SZ-Adventskalender Bildung bedeutet Zukunft

Mit Ursula Burkner die deutsche Sprache zu lernen, ist nicht immer einfach, aber macht sichtlich Spaß.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Das Team der Hausaufgabenhilfe im Dachauer Arbeitskreis Asyl betreut Flüchtlingskinder. Der SZ-Adventskalender unterstützt dieses Angebot mit einem Budget für Übungs- und Lernmaterial.

Von Petra Schafflik, Dachau

Ma - Me - Mi - deutlich und langsam liest Elke Habersetzer die kurzen Silben vom Deutsch-Arbeitsblatt ihres Schützlings, der Zeigefinger der ehrenamtlichen Hausaufgaben-Betreuerin fährt unter jedem Buchstaben sorgfältig entlang. Dann ein aufmunterndes Nicken, jetzt ist Zala dran. Erst vor wenigen Wochen ist die Siebenjährige mit ihrer Mutter und sechs Geschwistern aus Afghanistan per Familiennachzug in Dachau angekommen. Nun ist das zierliche Mädchen eine stolze Erstklässlerin, die mit großem Ernst in der ihr noch fremden Sprache Lesen, Schreiben und Rechnen lernt.

Unterstützung bekommt sie von Ehrenamtlichen wie Elke Habersetzer, die im Team der Hausaufgabenhilfe im Dachauer Arbeitskreis Asyl mit dabei ist. Die Arbeit mit den Schülern mache Freude, sagt Habersetzer. "Und ich lerne selber immer noch etwas dazu." Vor allem aber profitieren die Mädchen und Jungen, denen die Ehrenamtlichen so individuell wie möglich Förderung, Anregung und Anleitung bieten wollen. Eine ganz wichtige Aufgabe, betont Ursula Burkner, die dieses Angebot koordiniert. "Denn die Eltern können ihre Kinder gar nicht unterstützen." Gerne möchte sie deshalb mit dem steigenden Bedarf auch das Team ausbauen, eine intensivere und eine tägliche Betreuung in der Flüchtlingsunterkunft am Himmelreichweg ermöglichen. "Wir würden uns freuen, wenn noch motivierte Helfer dazukämen."

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Weil heute einige Kinder fehlen, sitzen mit Zala nur noch ihre beiden Schwestern Aisha und Khola im Gruppenraum. Doch Hausaufgabenhelferin Habersetzer hat dennoch gut zu tun, gerade für Neuankömmlinge wie die drei afghanischen Mädchen ist der Start anspruchsvoll. Sich in der neuen Umgebung zurecht finden, eine völlig neue Sprache lernen und gleichzeitig noch komplizierten Schulstoff begreifen, das ist eine große Herausforderung für die Kinder. "Ideal wäre zumindest am Anfang eine Eins-zu-Eins-Betreuung", erklärt Koordinatorin Burkner, die jetzt mit Aisha und Khola ihre Arbeitsmappen durchgeht.

Anders als ihre kleine Schwester, die ganz regulär eingeschult wurde, absolvieren die älteren Mädchen erst einmal eine sogenannte Deutsch-Klasse. Dort lernen Schüler, die ohne Sprachkenntnisse kommen, in einer Art Intensiv-Kurs rasch Deutsch, um dann erst in eine altersgerechte Schulklasse zu wechseln. Die Mädchen sind motiviert, das Vokabular ihres Arbeitsblatts haben sie schon drauf. Wörter rund um das Thema Bekleidung gilt es anhand von Piktogrammen zu lernen, also benennen die Mädchen jetzt Stiefel, Socke und Schuh, wissen auch bereits, dass es zwei Stiefel, aber zwei Socken heißt. Dann werden die schwarz-weißen Bildchen angemalt, ganz nebenbei die Farben benannt.

Hausaufgabenhilfe soll ausgebaut werden

Ganz anders lernt Zala, die sich wie alle Erstklässler nun Buchstaben für Buchstaben und Zahl für Zahl ihr Wissen erobert. Obwohl sie erst seit wenigen Wochen in die Schule geht, füllt das Mädchen schon souverän die Lücken auf dem Arbeitsblatt, zählt auf Deutsch und schreibt die Ziffern ordentlich in die leeren Kästchen. Eine beachtliche Leistung. Denn für Flüchtlingskinder, auch wenn sie bereits länger hier leben, gebe es vielfältige Hürden, weiß Koordinatorin Burkner, selbst Lehrerin. "Für uns selbstverständliche Inhalte und Begriffe, wie etwa die Bestandteile eines Baums, sind ihnen fremd und müssen wie Fachwörter gelernt werden". Also helfen Ehrenamtliche aus dem Helferkreis bei den Hausaufgaben, fördern als Lesepaten die Deutschkenntnisse, begleiten jedes Kind so individuell wie möglich.

Zudem helfen die Betreuer zu Schulbeginn den Eltern, die oft umfangreichen Materiallisten der Klassenlehrer abzuarbeiten, organisieren die Grundausstattung von Schulranzen bis Turnbeutel. Im Materialschrank halten sie Mal- und Schreibutensilien bereit, dazu Arbeitshefte und Übungsblätter zur individuellen Förderung. Die Helfer greifen auch mal ins Portemonnaie, "weil gerade zu Schuljahresbeginn die staatlichen Hilfen nicht ausreichen."

Weil Bildung wichtige Zukunftsperspektiven eröffnet, gab es die Hausaufgabenhilfe für Flüchtlingskinder bereits, als Asylsuchende noch in der zentralen Unterkunft an der Kufsteiner Straße lebten. Mit Auflösung des Heims vor zwei Jahren zogen Familien weg aus der Stadt, in der neuen Unterkunft am Himmelreichweg wurde die Unterstützung mangels Bedarf zurückgefahren. Doch nun leben wieder mehr Schulkinder dort, gerne würde Koordinatorin Burkner die Hausaufgabenhilfe ausbauen. Wer also ein wenig Zeit übrig hat, um einmal die Woche für zwei Stunden zu helfen, ist herzlich willkommen. Auch Ehrenamtliche, die mit den Kindern spielen oder ihnen vorlesen, werden gesucht. Der SZ-Adventskalender unterstützt finanziell mit einem Budget für Übungs-, Lern- und Fördermaterial. Informationen zur Hausaufgabenhilfe unter schulhilfe@arbeitskreis-asyl-dachau.de.

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