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Städtebaulicher Ideenwettbewerb kann beginnen:Streit um Dachauer Bahnhof beigelegt

Busbahnhof

Auch der Busbahnhof in Dachau soll mehr Platz bekommen.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Bahn rückt von Forderung nach großen Einzelhandels­flächen an der Frühlingstraße ab

Das Vorhaben der Stadt, die gesamte Bahnhofwestseite neu zu gestalten, kommt nun einen entscheidenden Schritt voran. "Wir haben uns endlich mit der Bahn verständigt", sagte Oberbürgermeister Florian Hartmann (SPD) am Dienstag im Bauausschuss. Entscheidend für die Einigung war, dass die Bahn abgerückt ist von ihrer Forderung nach großzügigen Einzelhandelsflächen entlang der Frühlingsstraße, so Hartmann. Daher kann nun ein Rahmenvertrag für einen städtebaulichen Ideenwettbewerb abgeschlossen werden, den Stadt und Bahn gemeinsam ausloben wollen. Die Bahn beteiligt sich mit 50 000 Euro an den Kosten von insgesamt 165 000 Euro. Wichtiges Ziel für Dachau ist mit Blick auf den Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs, einen leistungsfähigen Busbahnhof zu errichten. Die Bahn möchte das Bahnhofsgebäude erneuern oder sanieren und entlang der Frühlingstraße einen Komplex mit Läden, Büros oder auch Mitarbeiterwohnungen bauen.

Der Dachauer S-Bahnhof mit seinem beengten Vorplatz und der kleinen Bus-Station wird schon längst nicht mehr den Anforderungen gerecht. Deshalb gibt es seit Jahren Überlegungen der Stadt, dieses Areal neu zu gestalten. Auch eine Bürgerbeteiligung wurde dazu bereits 2017 durchgeführt. Doch seither kam das Projekt nicht voran. Denn die Bahn strebte bei einer Neukonzeption für die Areale an der Frühlingstraße großzügige Einzelhandelsflächen an, der Stadtrat sieht dort kein Einkaufszentrum, nur kleine Läden. Doch ohne die Mitwirkung des Verkehrsunternehmens geht es nicht, den Tochterfirmen DB Netz sowie DB Station und Service gehören alle relevanten Flächen am Bahnhof und entlang der Frühlingsstraße. Jetzt aber wurde eine Einigung erzielt. Die Bahn ist offenbar auf die Haltung der Stadt eingeschwenkt, sie setzt neben Einzelhandel auch auf Büros, Co-Working und Hotel, Boardinghouse oder Mitarbeiterwohnungen. Nun wird zu dem Vorhaben ein Ideenwettbewerb starten. Dabei sind wesentliche Ziele für das Areal eine Neugestaltung des Bahnhofs, ein Busbahnhof mit 26 Haltestellen, eine zweite Fußgänger- und Radfahrerunterführung unter dem Bahndamm, dazu ein öffentliches WC und eine Tourist-Info. Auch eine städtebaulich attraktive Nutzung des alten Postgebäudes, das der Stadt gehört, soll entwickelt werden. Ob das alte Bahnhofsgebäude abgerissen oder saniert wird, sei offen, berichtete der OB.

"Endlich sind wir einen Schritt weiter", kommentierte Sören Schneider (SPD). Widerspruch kam von der CSU gegen die Vorgabe, die Bahnhof- und Frühlingstraße verkehrsberuhigt zu entwickeln. "Das ist eine Hauptverkehrsader der Stadt", erklärte Peter Strauch (CSU). Tatsächlich soll keine klassische "Spielstraße" entstehen, wie sie in Wohngebieten üblich ist, erläuterte Bauamtsleiter Moritz Reinhold. Vielmehr gehe es darum, "nicht den Durchgangsverkehr anzuziehen." Der klare Fokus liege am Bahnhof auf dem öffentlichen Nahverkehr, Taxis, Radfahrern und Fußgängern. Denn schon jetzt hätten die Linienbusse tagtäglich Probleme, aus dem Busbahnhof auszufahren. Künftig führten die geplanten Nutzungen entlang der Frühlingstraße noch zu einer Belebung, zu mehr Ziel- und Quellverkehr. "Das wird mit einem starken Durchgangsverkehr nicht mehr funktionieren." Der motorisierte Verkehr müsse daher "vergrämt" werden.

Die gewünschte zweite Bahn-Unterführung wird für Fußgänger und Radler nutzbar sein. Ein zweiter Zugang zum Bahnsteig von dieser Unterführung aus, den Kai Kühnel (Bündnis für Dachau) ins Spiel brachte, sei nicht geplant. Dann würde der Tunnel nämlich als Bahnzugang gelten, so Bauamtsleiter Reinhold, und Radler müssten dort schieben. Die Stadträte billigten mehrheitlich die Ziele für den Rahmenvertrag mit der Bahn.

© SZ vom 24.01.2020
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