zeit seines Lebens tatkräftige Mann immer mehr, geht nur noch unsicher, braucht einen Rollator. Eine Veränderung, die dem Ehepaar, beide in ihren 70ern, große Sorgen bereitet. Denn ihre finanzielle Situation ist angespannt, mit einer kleinen Rente kommen sie gerade so über den Monat. "Miete, Strom und Lebensmittel, dafür reicht es knapp", sagt Maria Maier, die sich auch an bessere Zeiten erinnert.

Damals führte Franz Maier einen Handwerksbetrieb, die Firma lief. Sie selbst hat lange bei einem Großkonzern gearbeitet, durfte auf eine ansehnliche Betriebsrente hoffen. Über die Stränge haben die Maiers nie geschlagen, sondern vier Kinder großgezogen und auch fürs Alter privat noch vorgesorgt. Mustergültig, möchte man meinen. Doch als die Kunden ausblieben, die Firma in die roten Zahlen geriet, steckten sie alle Rücklagen in die Rettung des Unternehmens. Vergeblich, die Insolvenz war unausweichlich. Nun leben sie im Alter von einer kleinen Rente, mussten eine Zeit lang Hilfe vom Sozialamt beantragen. Seit die Erziehungszeiten angerechnet werden in der Mütterrente, kommen sie gerade so ohne staatliche Hilfe aus. Allerdings fehlen nun Vergünstigungen wie die Befreiung von der Rundfunkgebühr. "Unser Alltag ist schwierig", sagt Maria Maier. Der Herd war kürzlich defekt, Franz benötigte einen Zahnersatz. Auch die vielen Zuzahlungen zu Rezepten, die Medikamente, die von der Kasse gar nicht übernommen werden, für den Rollator war ein Eigenanteil fällig - immer wieder sind sie auf zusätzliche Hilfe angewiesen.

Mit ihren Nöten ist Familie Maier nicht allein. Im wohlhabenden Landkreis Dachau leben viele Senioren in Armut. Manche sind mit einer Selbständigkeit gescheitert, andere wegen einer schweren Krankheit aus dem Arbeitsleben gerissen worden. Vor allem Frauen sind betroffen, da sie ihre Kinder groß gezogen, Eltern oder Schwiegereltern gepflegt, unentgeltlich auf dem Hof oder im Familienbetrieb mitgeholfen haben. Oder schlicht ihr Leben lang in einem schlecht bezahlen Beruf geschuftet haben.

Wer am Existenzminimum lebt, verfügt über keinerlei Reserven, sagt Stefanie Otterbein vom Sozialverband VdK. "Jede Kleinigkeit wird zu einer Riesenherausforderung." Schon eine Brille sei finanziell nicht zu stemmen. "Auch dass sich die Leute von dem Wenigen noch etwas absparen für größere Ausgaben, ist völlig unrealistisch", betont Lena Wirthmüller, die bei der Caritas die Schuldnerberatung leitet und den Armutsbericht für den Landkreis erstellt hat. Im Alter summieren sich die Sonderausgaben, denn Senioren sind oft gesundheitlich angeschlagen. Allein notwendige Arztbesuche sind für viele ein Kostenfaktor: Maria Maier fährt ihren Mann mit dem Auto in die Praxis. Doch wer auf dem Land lebt und für jeden Termin ein Taxi oder einen Fahrdienst braucht, muss tief in die Tasche greifen.

Finanzielle Nöte entstehen vielfach auch aus der schwierigen Wohnsituation im Landkreis. Schon eine kleine Mieterhöhung kann den wackelig austarierten Etat eines Rentners in Schieflage bringen. Ein Umzug in eine kleinere Wohnung ist meist keine Option. "Weil es diese kleinen Wohnungen nicht gibt oder dort höherer Mieten verlangt werden", erklärt Wirthmüller. Bezahlbar wäre eine der 124 altersgerechten Sozialwohnungen, für die es aber eine lange Warteliste gibt. 41 Namen stehen darauf, erklärt Amtsleiter Markus Haberl. Und so leben auf dem Land manchmal ältere Frauen allein in einem kleinen Haus, für nötige Reparaturen fehlt das Geld, oft sogar für Heizöl. "Aber vom Ziegelstein kann man nun mal nicht abbeißen", sagt Ute Hönle vom Sozialbüro Bergkirchen. Doch verkaufen, was man selbst Stein für Stein unter vielen Entbehrungen aufgebaut hat? "Das ist für die Betroffenen undenkbar." Lieber leben sie karg von dem, was der eigene Garten hergibt.

Meist ist es ein weiter Weg bis Senioren Unterstützung suchen und sie auch annehmen. Gerade bei Altersarmut ist die Dunkelziffer hoch, betont Wirthmüller. "Menschen aus dieser Generation gehen schlicht nicht zum Amt", sagt Ute Hönle vom Bergkirchner Sozialbüro. Sie schämen sich zu sehr. Oft verheimlichen sie sogar den eigenen Kinder, wie schlecht sie über die Runden kommen. Die Sorge vor gesellschaftlicher Ausgrenzung ist aber auch nicht ganz unbegründet, sagt die Caritas-Beraterin. "Armut wird nach wie vor stigmatisiert." Weit verbreitet ist die Ansicht: "Wer arm ist, ist selber schuld, ist vermutlich dumm, faul oder hat einfach nicht vorgesorgt." Vorurteile, gegen die Fachleute immer wieder mit sachlichen Argumenten ankämpfen. "Denn ein Schicksalsschlag kann jeden von uns plötzlich in finanzielle Not bringen, die Rücklagen fürs Alter aufzehren", so Wirthmüller.

Auch der Behindertenbeauftragte Hartmut Baumgärtner ist immer wieder geschockt, wenn bei Fragen für einen Schwerbehindertenausweis plötzlich die Fassade bröckelt, hinter der mühsam Armut verborgen wird. "Die Menschen sollen bekommen, was ihnen zusteht", sagt er. Der SZ-Adventskalender kümmert sich um viele Ausgaben, die die Betroffenen sich nicht leisten können und für die staatliche Leistungen eben nicht ausreichen. Vor allem aber stellt das Hilfswerk der Süddeutschen Zeitung wichtigen Einrichtungen wie der Caritas jedes Jahr einen gut gefüllten Fördertopf zur Verfügung, aus dem alte Menschen in Not kurzfristig, unbürokratisch und diskret Hilfe erfahren.