bedeckt München 13°
vgwortpixel

Stadtentwicklung:Stadträte weisen Investor in die Schranken

Schlossbrauerei

Das denkmalgeschützte Hauptgebäude der ehemaligen Schlossbrauerei: Die Dachauer schätzten die Oase auf dem Weg zum Wittelsbacher Schloss.

(Foto: Niels P. Joergensen)

Der Eigentümer des Schlossbrauerei-Areals in Dachau will entgegen einem früheren Versprechen den Biergarten nicht mehr erhalten. Dafür schenkt er das Gelände der Stadt - der Bauausschuss lehnt das Angebot verärgert ab

Schon einmal hat Jobst Kayser-Eichberg, Eigentümer des 5300 Quadratmeter großen Schlossbrauereigeländes in Dachau, den Stadtrat verärgert. Das war 2012, als er sein Versprechen brach, Bräustüberl und Biergarten nach einer Sanierung des Brauereigebäudes zu erhalten. Stattdessen: Wohnbebauung auf beiden Seiten der Klosterstraße. Damals fühlten die Stadträte sich betrogen, heute erschien ihnen das Anliegen des Investors ein "bissl frech", wie Claus Weber (FW) sagte. Und so machten sie Kayser-Eichberg einen Strich durch die Rechnung: Die Stadt stellt das Bebauungsplanverfahren für das Gelände nicht ein, "eine Bebauung im Wildwuchs nach Paragraf 34" (Grünen-Stadtrat Thomas Kress) kommt auch nicht in Frage - und Kayser-Eichbergs Geschenk, das Biergartenareal, nehmen die Stadträte zumindest vorerst nicht an.

Es lief nicht gut für Kayser-Eichberg, Geschäftsführer der Sedlmayr Grund und Immobilien KGaA. Am 1. September hatte Kayser-Eichberg beantragt, das Bebauungsplanverfahren einzustellen und ihm Baurecht nach Paragraf 34 zu gewähren. Aber einige im Gremium hatten noch die Worte von Kai Kühnel (Bündnis) im Ohr: "Es ist bitter für den Stadtrat, dass er so hinters Licht geführt worden ist", sagte der heutige Bürgermeister im Jahr 2012. Auf dem Areal der früheren Flaschenabfüllerei schreitet der Neubau von Wohnungen voran. Die 30 Mietwohnungen sollen im Sommer 2016 bezugsfertig sein.

Für die gegenüberliegende Seite mit dem denkmalgeschützten Brauereigebäude und Biergarten hatte die Stadt einen Bebauungsplanbeschluss getroffen: Um- und Ausbau sowie Sanierung des historischen Gebäudes - und die Inbetriebnahme des idyllischen Biergartens mit alten Kastanien, ein Stück Geschichte der Altstadt Dachaus. Grünen-Sprecher Thomas Kress warnte davor, dass man das städtebaulich wertvolle Areal nicht dem "Wildwuchs nach Paragraf 34" überlassen dürfe. Das sehen alle Fraktionen im Bauausschuss genau so. Gertrud Schmidt-Podolsky (CSU) erklärte, ihre Fraktion fühle sich von dem Antrag des Investors auf den Arm genommen. "Plötzlich geht der Biergarten nicht mehr." Das aber hatte Kayser-Eichberg schon im Mai 2012 erklärt. Wie er erklärte, gibt es in der Altstadt zu viele Gasthäuser. Der Biergarten könnte also nicht rentabel betrieben werden. Damals begrüßte Oberbürgermeister Peter Bürgel (CSU) das Angebot des Investors, der Stadt das Biergartenareal zu schenken.

Jetzt versuchte Kayser-Eichberg es wieder: "Ein verführerisches Angebot", sagte SPD-Stadtrat Günter Heinritz und lehnte ab. "Wenn ein Biergartenbetrieb nicht möglich ist, dann brauchen wir dieses Geschenk nicht mehr." Volker C. Koch (SPD) sprach von einem Danaergeschenk, über das Gertrud Schmidt-Poldosky gar nicht reden wollte, solange nicht geklärt ist, ob ein Biergarten nicht doch möglich sei. Claus Weber wurde noch deutlicher: "Der Eigentümer will das Areal mit zwei Baumdenkmälern los haben, weil ihm der Pflegeaufwand zu hoch ist." Weber meinte, Kayser-Eichberg wolle scheibchenweise seinem Ziel näherkommen. Eine Bebauung nach Paragraf 34 muss sich nur der Umgebung anpassen, die er mit dem Wohnungsneubau auf der anderen Straßenseite selbst geschaffen hat. Den hatte die Stadt mit einem einfachen Bauantrag zugelassen.

Die Fraktionen waren sich einig: Der traditionelle Biergarten - von 500 bis 1500 Plätzen war einmal die Rede - muss gerettet werden. Doch Oberbürgermeister Florian Hartmann (SPD) mahnte zu einer" realistischen Einschätzung": Kayser-Eichberg lehne ihn ab, wer solle ihn dann betreiben, die Stadt, ein Pächter? Nun prüft die Verwaltung, unter welchen Bedingungen ein Biergartenbetrieb möglich wäre. Dann soll ein Pächter mit einem geeigneten Konzept gesucht werden. Bis dahin bleibt der Investor auf seinem Geschenk sitzen.

© SZ vom 19.11.2015
Zur SZ-Startseite