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Staatliche Heimaufsicht:Mangelhafte Altenpflege

Das Dachauer Meinzolt-Haus und die Einrichtungen in Schönbrunn und Wollomoos sind ohne Tadel. Leider sieht es bei den anderen Heimen im Landkreis nicht so gut aus.

Dem Alten- und Pflegeheim Friedrich-Meinzolt-Haus bescheinigt die staatliche Heimaufsicht nach ihrer jährlichen Prüfung "erneut ein insgesamt sehr positives Qualitätsergebnis". Ebenfalls kurz, weil ohne Mängelliste, sind die Berichte für das Franziskuswerk Schönbrunn und das Psychiatrische Pflegeheim Wollomoos bei Altomünster - beides Einrichtungen für Menschen mit geistigen Behinderungen.

Stadt Dachau

Am Friedrich Meinzolt-Haus der Diakonie in Dachau können sich einige Alteneinrichtungen im Landkreis noch ein Beispiel nehmen.

(Foto: DAH)

Hingegen "erhebliche Mängel" stellte die Heimaufsicht bei einem Besuch im Juni im Senterra-Pflegezentrum in Markt Indersdorf fest. Eine Bewohnerin hatte dort innerhalb von zehn Wochen vier Kilo Gewicht verloren, ein anderer in sieben Wochen sieben Kilo. Die Pfleger hatten sich darum entweder nicht ausreichend gekümmert oder aber das Abmagern der Senioren gar nicht als Problem erkannt. Außerdem stellten die Heimprüfer fest, dass die Bewohner zu wenig betreut wurden. Einer Frau wurde nur an einem Tag im Monat ermöglicht, das Bett zu verlassen. Ein Mann war nur an acht Tagen im Prüfmonat zu Gespräch oder Beschäftigung besucht worden.

Einmal im Jahr werden Pflegeheime von der staatlichen Heimaufsicht unangekündigt überprüft. Seit 2010 trägt die Aufsicht den Namen Fachstelle für Pflege- und Behinderteneinrichtungen, Qualitätsentwicklung und Aufsicht, kurz FQA. An sie kann sich jeder wenden, der Missstände in einem Heim beobachtet. Die Berichte für die Heime im Landkreis Dachau werden auf den Internetseiten des Landratsamtes veröffentlicht; für fünf der zwölf Altenheime im Landkreis liegen die Prüfberichte derzeit vor. Sie gelten als aussagekräftiger als der sogenannte Pflege-TÜV des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen (MDK), der die Heime ebenfalls einmal im Jahr prüft und Noten vergibt. Der MDK stelle im Wesentlichen fest, "ob die Leistungen der Pflegeversicherung erbracht wurden", erklärt ein Sprecher des Sozialministeriums. Die FQA hingegen prüfe, "die Leistung, die bei den Bewohnern ankommt".

Wer sich an den Berichten orientieren will, muss allerdings zwischen den Zeilen lesen können. Jeder Bericht beginnt mit dem Punkt "Positive Aspekte" - das muss nicht heißen, dass es welche gibt. Sowohl dem Pro-Seniore-Wohnpark Ebersbach als auch dem Curanum-Seniorenpflegezentrum Münchhausen-Karlsfeld wird ein "erfreulich hohes Niveau" bescheinigt. Im Weiteren wird jedoch dargestellt, dass in Ebersbach Medikamente noch nach dem Verfallsdatum verabreicht wurden und Patienten falsch im Bett lagen, sodass sie sich an der Flüssignahrung hätten verschlucken können. Bewohner im Heim Münchhausen-Karlsfeld berichteten den Prüfern, dass ihnen das Essen nicht schmecke, sie zum Essen gedrängt würden. Außerdem stellten die Prüfer fest, dass einige Patienten das Bett nicht verlassen dürften und zu wenig betreut würden. Im Haus Anna Elisabeth in Karlsfeld hatte sich eine Bewohnerin wund gesessen, eine andere pro Monat ein Kilo Körpergewicht verloren - den Pflegern war das nicht aufgefallen. Im Bericht gibt es unter dem Punkt "erhebliche Mängel" keine Eintragungen.

Das Senterra-Pflegezentrum hat seit Juni acht zusätzliche Mitarbeiter eingestellt, die bei der Betreuung und Beschäftigung der Bewohner helfen. Die erneute Prüfung im November sei "sehr erfolgreich" gewesen, sagt Heimleiterin Marlies Bartel. Doch neue Fachkräfte konnte sie bisher nicht gewinnen. Das liege am Fachkräftemangel und auch daran, dass das Heim erst 2008 eröffnet habe: "Es dauert etwa drei Jahre eine Stammbelegung aufzubauen." Thomas Wille, Leiter des Meinzolt-Hauses, dessen Träger die Innere Mission ist, hat kürzlich einem Mitarbeiter zum 25-jährigen Firmenjubiläum gratuliert. Viele seiner Mitarbeiter seien schon 10 bis 15 Jahre im Hause, sagt er. Es sei ein offenes Haus, "Die Leute kennen die Einrichtung gut", sagt er.

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