Steigende Besucherzahlen  Touristenmagnet Dachau

Im ersten Halbjahr gab es im Landkreis fast 200 000 Übernachtungen. Das sind mehr als doppelt so viele wie vor drei Jahren. Bei den Hotelgästen handelt es sich nicht nur um Besucher der KZ-Gedenkstätte

Von Clara Nack, Dachau

Kunst, Kultur und Gedenken sind die drei Stichworte der Dachauer Tourismusbranche, die ihren Schwerpunkt klar auf ein Kulturpublikum setzt. Seit 2015 gehen die Touristenzahlen im Dachauer Landkreis nach oben. Auch nach dem Rekordjahr 2016, in dem die Übernachtungen der Reisenden zum ersten Mal die 100 000er-Marke überschritten, legten die Zahlen 2017 und auch in den ersten sieben Monaten 2018 noch einmal zu.

Es handelt sich nicht nur um Tagestourismus. Von Januar bis Juli verzeichnete der gesamte Landkreis fast 200 000 Übernachtungen - mehr als doppelt so viele wie noch vor drei Jahren. "Dachau entwickelt sich durch die steigende Anzahl an Hotels inzwischen zu einer Mehrtagesdestination", sagt Tobias Schneider, Leiter des städtischen Kultur- und Tourismusamtes. So sei auch der Rückgang der Gästeankünfte von Januar bis Juli 2018 um 4,1 Prozent zu erklären. Es kämen weniger Leute, aber diese blieben deutlich länger.

Insgesamt 89 485 Reisende aus In- und Ausland übernachteten in der Stadt Dachau von Januar bis Juli. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum macht das einen Anstieg von mehr als zehn Prozent aus. Im gesamten Landkreis sind es rund sieben Prozent mehr Übernachtungen. Dabei wurden rund 46 Prozent der Übernachtungen in Dachau Stadt gebucht.

Während Tagestouristen vor allem Einrichtungen wie die KZ-Gedenkstätte, die Gemäldegalerie oder das Dachauer Schloss besuchen, profitieren große Reisegruppen von der steigenden Zahl an Hotels. Es sei nun möglich auch Busreisegruppen in den neuen Unterkünften unterzubringen, sagt Schneider. Außerdem nehme die Dauer des Aufenthaltes zu.

Vor fünf Jahren verweilten Gäste nicht einmal zwei volle Tage in Dachau. Heute bleiben sie durchschnittlich 2,5 Tage in der Stadt. Das ist genauso lange wie sich der durchschnittliche Tourist im Juli 2018 in München aufhielt. Die Nähe zur Großstadt und dem Flughafen wird von Schneider jedoch nicht als Konkurrenz betrachtet, sondern sei im Gegenteil ein Vorteil. "München ist beispielsweise während des Oktoberfestes unglaublich schnell ausgebucht. Viele Gäste entscheiden sich stattdessen im gut angebundenen Umland zu übernachten. Dachau profitierte in den letzten Jahren sehr stark von diesen Gästen", erklärt Schneider.

Doch nicht nur einzelne jährliche Events stimmen die Dachauer Hotellerie zufrieden. Auch der Flughafen zieht viele Geschäftsleute für eine Zwischenübernachtung in die große Kreisstadt. "Wir können uns über die Monate Juli und August nicht beklagen", sagt Heiko-Dominik Meier vom Select Hotel in Dachau-Ost. Für das reine Business-Hotel seien diese Monate wegen der Ferien normalerweise die ruhigsten. Dieses Jahr hätte das Hotel jedoch erfreulicherweise den Geschäftstourismus der Firmen abbekommen, die trotzdem weiterarbeiten. Benachbarte Landkreise wie Freising und Erding profitieren dabei noch stärker von ihrer Nähe zum Flughafen.

Allein im Juli gab es 37 365 Übernachtungen von Kurzurlaubern. Fast 30 000 davon kamen aus dem Inland. Sylvia Podewils, Geschäftsführerin des Regionalentwicklungsvereins Dachau AGIL, meint der starke Inlandstourismus liege vor allem daran, dass inzwischen nicht mehr nur der bergige Süden attraktiv sei. Die vielen historischen Radwege und Klöster zögen Touristen auch vermehrt in den Norden des Münchener Umlandes. Altomünster mit seinem pittoreskem Kloster sei im Landkreis eine der meistbesuchtesten Gemeinden für Ausflügler.

Sollte das Dachauer Schloss weiterhin hochkarätige Ausstellungen, wie die von Georg Baselitz 2016 ankündigen, könnte es dem Kloster Altomünster jedoch bald den Rang ablaufen. Etwa 3000 zahlende Besucher besuchen jährlich das Schloss Dachau. Das Interesse an Führungen nehme deutlich zu, sagt Stephan Müller von der Schlösserverwaltung. Allein zur Baselitz-Ausstellung 2016 kamen jedoch 8000 Besucher zusätzlich. "Im nächsten Jahr wird die deutsche Fotografin Katharina Sieverding ausstellen. Davon erwarten wir uns auch noch einen deutlichen Zuwachs", sagt Müller.

Auch die Gedenkstätte erhöhte ihre geschätzten Besucherzahlen im laufenden Jahr. Man gehe 2018 von 900 000 Besuchern aus, Tendenz steigend. Die Entwicklungen seien auch sehr stark an den Münchener Tourismus gekoppelt, da Gedenkstättenbesucher eher Tagesgäste sind. Die vielen Busreisegruppen fänden in den neuen Dachauer Hotels nun jedoch auch einen Übernachtungsplatz.