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SZ-Adventskalender:Die Ersatzeltern

Trennung, Krankheit, Gewalt: Es gibt viele Gründe, warum Familien auseinanderbrechen und Kinder ohne Mütter und Väter aufwachsen müssen. Der Verein Kinderschutz bietet ihnen dann ein neues Zuhause

Auf dem Tisch steht eine große Kanne Kakao, daneben zwei Teller mit selbstgebackenen Plätzen. Max (alle Namen der Kinder geändert) hätte gerne noch eine der leckeren Erdnussbomben, Felix entscheidet sich für ein Schokoherz. Da steht auch schon ein Junge aus der Nachbarschaft in der Tür, um gemeinsam zum Fußballtraining loszuziehen. Auch Lena drängt zum Aufbruch, sie möchte zusammen mit Marie den Nachbarshund ausführen.

Was nach einem Adventsnachmittag in einer großen Familie klingt, ist der lebendige Alltag einer therapeutischen Wohngruppe. Drei dieser Einrichtungen betreibt der Münchner Verein Kinderschutz im Landkreis. Dort betreuen Pädagogen-Teams Kinder und Jugendliche, die aus den verschiedensten Gründen nicht in ihrer Familie leben können. Die jungen Bewohner, die oft mit einem ganzen Paket an Belastungen ankommen, sollen hier zur Ruhe kommen, in einer familienähnlichen Umgebung Sicherheit erleben, erklärt Any Pfleger, beim Verein Kinderschutz als Bereichsleitung verantwortlich für stationäre Erziehungsangebote. "Wir vermitteln Stabilität und Verlässlichkeit", sagt sie.

Es sind ganz unterschiedliche Konstellationen und Lebenssituationen, die ein Aufwachsen der Kinder in ihrer Familie nicht mehr möglich machen. "Die Eltern geben immer ihr Bestes", betont Any Pfleger. Doch manche Väter und Mütter seien etwa durch Trennung, Gewalterfahrung, Sucht oder schwere Krankheit überfordert mit ihrem Leben, könnten trotz pädagogischer Hilfsangebote ihre Kinder nicht angemessen betreuen. In einer therapeutischen Wohngruppe sind die Mädchen und Buben dann gut aufgehoben. Allerdings braucht es für Jüngere ein besonders Konzept, wie es der Verein Kinderschutz für eine seiner Wohngruppen gezielt entwickelt hat.

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Dort werden Kinder schon ab dem vierten Lebensjahr aufgenommen, aktuell leben sieben Mädchen und Buben im Alter zwischen sieben und zwölf Jahren in dem gerade erst modern und hell umgebauten Haus. Ein ganzes Team von Fachkräften sorgt in diesem heimelig gestalteten Umfeld dafür, dass die Kinder eine engmaschige, zuverlässige Begleitung erfahren. "Wir sind rund um die Uhr da, 365 Tage im Jahr", sagt Pfleger.

Weil Kinder nicht so selbständig sind wie etwa Jugendliche, sind oft zwei oder drei Pädagogen gleichzeitig im Dienst. Dies ist Voraussetzung, um die individuelle, ganz persönlich auf jedes Kind zugeschnittene Betreuung im Alltag zu gewährleisten, vom morgendlichen Aufstehen bis zum Abendritual, bei dem jedes Kind ins Bett gebracht wird. "Rituale wie Vorlesen und ein Gespräch über den zurückliegenden Tag sind uns wichtig", erklärt Pfleger.

Sicherheit und Stabilität vermittelt den jungen Bewohnern auch ein eng strukturierter Tagesablauf. Dazu zählen Gruppenaktivitäten am Nachmittag, wenn die Hausaufgaben erledigt sind. Dann wird gemeinsam gebastelt, getrommelt oder Plätzchen gebacken. Wichtig und bei den Kindern beliebt sind Aktivitäten im Freien. "Wir gehen in den Wald, laufen um den See, toben im Garten, bewegen uns viel an der frischen Luft", so Pfleger. Gleich hinter dem Haus liegt ein Bolzplatz und mit zwei Schafen, die in der Nähe in einem kleinen Stall leben, habe alle Kinder schon beste Freundschaft geschlossen. Als Pluspunkt erweist sich die Lage der Wohngruppe nah an der Natur, aber auch mitten in einem gewachsenen Wohnviertel mit aufgeschlossenen Bewohnern. "Die Kinder besuchen ihre Freunde in der Nachbarschaft, sind voll ins soziale Umfeld integriert", erklärt Pfleger.

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Dabei beschäftigen die Mädchen und Buben ähnliche Themen wie ihre Altersgenossen: Max ist genervt, weil er seine Busfahrkarte verloren hat. Überall hat er schon gesucht, "die ist einfach weg". Und dann noch die doofen Vokabeln, die er lernen muss. Gleich wird ihn Tobias Hauke vom Team der Wohngruppe abfragen. Dagegen ist Lena längst mit ihren Aufgaben fertig, jetzt erzählt sie von ihrer Leidenschaft für Pferde, vor allem Araber haben es ihr angetan. In einem Reitstall absolviert das Mädchen eine Reittherapie, genießt den Umgang mit den geliebten Tieren, hilft mit, "alles von Füttern, Striegeln und Bodenarbeit", erzählt sie strahlend.

Bei aller Alltagsroutine bleiben immer die belastenden Erfahrungen, die alle Kinder mitbringen. Umso wichtiger, dass sie in der Wohngruppe mit ihren geregelten Abläufen Verlässlichkeit erleben. Neben den einfühlsam begleiteten Routinen werden in wöchentlichen Kinderkonferenzen und einem Sozialtraining Themen besprochen und Fähigkeiten geübt, die für ein gemeinschaftliches Zusammenleben wichtig sind. Elementar ist auch eine umfangreiche, intensive Elternarbeit. Alles mit dem Ziel, dass die Kinder langfristig zurückkehren können in ihre Familie.

Bis es so weit ist, bieten therapeutische Wohngruppen Kindern und Jugendlichen eine Heimat. Der SZ-Adventskalender unterstützt die Arbeit des Vereins Kinderschutz. Hilfsgelder sind in den Umbau der Karlsfelder Wohngruppe geflossen, gefördert werden vom Hilfswerk weiter auch erlebnispädagogische Gruppenausflüge und Ferienfreizeiten, die sehr wichtig sind für die gesunde Entwicklung der Kinder.