bedeckt München
vgwortpixel

Stadtstrand Dachau:Gänsehautpotential

Mit Selbstironie und Tiefgang: Blumentopf rappt am Stadtstrand in Dachau. 650 begeisterte Zuschauer feiern die Münchner Hip-Hop-Band im strömenden Regen.

Mit nickenden Köpfen und zum Himmel gestreckten Händen haben sie am Samstag am Dachauer Stadtstrand getanzt. Ob unterm Schirm auf den Liegestühlen oder im Regen direkt vor der Bühne - die Münchner Hip-Hop-Crew Blumentopf hat es geschafft, dass ihren zahlreichen Fans warm wurde.

"Also, bei dem Wetter so abzugehen. Mich hätte man da nicht vor die Haustür gebracht. Die waren super": Das Dachauer Publikum bekommt viel Lob von der Hip-Hop-Band Blumentopf.

(Foto: © joergensen.com)

Schon bei der Supportband Ya-ha! trauten sich einige Hartgesottene vor die Bühne - und wurden nicht enttäuscht. Das Soloprojekt von Florian Schuster alias "Schu" mixte sehr tanzbar Pop mit Rap. Die Band spielt seit drei Jahren zusammen und erlebt momentan einen Erfolgsschub. "Die Leute kennen uns oft gar nicht", erzählte Sängerin Janna Wonders. "Aber manchmal merkt man so eine positive Energie. Die hab ich heute hier gespürt." Schon am Nachmittag wäre es toll gewesen, in Dachau anzukommen, an dem "entspannten Strand mit seiner tollen Atmosphäre".

Als dann der "Blumentopf" - alias "Heinemann", "Holunder", "Specht" und "Schu" - höchstpersönlich auf die Bühne trat, wurde die Tanzfläche voll. Mit weiten Hosen, Caps und Regenschirmen wippte die Menge vor der Bühne. Die Hände zum Himmel, den Kopf Richtung Boden gerichtet wurden die Beats von DJ Sepalot so richtig genossen. Zwischendurch wurden die Textzeilen sogar mit traditioneller Blasmusik untermalt. Für diese Kombination von Heimatverbundenheit und ehrlichem Hip Hop, ist Blumentopf auch bei seinen Dachauer Fans bekannt. Während der Performance war eine gute Portion Humor und Eigenironie ein fast ständiger Begleiter. Ihre Freestyle-Texte über echt bayerisches Bier und die Straßenlaternen vor der Dachauer Stadtbücherei brachten das Publikum zum Lachen. Doch auch, dass Hip Hop sehr tiefgründig sein kann, haben sie bewiesen. Absolutes Gänsehautpotential schickten sie mit dem der Song "Manfred Mustermann" über den Platz. Dass der Bericht über ein ganz "normales" Leben voller Träume, Erfolge und Niederschläge so bedrückend sein kann, liegt am wahren Hintergrund des Textes und den fast schon schauspielerischen Fähigkeiten, mit denen die Rapper ihren Worten Ausdruck verleihen. Auch die Band selbst fand das Dachauer Publikum großartig. "Also, bei dem Wetter so abzugehen. Mich hätte man da nicht vor die Haustür gebracht. Die waren super", sagte Sepalot, der sich nach dem Konzert noch vier feste Wände zum Musik machen suchte und in der Roxibar auflegte.

Die fünf Musiker stammen aus München und Umgebung. 1992 haben sie sich in Freising zum ersten Mal als Band getroffen und in den folgenden Jahren den Grundstein für den großen Erfolg des Deutschen Hip Hop gelegt. Nach zwanzig Jahren Bühnenerfahrung war der Auftritt in Dachau für sie sozusagen ein Heimspiel. Für Blumentopf war es der letzte Open-Air-Auftritt diesen Sommers. Erst ab November gehen sie mit ihrem neuen Album "Nieder mit der GbR" wieder auf Tour durch ganz Deutschland.

Das ist definitiv der Höhepunkt in Sachen Live-Musik hier am Stadtstrand", sagt Veranstalter Patrick Schwaack. Von ihm kam der Anstoß, Blumentopf nach Dachau einzuladen. Zu ihrem 20-jährigen Jubiläum wollte er sie in die Nähe ihrer Heimat München holen. "Gerade, dass es auch noch in der Kombination mit Ya-Ha! geklappt hat. Das werden wir wohl so schnell nicht mehr hier erleben." Das Konzept, an einem sommerlichen Strand zu spielen, hat die Bands sofort überzeugt. Dass es am schönsten Traumstrand jedoch auch mal regnen kann, damit muss man sich in Deutschland vielleicht abfinden. Auch so kamen zwar rund 650 Besucher; bei schönem Wetter wären es wahrscheinlich noch einige mehr gewesen.

Insgesamt ist Schwaack mit seinem Sommer-Projekt, dem Stadtstrand, bisher sehr zufrieden: "Die Leute sitzen gerne bei uns, nicht nur abends zu den Konzerten oder zum Public Viewing, sondern auch nachmittags." Die Sandfläche sei mittlerweile ein regelrechter Treffpunkt der Generationen geworden, wo von Jugendlichen über Familien bis hin zu Rentnerehepaaren jeder mal vorbeikomme, um das neue Südseefeeling in Dachau zu genießen. Dass es teilweise Beschwerden von Anwohnern wegen der lauten Live-Konzerte gab, seien "normale Anlaufschwierigkeiten", so Schwaack. "Dachau ist kulturell gesehen im Wandel. Da müssen auch die Einwohner zum Teil erst reinwachsen." Mit dem Stadtstrand möchte er das Programm der Stadt ergänzen, gerade im Hinblick auf Live-Musik. Für den Winter plant er einen "Alternativen Christkindlmarkt für die Stadt", der Kunsthandwerk und Kultur vereinen soll. "Es tut sich hier momentan sehr viel zum Positiven. Ich bin froh, dass uns die Stadt und das Kulturreferat die Chance zu solchen Veranstaltungen geben."