Starkbierredner Hansi Leber:"Das Publikum ist anspruchsvoller geworden"

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Manchmal sind Politiker auch beleidigt, wenn sie am Nockherberg keine Rolle spielen. Berücksichtigen Sie das in Ihren Starkbierreden?

Problematisch ist es bei ehemaligen Amtsinhabern, die sich im Publikum befinden. Deren augenblickliche Aktivitäten sind einfach zu wenig bekannt. Am schwierigsten wird es bei den Gemeinderäten, weil es so viele von ihnen gibt. Da helfe ich mir mit einem Trick: Ich bringe nicht nur auf jeden Derbleckten einen Trinkspruch aus, sondern auch auf den Marktgemeinderat. Da wird dann jeder einzelne Name genannt. Den Trinkspruch muss man natürlich nach jeder Wahl ändern.

Was macht in Ihren Augen eine gute Starkbierrede aus?

Scharf zu kritisieren, ohne böse zu sein. Die Rede muss auch so geschrieben sein, dass sie zur Figur des Vortragenden passt. Figur und Rede müssen miteinander verschmelzen. Schlecht wäre es, wenn der Starkbierredner ein politisches Amt bekleidet. So eine Rede fällt zwangsläufig einseitig aus.

Hat sich das Indersdorfer Starkbierfest im Laufe der vergangenen 20 Jahre verändert?

Das Publikum ist anspruchsvoller geworden. Und es hat sich mit dem Wechsel der Veranstaltungslokale (Sportheim, Forche-Saal, Gasthaus Doll) gewandelt. Mit dem Ambiente ändern sich auch die Reaktionen des Publikums. Manches Lokal ist schlechter, andere sind besser für eine Fastenpredigt geeignet.

Sie haben jetzt zum 20. Mal die Starkbierrede geschrieben. Sind Sie nicht ein bisschen ausgebrannt?

Kein bisschen.

Wie lange wird es den braven Soldaten Schweijk beim Indersdorfer Starkbierfest noch geben?

Ich könnte es mir noch einige Jahre vorstellen, allerdings nur ohne Rauchverbot. Als Schweijk durfte ich nur einmal auf der Bühne rauchen, weil es zur Rolle gehörte.

Interview: Robert Stocker

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