Straßenarbeiten Von der Strabs zur Kabs

Auf Karlsfelder könnten Baukosten für Kanalsanierung zukommen

Von Walter Gierlich

Karlsfeld - Die Straßenausbaubeitragssatzung ist vom Tisch. Jedenfalls kommen die Bürger künftig finanziell ungeschoren davon, wenn die Straße vor ihrer Haustür erneuert wird. Doch zumindest den Karlsfelder Hausbesitzern droht neues Ungemach: die Sanierungskosten für die Anschlüsse an die Kanalisation. Wie hoch diese ausfallen und ob sie im Einzelfall überhaupt anfallen, steht aber längst noch nicht fest. Das machten Martin Eberle, Leiter der Gemeindewerke, und Experte Carsten Mikosch von der Kanalsanierungsfirma Isas in der jüngsten Bauausschuss-Sitzung des Gemeinderats klar.

Im kommenden Jahr läuft die Betriebsgenehmigung der Kläranlage ab, und um diese verlängern zu können, müsse das Karlsfelder Abwasserkanalnetz saniert werden, erklärte Eberle. Der Fremdwasseranteil - vor allem aus dem Grundwasser - liegt nach seinen Worten bei 60 Prozent, doch erlaubt seien nur 25 Prozent. Wo dieses von außen in die Rohre eindringende Fremdwasser herkommt, zeigte Mikosch an Fotos, die von einer Kamera in den Kanälen der Gagfah-Siedlung aufgenommen wurden. Dort zwischen Osten-, Rosen und Veilchenstraße, von der Firma als erster Abschnitt unter die Lupe genommen, wurden Risse, undichte Verbindungen und sogar richtige Löcher entdeckt. Wie stark die Kläranlage durch das zusätzliche Wasser belastet wird, rechnete Mikosch vor: "Wenn ein Liter pro Sekunde reinläuft, macht das im Jahr 31 Millionen Liter aus." Doch die Schäden am Leitungsnetz unter den Straßen und bis fünf Meter hinter die Grenze der jeweiligen Grundstücke werden auf Kosten der Gemeinde saniert. Die Eigentümer müssen jedoch für die Reparatur der Schäden an den Hausanschlüssen aufkommen. Und das sind nicht wenige: "99 Prozent sind schadhaft", konstatierte Mikosch. Allerdings seien nicht alle so kaputt, dass sie umgehend saniert werden müssten. Die Sanierung der Hauptleitungen in der Gagfah-Siedlung soll bis Ende 2018 abgeschlossen sein. Im kommenden Jahr soll der nächste Abschnitt in Angriff genommen werden, dessen Fertigstellung bis 2020 geplant ist. So steht nach und nach das gesamte Gemeindegebiet zur Untersuchung und Sanierung an.

Zu den Auswirkungen der Untersuchung für die Bürger kündigte Gemeindewerke-Chef Eberle an, dass zunächst jeder einzelne Anschluss genau betrachtet und der Sanierungsbedarf festgelegt werden solle. Die Gemeinde wolle dann eine gemeinsame Ausschreibung für das ganze Gebiet machen, um die Kosten für die einzelnen Eigentümer zu reduzieren. "Wir wollen den Bürgern helfen und die Leistungen en gros anbieten, an denen sich jeder beteiligen muss", sagte er. "Schadhaft heißt nicht unbedingt, dass saniert werden muss", wiegelte allerdings Experte Mikosch ab. Für Bürgermeister Stefan Kolbe (CSU) ist die Kanalsanierung ein "Riesenproblem, das wir jetzt angehen müssen". Bevor es kostenmäßig ernst werde für die Bürger, werde es eine Informationsveranstaltung geben, kündigte er an. Eigentlich müsse laut gemeindlicher Satzung jeder Hausbesitzer alle zehn Jahre seinen Anschluss prüfen, betonte er: "Aber das weiß ja keiner."