bedeckt München 19°

Streit auf Facebook:Die Villa, die keiner sehen sollte

Manuel Neuer

Hat eine Villa am Tegernsee: Manuel Neuer.

(Foto: Jan Woitas/dpa)

Zieht Manuel Neuer nach Günding? Das Bild eines Hauses löst erst wilde Spekulationen aus - und dann Zoff

Von Benjamin emonts, Dachau

Manuel Neuer hatte jetzt zwei Wochen Urlaub, er war deswegen auch nicht bei der Nationalmannschaft dabei, die sich ohne ihn zu zwei glanzlosen Unentschieden gewurschtelt hat. Gerüchte um den Fußballstar brodelten dennoch. Ein User auf Facebook hat jetzt bei einer Diskussion in der Gruppe "Dachauer Ratsch" gemutmaßt, Neuer könnte nach Günding in eine geheimnisvolle Villa ziehen. Eine Frau hatte zuvor Bilder von dem, wie sie vermutet, leer stehenden Haus samt Ortsangabe gepostet, weil sie wissen wollte, was es mit dem hübschen Anwesen auf sich habe. Sie ahnte wohl nicht, welchen Shitstorm sie damit auslösen würde.

Das spaßige Gerücht um Neuer war am Ende nur einer von 119 Kommentaren, bis die Administratoren der Gruppe in Torhütermanier dazwischen grätschten und weitere Kommentare untersagten. Neuer, das wurde schon groß berichtet, bezog im April eine große Villa am Tegernsee. Bilder von dem imposanten Neubau gibt es im Netz zuhauf. Und damit wäre man beim eigentlichen Streitthema: Darf man Bilder von fremden Anwesen ins Netz stellen? Oder werden dadurch Persönlichkeitsrechte und Privatsphäre verletzt? Darüber entbrannte im Ratsch die heftige Debatte, angestoßen von den Schöner-Wohnen-Bildern aus Günding.

Dass Menschen Bildchen von sich und ihrem Hündchen oder der eigenen Finca posten, ist ja nichts Ungewöhnliches - so funktionieren soziale Netzwerke: sehen und gesehen werden. Beim Posten fremder Häuser hört der Spaß für viele aber offensichtlich auf. Lediglich zu Beginn der Diskussion wirkten die Wortbeiträge noch amüsant. "Ich glaub, da wohnt schon wer. Hab glaub mal wen gesehen. Und es fährt der Mähroboter", schrieb etwa eine Userin. Ein Mann, womöglich ein Makler, behauptete, das Anwesen stehe für fünf Millionen Euro zum Verkauf. Wiederum ein anderer mutmaßte orthografisch nicht ganz korrekt: "Spionasche Haus."

Aus Spaß wurde Ernst, man kennt das aus dem Internet. Die Mehrheit der Kommentatoren reagierte empört bis wütend auf die Bilder im Netz. "Ehrlich, bei manchen Menschen kann man nur mit dem Kopf schütteln, der eine postet fremde Häuser, der Nächste beschreibt, wo es genau ist, und der Dritte sagt, da wohnt einer, der fast nie da ist. Wie blöd kann man sein", echauffierte sich eine Frau. Viele sehen durch den Post nicht nur die Privatsphäre verletzt, sondern auch Einbrecher herbeizitiert.

Die andere Gruppe sieht indes keine rechtlichen oder moralischen Bedenken. Das Fotografieren und Posten von Häusern sei rechtens, sagen sie, Google Earth mache es nicht anders. Die Administratoren ließen den Post bewusst stehen und verwiesen auf Paragraf 59 des Urheberrechtsgesetzes. Danach gilt die sogenannte "Panoramafreiheit". Sie "erlaubt es jedermann, Werke, die sich bleibend an öffentlichen Wegen, Straßen oder Plätzen befinden, durch Malerei, Foto oder Film zu vervielfältigen, zu verbreiten oder öffentlich wiederzugeben". Bei Bauwerken gilt das lediglich für die Außenansicht.

Gut zu wissen ist auch, dass solche Bilder nur von öffentlichen Straßen oder Plätzen und nur aus einem normalen Blickwinkel, sprich ohne Hilfsmittel wie Drohnen, Leitern, Hochstative oder Hubschrauber angefertigt werden dürfen, wobei sich letztere sowieso meist nur Fußballer leisten können. Und Achtung: Ärger mit dem Gesetz kann es geben, wenn der oder die Besitzer auf den Bildern zu sehen sind, weil sie beispielsweise im Pool planschen oder aus dem Fenster lugen. Ein Verstoß gegen das Bundesdatenschutzgesetz liegt zudem vor, wenn der Name des Grundstücksbesitzers oder -bewohners und deren Adressen zusammen mit den Aufnahmen verbreitet werden.

Die Polizei in Dachau rät ohnehin dringend von solchen Postings ab. "Sie dienen Einbrechern oft als Signal für Abwesenheit", sagt Pressesprecher Günther Findl. "Denn auch Kriminelle nutzen teilweise soziale Netzwerke, um potenzielle Opfer und Örtlichkeiten auszuspähen." Mehrere User forderten im Dachauer Ratsch, die Menschen sollten doch ihren gesunden Menschenverstand einschalten. Vermutlich keine so schlechte Idee. Die Frau, die den Post veröffentlicht hatte, war in der Zwischenzeit, nicht ganz ernst gemeint, zurückgerudert: "Ich befürchte, ich habe vergessen, die Alarmanlage und die drei freilaufenden Rottweiler auf dem Grundstück zu erwähnen", schrieb sie. Einbrecher sollten dem Traumhaus also besser fernbleiben.

© SZ vom 12.09.2020

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite