Stadtrat Dachau:Der Turm muss weg

Dem Dachauer Stadtrat missfallen beide Architekturentwürfe für den Baywa-Turm. Für ihn gibt es jetzt nur eine Lösung: Das Silogebäude muss weg.

Melanie Staudinger

Den Silo-Turm auf dem einstigen Baywa-Gelände neben dem Stadtbahnhof in Dachau kennt nahezu jeder im Landkreis. Doch seine Tage sind gezählt. Der Bauausschuss des Stadtrats hat beschlossen, dass der Bauträger, die Münchner Rüba Wohnbau GmbH, keine Wohnungen im bestehenden Gebäude errichten darf.

Stadtrat Dachau: Der Baywa-Turm wird wahrscheinlich bald abgerissen.

Der Baywa-Turm wird wahrscheinlich bald abgerissen.

(Foto: Archivbild: www.joergensen.com)

Wenn Rüba dort bauen will, muss sie den Turm vorher abreißen. "Jetzt, da der Bau des angrenzenden Seniorenheims so weit fortgeschritten ist, wird klar, wie wenig der bestehende Turm die städtebauliche Qualität prägt", sagte CSU-Stadträtin Gertrud Schmidt-Podolsky.

Dem Bauausschuss lagen am Mittwoch zwei Alternativen vor, wie der Wohnturm später aussehen könnte. Der eine stammt von dem Dachauer Architekten Emil Kath, der andere von der Rüba Wohnbau GmbH selbst.

Das Stadtbauamt bewertete beide Optionen anhand der Kriterien städtebauliche Wirkung, Umgang mit dem historischen Baukörper, Gebäudegestaltung und Einhaltung rechtlicher Vorgaben. Der Entwurf Kaths setzte sich zwar durch, müsste aber auch noch überarbeitet werden.

Die Stadträte aber waren von keiner Alternative richtig überzeugt. "Wenn überhaupt, dann sind wir für Alternative 1. Aber die ist auch nicht so ideal", erklärte Schmidt-Podolsky und meinte damit Kaths Überlegungen. Alfred Stelzer (FDP) fand beide Lösungen "recht ähnlich". Er sehe aber die Rüba-Variante als die bessere an. Ähnlich argumentierte Claus Weber (FW): "Wir könnten aber gut damit leben, wenn das Ding verschwinden würde."

Bündnis-Chef Kai Kühnel waren die Entwürfe zu bieder für ein ortsbildprägendes Bauwerk. "Das müsste progressiver zum Altbestand sein, ist es aber nicht", sagte er. Auch aus seiner Sicht sollte der Turm lieber verschwinden. Günter Heinritz (SPD) erklärte: "Der Turm ist inzwischen nicht mehr so massiv prägend, als dass er erhalten werden müsste. Und Erwin Zehrer (CSU) empfahl, noch einmal grundsätzlich über das Projekt nachzudenken.

Der OB stimmt gegen seine Fraktion

Oberbürgermeister Peter Bürgel (CSU) unterbrach daraufhin die Sitzung und sprach mit dem Bauträger. Der jedoch wollte laut OB nicht auf sein Baurecht verzichten. Wird der Turm nämlich abgerissen, darf er dort nicht wieder ein gleich hohes Gebäude hinstellen. Vielmehr orientiert sich das Ausmaß der neuen Häuser dann am nördlich liegenden Gebiet. Die Mehrheit ließ sich dadurch aber nicht von ihrem Wunsch nach einem Abriss abbringen. Nach einer erneuten Beratungspause stimmten schließlich CSU, SPD, Grüne, Bündnis für Dachau, Freie Wähler und FDP gegen Wohnungen im Silo-Turm. Nur die ÜB und OB Bürgel votierten für das Vorhaben der Rüba GmbH.

Im Bebauungsplanverfahren seien von Anfang an die Optionen Abriss oder Erhalt vorgesehen worden, sagte Stadtbauamtsleiter Michael Simon. Auf Nachfrage der Süddeutschen Zeitung erklärte er, dass der Bauwerber auch damit rechnen hätte müssen, dass er den Turm nicht erhalten darf.

Dennoch räumte Simon ein, dass darüber "bis jetzt nicht intensiv diskutiert wurde". In den bisherigen Beratungen sei immer vom Turm als Bestand ausgegangen worden. "Es gab aber nie eine befriedigende Lösung für die Gestaltung", sagte er. Die Stadtverwaltung werde nun den Bebauungsplan entsprechend des Beschlusses umarbeiten. "Das restliche Areal ist unstrittig", sagte Simon. Auch die Altlastenfrage sei mittlerweile geklärt.

Dem Bauträger bleibt nun kaum etwas anderes übrig als neu zu planen und andere Gebäude an dieser Stelle vorzusehen. Rein theoretisch, so erläutert Simon, könne die Rüba Wohnbau GmbH die Ruine an der Freisinger Straße auch einfach stehen lassen. "Dann darf da aber nicht gebaut werden", so der Bauamtsleiter. Rüba-Geschäftsführer Edgar Rümmele war am Donnerstag für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

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