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Dachauer Stadtrat:Stangl legt sein Mandat nieder

Gibt seinen Sitz im Stadtrat ab: Christian Stangl.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Der einstige Fraktionsvorsitzende Christian Stangl zieht sich nach 13 Jahren ganz aus der Politik zurück und wechselt in eine Führungsposition bei den Stadtwerken. Die CSU verliert einen profilierten Stadtrat und kritischen Geist.

Ein schwerer Schlag für die CSU im Dachauer Stadtrat: Christian Stangl, einer der profiliertesten Kommunalpolitiker, legt sein Mandat nieder. Der 39 Jahre alte Rechtsanwalt kehrt nach 13 Jahren der Politik vor allem deshalb den Rücken, weil er sich beruflich neu orientiert. Stangl wird Abteilungsleiter bei den Stadtwerken Dachau. Offenbar gibt es noch andere Gründe: Stangls Rückzug folgt auf parteiinterne Querelen im Vorfeld der Kommunalwahl im März 2014. Stangl, der nie ein Blatt vor den Mund nahm, kritisierte öffentlich die Personalpolitik seines Kreisvorsitzenden, des Landtagsabgeordneten Bernhard Seidenath. Dieser hatte seinen Wunschkandidaten, den heutigen Landrat Stefan Löwl im Alleingang - so die Kritik - durchgeboxt.

Aus Protest dagegen legte Christian Stangl nach der Kommunalwahl den Fraktionsvorsitz im Dachauer Stadtrat nieder. Stangl kritisierte, dass Repräsentanten der Partei bei so wichtigen Personalentscheidungen außen vor gelassen würden. "Wenn man den eigenen verdienten und lange Jahre ehrenamtlich tätigen Parteimitgliedern keine Perspektive bietet, dann gehen sie eben eines Tages", sagte Stangl jetzt. Stangl wollte entgegen Gerüchten jedoch nicht selbst als Landrat kandidieren. Ihm gehe es darum, dass der Ortsverband Dachau, der größte im Landkreis, bei Personalentscheidungen überhaupt nicht einbezogen worden sei. "In der Gesamtabwägung" hätte das Vorgehen der Parteispitze vor der Kommunalwahl eine Rolle gespielt.

Bernhard Seidenath sagte auf Anfrage, er habe nichts von den Absichten Stangls gewusst. Mit Stangl als Fraktionsvorsitzendem habe er in einigen Punkten sehr professionell zusammengearbeitet.

Den Fraktionsvorsitz hatte Stangl von Gertrud Schmidt-Podolsky im Jahr 2007 übernommen, die ihrerseits hingeworfen hatte, weil sie damals bei der Nominierung des Landtagskandidaten ausgebremst worden war - auch von Mitgliedern des eigenen Ortsverbandes. In der Landtagswahl 2008 trat dann Bernhard Seidenath an. Im vergangenen Jahr erlebte die Dachauer CSU ein Debakel: In der Stichwahl bezwang Florian Hartmann (SPD) den langjährigen Oberbürgermeister Peter Bürgel - ein politischer Erdrutsch für die CSU.

Auch in der Landratswahl musste die Partei zittern: Stefan Löwl gewann mit einem hauchdünnen Vorsprung vor dem SPD-Kandidaten, dem Landtagsabgeordneten Martin Güll. Hansjörg Christmann stand aus Altersgründen nicht mehr zur Wahl. In der Folge kam es an der Spitze von Fraktion und Ortsverband Dachau zu einem Umbau. Stadtrat Dominik Härtl übernahm den Fraktionsvorsitz. Mit Seidenath sei Stangl "0,0" klargekommen, sagte ein CSU-Mitglied der SZ, das namentlich nicht genannt werden wollte. "Das ist ohne Frage ein großer politischer Verlust", erklärte Härtl im Gespräch mit der SZ zum Rückzug seines Parteifreundes.

Christian Stangl sei für die Fraktion ja nicht irgendwer gewesen, er habe als langjähriger Vorsitzender und im neuen Stadtrat nach der Kommunalwahl als Wirtschaftsreferent in herausgehobener Position CSU-Politik gemacht. Und das mit großem Erfolg auch beim Wähler: 2014 hatte er die zweithöchste Stimmenanzahl auf der CSU-Liste erreicht. 7000 Dachauer votierten für den Rechtsanwalt, mehr nur noch für den damaligen Oberbürgermeister Peter Bürgel. Viele Bürger schätzten die klare und humorvolle Art Stangls, der in politischen Auseinandersetzungen aufrecht, offen und fundiert argumentierte, sich aber auch sinnvollen Kompromissen nicht verschloss. Seine Stadtratsarbeit war vorausschauend.

Doch für seine Entscheidung sind berufliche Gründe ausschlaggebend gewesen, wie Stangl sagte. Er übernimmt zum 1. Mai die Leitung der Abteilung Personal und Recht bei den Stadtwerken, einem kommunaleigenen Betrieb der Stadt Dachau. In nichtöffentlicher Sitzung gab der Werkausschuss des Dachauer Stadtrats am Dienstag seiner Bewerbung unter mehreren anderen den Vorzug. Christian Stangl sei als Fachanwalt der richtige Mann für den Posten, hieß es aus seiner Fraktion. "Diese Tätigkeit ist unvereinbar mit dem Stadtratsmandat", sagt Stangl. Wegen dieses Ehrenamts habe er in den vergangenen 13 Jahren viele berufliche Chancen nicht ergriffen, weil er sein Mandat mit Herzblut ausgeführt habe und das auch so bis zum Schluss machen werde. In der Märzsitzung des Stadtrates wird Christian Stangl verabschiedet. Er ist Mitglied im Haupt- und im Werkausschuss, stellvertretendes Mitglied in fünf weiteren Ausschüssen und Wirtschaftsreferent. Seine Nachrückerin wird Heidi Lewald, Beisitzerin im CSU-Ortsverband. Wer aber nun seine Ausschusssitze und sein Amt als Wirtschaftsreferent übernimmt, ist noch unklar.