HallengebührenWiderwillige Unterstützung der Stadt für Dachauer Sportvereine

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Basketballer vom TSV 1865 Dachau trainieren in der Sporthalle des Ignaz-Taschner-Gymnasiums. Auch sie wäre von den Gebührenerhöhungen betroffen.
Basketballer vom TSV 1865 Dachau trainieren in der Sporthalle des Ignaz-Taschner-Gymnasiums. Auch sie wäre von den Gebührenerhöhungen betroffen. (Foto: Niels P. Jørgensen)

Seit der Landkreis angekündigt hat, die Gebühren für seine Schulturnhallen zu erhöhen, schlagen die Dachauer Sportvereine Alarm. Jetzt soll ihnen die Stadt finanziell noch stärker unter die Arme greifen. So richtig glücklich ist mit dem Ergebnis aber niemand.

Von David Kulessa, Dachau

Die Stadt Dachau wird ihre Sportvereine bei der Nutzung der Landkreisturnhallen vorerst weiterhin finanziell sehr stark unterstützen. Das hat der Haupt- und Finanzausschuss am Mittwochnachmittag mehrheitlich beschlossen. Demnach bleibt es in diesem Jahr dabei, dass die Gemeinde den Vereinen 85 Prozent der Nutzungsgebühr zuschießt – obwohl diese ab dem 1. Juni voraussichtlich von 13,69 auf 19,80 Euro pro Stunde pro Hallendrittel steigen wird. Der Stadtrat muss dem Beschluss noch zustimmen.

In absoluten Zahlen bedeutet das: Im Vergleich zum ursprünglich beschlossenen Haushalt steigen die Kosten in diesem Punkt von etwa 153 000 Euro auf ziemlich genau 250 000 Euro. Max Haberl, der Leiter des zuständigen Sozial- und Sportamtes, sagte anschließend in Richtung seiner anwesenden Kolleginnen: „Wir haben einen Arbeitsauftrag.“ Eine Aussage die man wohl irgendwo zwischen Galgenhumor und Euphemismus verorten darf. Zuvor in der Sitzung hatte Haberl nämlich erklärt, dass er gar nicht wisse, wo dieses Geld eigentlich herkommen soll. Die Haushaltslage der Stadt ist schon länger angespannt.

Doch seit der Kreisausschuss des Landkreises im vergangenen Februar beschlossen hat, dass die Hallennutzungsgebühr um fast 60 Prozent erhöht werden soll (zunächst stand sogar eine Steigerung um rund 300 Prozent im Raum), warnen die Dachauer Sportvereine vor den Konsequenzen, wenn die Stadt sich nicht an den gestiegenen Kosten beteilige. „Kinder würden auf kurz oder lang auf der Straße stehen“, sagte Andreas Wilhelm, Vorsitzender des ASV Dachau, der Süddeutschen Zeitung schon vor Wochen. Mit anderen Worten: Die Vereine, die auf die Hallen des Landkreises angewiesen sind, könnten ihr Angebot nicht aufrechterhalten. Vom TSV Dachau war Ähnliches zu vernehmen.

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Zwar richtet sich der Ärger von Wilhelm und seinen Kollegen ganz klar gegen den Landkreis und nicht gegen die Stadt. Aber weil die Zustimmung des Kreistags für die Erhöhung am 4. April als Formsache gilt, wandte sich auch Günter Dietz am Mittwoch noch einmal eindringlich an die Ausschussmitglieder. Der Stadtratsreferent für Sport sagte zu Beginn der Sitzung, es sei das „einzig Richtige“, den Vereinen auch weiterhin eine Bezuschussung von 85 Prozent zu gewähren. Mit allen Alternativen, etwa einem gedeckelten Geldbetrag, „fahren wir die Vereine an die Wand“.

In der anschließenden Debatte betonten fast alle Fraktionen ihr Verständnis für die Notlage der Sportvereine. Man wolle sie, so sagte es Richard Seidl (Grüne), auf keinen Fall „im Regen stehen lassen“. Sogleich könne es aber nicht sein, dass „wir in die Bresche springen und die Vereine retten, damit der Landkreis sich einen schlanken Fuß machen kann“. Viele der Wortmeldungen gingen in eine ähnliche Richtung und lassen sich in etwa so zusammenfassen: Unterstützung und Verständnis für die Vereine — Verärgerung und Verwunderung über den Landkreis. „Das ist eine versteckte Erhöhung der Kreisumlage“, befand etwa Markus Erhorn (Freie Wähler Dachau).

„Am Ende geht es um Kinder, die Sport machen. Die sollten wir nicht zum Spielball machen.“

Oberbürgermeister Florian Hartmann (SPD), der als einziges Mitglied des Kreisausschusses im Februar gegen die Erhöhung gestimmt hatte, sagte, seine dortigen Kollegen wollten „sich mit Argumenten nicht auseinandersetzen“. Das sei zwar ärgerlich, zumal der Landkreis noch immer eine nachvollziehbare Erklärung für die Gebührenerhöhung schuldig sei, aber: „Am Ende geht es um Kinder, die Sport machen. Die sollten wir nicht zum Spielball machen.“ Dieser Argumentation schloss sich die Mehrheit letztlich an – und entschied, die 85-Prozent-Regelung für dieses Jahr beizubehalten, trotz der erwarteten Mehrkosten. „Es ist ungerecht“, sagte Hartmanns Parteikollegin Anke Drexler, aber die Entscheidung sei „wichtig für die Vereine und die Kinder“. Vier Gegenstimmen gab es; aus den Fraktionen der Grünen, des Bündnisses für Dachau und der AfD. Deren Vertreter Jürgen Henritzi hatte sich als einziger überhaupt nicht an der Debatte beteiligt.

„Ob die Lösung gut ist, weiß ich nicht“, sagte Andreas Wilhelm vom ASV Dachau nach der Sitzung der SZ. Als einziger Vereinsvertreter hatte er der Sitzung beigewohnt. „Ich bin dankbar, dass die Stadt das übernimmt.“ Aber in der eigentlichen Verantwortung sieht auch er den Landkreis, nicht die Stadt.

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Bereits am Dienstag appellierten er und die Vorsitzende von Soli Dachau, Renate Märkl-Balk, deshalb noch einmal an alle Mitglieder des Kreistages, die Nutzungsgebühren für die Vereine möglichst gering zu halten und von der Erhöhung auf fast 20 Euro abzusehen. Es sei zum Beispiel nicht nachvollziehbar, heißt es in dem offenen Brief, warum die Vereine an den Versicherungskosten beteiligt werden sollten, wenn sich die Versicherung durch ihre Nutzung doch gar nicht erhöhe. Alle fünf Hallen, um die es geht, sind Schulturnhallen, zu deren Unterhalt der Landkreis verpflichtet ist. Konkret sind das die beiden Hallen des Josef-Effner-Gymnasiums sowie jene der Berufsschule Dachau, des Ignaz-Taschner-Gymnasiums und der Realschule Dachau.

Die Erfolgsaussichten im Kreistag erscheinen allerdings gering, echtes Interesse an einem Austausch mit den Sportvereinen nehme er von Landkreisvertretern bislang jedenfalls nicht wahr, so Wilhelm. Was ihn besonders ärgere, seien Forderungen, die Vereine sollten doch sparen oder einfach mehr Einnahmen generieren. Von FDP-Stadtrat Jürgen Seidl kamen solche Argumente auch in der Ausschusssitzung am Mittwoch. „Ich mache die ganze Zeit nichts anderes als sparen“, erklärt hingegen Wilhelm; es gebe Wartelisten und Gruppen würden zusammengefasst, um die Hallenzeiten zu reduzieren. Schon heute seien die Mitgliedsbeiträge beim ASV die Höchsten im ganzen Landkreis. „Wo soll ich denn noch sparen?“

Besser wird die finanzielle Situation absehbar jedenfalls nicht: Kommt es zur erwarteten Erhöhung der Hallengebühr, dann bedeutet das für die Vereine eine enorme Kostensteigerung. Selbst mit der Unterstützung der Stadt kämen auf die Dachauer Sportvereine allein in diesem Jahr Mehrkosten von insgesamt rund 17 000 Euro zu.

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