SportlerehrungRote Handtücher für die Sieger

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Mehr ausgezeichnete Athletinnen und Athleten als auf die Bühne passen: „Sie haben die Stadt Dachau auf bayerischer, auf nationaler und auf internationaler Ebene ganz wunderbar repräsentiert“, rief ihnen der Oberbürgermeister zu.
Mehr ausgezeichnete Athletinnen und Athleten als auf die Bühne passen: „Sie haben die Stadt Dachau auf bayerischer, auf nationaler und auf internationaler Ebene ganz wunderbar repräsentiert“, rief ihnen der Oberbürgermeister zu. (Foto: Toni Heigl)

Zum 48. Mal ehrt Dachau am Mittwochabend die Sportlerinnen und Sportler des Jahres. Unter ihnen eine „unglaublich“ erfolgreiche Schwimmerin, ein Tennisweltmeister – und gleich 23 Mitglieder der Taekwondo-Abteilung des TSV Dachau.

Von David Kulessa, Dachau

Günter Dietz ließ sich von der aufkommenden Unruhe nicht beirren. Der Sportreferent der Stadt Dachau und Kreisvorsitzende des Bayerischen Landes-Sportverbands dürfte mitbekommen haben, dass die Aufmerksamkeit langsam aber sicher von ihm zum gerade aufgebauten Buffet auf der anderen Seite des Raums wanderte. Doch bevor sich die mehr als 200 Sportlerinnen und Sportler Kartoffelgratin und Hähnchenbrust zuwenden konnten, verlas Dietz die letzten Namen auf seiner Liste – und bat 13 Schützen des WTC Wurftauben-Clubs Dachau zu sich auf die Bühne.

Bereits zum 48. Mal fand am Mittwochabend die Jahresehrung der Sportlerinnen und Sportler der Stadt Dachau statt: 75 Einzelathleten und 16 Mannschaften wurden für ihre besonderen Leistungen im vergangenen Jahr ausgezeichnet. „Sie haben die Stadt Dachau auf bayerischer, auf nationaler und auf internationaler Ebene ganz wunderbar repräsentiert“, sagte Oberbürgermeister Florian Hartmann (SPD) in seiner Begrüßungsrede. Kurz wurde er darin politisch, als er sagte, es sei die Aufgabe der Stadt, dem Sport eine „möglichst gute und leistungsfördernde Infrastruktur zur Verfügung zu stellen“, auch in Zeiten von eingeschränkten finanziellen Möglichkeiten. Eine Fördersumme von 450 000 Euro werde den Sportvereinen künftig zur freien Verfügung stehen, verkündete Hartmann, eine Steigerung um rund 50 000 Euro.

Was der Oberbürgermeister nicht erwähnte, war der drohende Konflikt mit den Sportvereinen, wenn der Landkreis ab dem 1. Juni die Gebühren für seine Turnhallen um rund 50 Prozent erhöht. Die Vereine betonen, dass sie sich das nur dann leisten könnten, wenn die Stadt sie auch weiterhin mit 85 Prozent der Gesamtkosten bezuschusst. Wenn nicht, „müssen wir zusammenrücken und uns einschränken“, hatte Wolfgang Moll, der Vorsitzende des TSV Dachau, Anfang Februar gesagt. Ab März würden Gespräche zwischen der Stadt und den Vereinen zu diesem Thema geführt, erklärte Florian Hartmann der SZ.

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An diesem Abend freilich blieb es völlig harmonisch. Es sollte schließlich um eine Feier des Sports und, wie Günter Dietz in seiner Eingangsrede betonte, des Ehrenamts gehen: „Das Ehrenamt ist die Grundlage des Breitensports.“ Ein echtes Vorbild sei in dieser Hinsicht der Schwimmtrainer Michael Posch: Er wurde mit der silbernen Bürgermedaille der Stadt Dachau ausgezeichnet.

Alle drei Weltmeister sind beim ASV Dachau aktiv – darunter der 90-jährige Tennisspieler Werner Marx

Seit bald 40 Jahren ist Michael Posch Mitglied beim SV Dachau. 1996 wurde er Cheftrainer und leitete bis vor fünf Jahren zusätzlich die Schwimmabteilung des Vereins. Neben der Organisation von Kreiswettkämpfen und bayerischen Meisterschaften ist er der Erfinder des internationalen Dachauer Masters Cup, zu dem Schwimmerinnen und Schwimmer aus ganz Europa in die Stadt kommen; vergangenes Wochenende erst fand die 24. Ausgabe statt. „Wie kaum ein Zweiter steht der Name Michael Posch für den Schwimmverein Dachau“, sagte Oberbürgermeister Hartmann. Sportreferent Dietz ergänzte: „Du hast die Medaille mehr als verdient, lieber Michael.“

Es blieb nicht seine einzige Auszeichnung: Kurz darauf wurde Posch für seinen bayerischen Meistertitel über 4x50 m Lagen in der Altersklasse ab 50 Jahren geehrt. Und unter den 18 Schwimmerinnen und Schwimmern des Vereins, die für über 60 Titel im vergangenen Jahr gefeiert wurden, war auch seine Tochter Lisa-Maria. Sie ist in ihrer Altersklasse ebenfalls bayerische Meisterin über 4x50 m Lagen. Ganz besonders erfolgreich aber war Violetta Schlesinger, die in insgesamt zwölf Disziplinen zu bayerischen Meistertiteln schwamm. Über 50 und 100 Meter Brustschwimmen ist Schlesinger sogar deutsche Meisterin. „Unglaublich“, sagte Günter Dietz beim Vorlesen ihrer zahlreichen Erfolge.

Günter Dietz (l.) und Florian Hartmann (r.) ehren Michael Posch (Mitte) mit der silbernen Bürgermedaille der Stadt Dachau.
Günter Dietz (l.) und Florian Hartmann (r.) ehren Michael Posch (Mitte) mit der silbernen Bürgermedaille der Stadt Dachau. (Foto: Toni Heigl)

Ähnlich zahlreich wurden die 23 Kämpferinnen und Kämpfer der Taekwondo-Abteilung des TSV Dachau geehrt, von denen einige im vergangenen Jahr an Europa- und Weltmeisterschaften teilnahmen. Kämpferin Ela Aydin, ausgezeichnet für ihren deutschen Meistertitel im Federgewicht, scheiterte zudem nur knapp an der Qualifikation für die Olympischen Spiele in Paris.

Zu den drei Weltmeistern, die an diesem Abend ausgezeichnet wurden, gehörte auch der älteste Sportler des Abends: Werner Marx, 90, ist Tennisweltmeister im Herren-Doppel. Mal wieder, muss man sagen. Schon im vergangenen Jahr wurde der erfolggewohnte Senior gewürdigt, damals noch für seinen Erfolg in der Altersklasse 85+. Diesmal trat er bei dem Turnier im türkischen Manavgat in der höchsten Altersklasse an – und gewann erneut souverän. Die weiteren Dachauer Weltmeister sind die Einradfahrerin Svenja Stronzik in der Kür und der Ü40-Volleyballnationalspieler Torsten Schulz. Alle drei sind beim ASV Dachau aktiv.

Eine kleine Neuerung gab es in diesem Jahr übrigens auch: „Auf vielfachen Wunsch“, wie Günter Dietz zum Ende der Ehrung betonte, dürften sich alle Ausgezeichneten bei ihm ein rotes Handtuch der Stadt Dachau abholen. Dann endlich eröffnete er das Buffet.

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