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Stadtwerke Dachau:Ladenhüter Kohlestrom

Die Mehrheit der Dachauer haben sich in einem Bürgerentscheid dafür ausgesprochen, dass die Stadtwerke aus dem Kohlekraftwerk Lünen aussteigen. Doch das ist nicht so einfach.

Die Beteiligung der Stadtwerke Dachau am Trianel-Kohlekraftwerk im nordrhein-westfälischen Lünen entwickelt sich zum Ladenhüter. Wie der technische Werkleiter Ludwig Pfänder im Werkausschuss mitteilte, hat sich bisher kein Kaufinteressent gemeldet.

kohlekraftwerk lünen

Das Trianel-Kohlekraftwerk in Lünen wird gerade gebaut - ein Ausstieg ist für die Stadtwerke fast unmöglich.

(Foto: Trianel)

Der kommunale Eigenbetrieb muss nach dem Bürgerentscheid vom Juli versuchen, seine Beteiligung zu verkaufen. Bis 15. Oktober hat er seinen 781.000-Euro-Anteil auf dem europäischen Portal "Ted Online" ausgeschrieben - jedoch ohne Erfolg. Auf Nachfrage der SZ erklärte der kaufmännische Werkleiter Robert Haimerl, dass die Beteiligung nun in der Zeitung für kommunale Wirtschaft (ZFK) angeboten werden soll.

"90 Prozent aller kommunalen Stadtwerke lesen dieses Organ", sagte er. Dennoch sei es ein schlechter Zeitpunkt. Gerade erst habe der Bund den Ausstieg vom Ausstieg aus der Atomenergie beschlossen, was Kohlekraftwerke nicht attraktiv mache.

Im Bürgerentscheid Anfang Juli hatte die Mehrheit der Wähler beschlossen, dass die Stadtwerke nicht weiter an Kohlekraftwerken beteiligt sein dürfen. In Krefeld ist ein Ausstieg unproblematisch, da sich das Werk erst in der Projektphase befindet.

Das 750-Megawatt-Kohlekraftwerk in Lünen hingegen wird schon gebaut und soll 2012 ans Netz gehen. Eine Kündigung der Verträge ist laut einem Gutachten erst 20 Jahre nach Inbetriebnahme des Werks möglich - außer die Stadtwerke fänden einen Käufer. Dem müssten die anderen Gesellschafter und die Banken zustimmen.

Es gebe keine festen Vorgaben, wie oft die Stadtwerke Dachau ihre Beteiligung ausschreiben müssten, sagt Josef Hermann, Rechtsamtsleiter der Stadt. Der kommunale Eigenbetrieb sei aber verpflichtet, alles Zumutbare zu tun, um die Anteile zu verkaufen, also den Markt weiter zu sondieren und zu schauen, ob es Verkaufsmöglichkeiten gebe.

Bleibt nur eine Alternative, wenn sich nach dem zweiten Verfahren wieder niemand meldet: "Man kann es dann nur in einem angemessenen Zeitraum wieder versuchen", so Hermann.