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Stickoxid-Belastung in  Dachau:Dachaus Luft ist besser als am Stachus

Neue Messungen zeigen, dass die Grenzwerte eingehalten werden, doch die Feinstaubkonzentration ist besorgniserregend

Rund zwei Monate lang hatten die Mitglieder eines Dachauer Aktionsbündnisses 2017 die Stickoxid-Belastung in der Stadt Dachau gemessen und untersucht - und dabei Erschreckendes festgestellt: Der von der EU zum Schutz der Vegetation festgelegte kritische Jahresmittelwert von 30 Mikrogramm Stickstoffdioxid pro Kubikmeter wurde bei zwei Dritteln der Messpunkte erreicht, der EU-weite Grenzwert des gesundheitsschädlichen Gases von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter sogar zweimal überschritten. Daraufhin beauftragte die Stadt professionelle Messungen. Diese Ergebnisse liegen nun vor.

Rebecca Thiel vom Planegger Ingenieurbüro Müller BBM präsentierte die Messdaten in der jüngsten Sitzung des Umwelt- und Verkehrsausschuss und brachte beruhigende Nachrichten mit: Die vorgeschriebenen Grenzwerte wurden bei allen Messungen "sicher eingehalten", außerdem könne man im Vergleich zu Messdaten des Bayerischen Landesamts für Umwelt aus dem Jahr 2012 einen Rückgang des Stickstoffdioxidgehalts in der Luft verzeichnen. "Das war zu erwarten und ist jedenfalls erfreulich", so Thiel. Im Vergleich zum Vorgehen des Aktionsbündnis habe man außerdem ein ganzes Kalenderjahr lang, nämlich vom 8. November 2018 bis zum Ende des Jahres 2019, Messungen durchgeführt. Nur so sei es möglich, repräsentative und belastbare Daten zu erheben.

Gemessen wurde an drei Standorten in Dachau, die "möglichst alle Lebenssituationen" widergeben sollten, wie Thiel erklärte. So wurde ein Messgerät in der Münchner Straße auf Höhe des Hauses 42a, also neben der Edeka-Filiale, angebracht. Dort gebe es besonders viel Stop-and-Go-Verkehr, unter anderem durch die Parkplatzsuche. Gleichzeitig seien aber auch viele Menschen auf den Gehwegen unterwegs. Weitere Messgeräte wurde in der Schleißheimer Straße 135b, einer "klassischen Ausfallstraße", und in der Mittermayerstraße 32, also im eng bebauten städtischen Gebiet mit hoher Verkehrsbelastung, installiert. Der höchste Dachauer Jahresmittelwert von 33 Mikrogramm Stickstoffdioxid pro Kubikmeter wurde schließlich auch an ebendiesem "Hotspot" gemessen, wie Thiel ihn nennt. In der Münchner Straße lag der Wert bei 27, in der Schleißheimer Straße bei 29 Mikrogramm pro Kubikmeter. Vom EU-Grenzwert in Höhe von 40 Mikrogramm Stickstoffdioxid pro Kubikmeter ist man damit weit entfernt. Vergleicht man diese Werte mit Messungen in München, liegt Dachau weit unter dem Jahresmittel am viel befahrenen Stachus und bewegt sich ungefähr auf dem Niveau der Lothstraße. Gleichzeitig mit den Stickstoffdioxidmessungen wurde an der Messstation in der Mittermayerstraße auch die Feinstaubkonzentration erhoben. Zwar liegt diese mit einem Jahresmittel von 20 Mikrogramm pro Kubikmeter nur bei 50 Prozent des EU-Grenzwerts. Vergleicht man die Dachauer Feinstaubwerte jedoch mit denen des Münchner Stachus, ist die Konzentration in der Mittermayerstraße sogar um ein Mikrogramm höher. Dazu äußerte sich Stadtrat Thomas Kreß (Grüne) in der Sitzung: "Es ist zwar positiv, dass wir uns unter den Grenzwerten bewegen. Aber so weit weg sind wir nicht, das sind keine Werte, auf denen wir uns ausruhen dürfen. Und dass wir uns mit dem Stachus vergleichen können, ist sicher nicht erfreulich." Auch Michael Eisenmann (Bündnis) plädierte dafür, weiterhin Maßnahmen zu erarbeiten, um die Werte zu senken.

Ingenieurin Thiel warnte jedoch davor, nur auf begrünte Straßenzüge zu setzen. Zwar könne sich eine Baumfront positiv auf die Messergebnisse auswirken, fallweise könne es aber auch zu ungünstigen Strömungsverhältnissen und einer lokalen Inversion kommen, sodass die Schadstoffe sich länger an einer Stelle halten würden. Baulich gesehen seien darum möglichst breite Straßen und Gehwege die beste Option, um die Schadstoffbelastung für Anwohner gering zu halten. Der Untersuchungsbericht ist online im Ratsinformationssystem der Stadt einsehbar.

© SZ vom 04.06.2020

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