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Spende der Josef-Kiener-Stiftung:"Eine echte Mammutaufgabe"

Der Mangel an Pflegekräften bleibt ein großes Gesellschaftsproblem. Das machen die Redner beim Neujahrsempfang im Friedrich-Meinzolt-Haus deutlich. Auf Altenheime kommen neue Herausforderungen zu

Auf die Herausforderungen und Veränderungen in der Pflege haben die Redner beim Neujahrsempfang des Friedrich-Meinzolt-Hauses hingewiesen. Nach wie vor gebe es einen großen Mangel an Pflegekräften, der sich wohl noch weiter verschärfen werde, sagte Dirk Spohd, Geschäftsführer der gemeinnützigen GmbH "Hilfe im Alter". Laut Silvia Große, Leiterin des Evangelischen Alten- und Pflegeheims, kommen auf die stationären Altenpflegeeinrichtungen neue Herausforderungen zu. Dabei nannte sie die Einführung des Pflege-TÜVs und Änderungen bei der Ausbildung von Pflegekräften. Die Josef-Kiener-Stiftung unterstützt das Friedrich-Meinzolt-Haus auch in diesem Jahr. Stiftungsvorsitzender Helmut Rez überreichte Leiterin Silvia Große einen Scheck in Höhe von 10 000 Euro. Im Vordergrund des Neujahrsempfangs stehe das Zusammenkommen der Bewohner, deren Angehöriger sowie der Mitarbeiter und Kooperationspartner, sagte Silvia Große zu Beginn des Empfangs, der von der "Dachauer Saiten- und Pfeifenmusik" musikalisch begleitet wurde. "So erfreulich es ist, dass die Pflege trotz aller Klimadiskussionen wieder ein politisches und gesellschaftliches Thema ist, hat dies angesichts der Gesamtsituation im Pflegesektor leider auch seine Gründe", bedauerte Dirk Spohd. Vor allem der Personalmangel macht ihm Sorgen. Rund 500 Pflegekräfte fehlten derzeit in Bayern, in den nächsten Jahren würden die Zahlen wohl in die Tausende gehen. "Der Fachkräftemangel dürfte sich in Zukunft weiter verschärfen", so Spohd. Er nannte es eine "echte Mammutaufgabe" damit umzugehen.

Die "Dachauer Saiten- und Pfeifenmusik"begleitete den Neujahrsempfang musikalisch.

(Foto: Toni Heigl)

Spohd wünscht sich dabei Hilfe aus der Politik. Die Bezahlung ausgebildeter Pflegekräfte sei an sich nicht schlecht, doch Steuervergünstigungen könnten helfen den Beruf attraktiver zu machen. Mehr Brutto für Pflegekräfte gehe jedenfalls zum jetzigen Zeitpunkt "zu hundert Prozent auf Kosten der Pflegebedürftigen". Die Zuschüsse der Krankenkassen seien derzeit eingefroren. In Bezug auf den Nachwuchsmangel sieht Spohd zudem ein Imageproblem. Viele Negativschlagzeilen aus Alten- und Pflegeheimen schadeten dem Ansehen der Pflegeberufe.

Vorsitzender Helmut Rez überreichte Heimleiterin Silvia Große heuer einen Scheck über 10.000 Euro.

(Foto: Toni Heigl)

Auch Oberbürgermeister Florian Hartmann (SPD) ging auf den Personalmangel in der Pflege ein. Dieser betreffe leider viele Bereiche. Einer der Gründe dafür sei der Mangel an bezahlbarem Wohnraum. Auf die Folgen für die ambulante Altenpflege hatte auch Spohd schon hingewiesen. "Die Grundstücke gehen uns aus", beklagte Hartmann. Er wies auf die hohen Grundstückspreise hin, die durch das Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage zustande kämen. In Dachau seien die Preise aufgrund der großen Nachfrage sehr hoch. Hartmann sieht hier die Landesregierung in der Pflicht, lenkend einzugreifen und einen Ausgleich zwischen den Regionen zu schaffen.

Finanzielle Unterstützung für das Friedrich-Meinzolt-Haus leistet jedes Jahr die Josef-Kiener-Stiftung.

(Foto: Toni Heigl)

Silvia Große ging auf zukünftige Herausforderungen für die stationären Altenpflegeeinrichtungen und damit für ihre eigene Arbeit ein. Neu sei zum Beispiel die Einführung des sogenannten Pflege-TÜVs. Diese neue Qualitätskontrolle schreibt von Juli an halbjährlich die Übermittlung von mehr als 90 Angaben pro Heimbewohner gesetzlich vor. Die Auswertungen dieser Daten sollen veröffentlicht werden und somit für mehr Transparenz und eine bessere Vergleichbarkeit zwischen verschiedenen Pflegeeinrichtungen sorgen. Für die Einrichtungen bedeute der Pflege-TÜV einen beträchtlichen Mehraufwand. Hinzu komme die Umstellung der Ausbildung in den Pflegeberufen. Diese sei nun generalistisch strukturiert und mache es schwierig, den Bedarf an examinierten Pflegekräften speziell für die Altenpflege zu decken. Die Auszubildenden lernen künftig im Zuge entsprechender Praktika alle Facetten des Pflegesektors kennen, von der Arbeit in der Kinderstation eines Krankenhauses bis zur stationären Altenpflege und entscheiden sich erst später, wie ihre berufliche Zukunft konkret aussehen soll. Große sieht darin aber prinzipiell keinen Nachteil und glaubt, dass sich an der Gesamtsituation hinsichtlich der zur Verfügung stehenden jungen Pflegekräfte nicht viel ändern werde. Sicher würden sich wohl viele Anwärter während der Ausbildung doch noch gegen eine Arbeit in der Altenpflege entscheiden, ebenso werde aber bei anderen erst das Interesse an diesem Pflegesektor geweckt.

Dirk Spohd blickt optimistisch in die Zukunft des Friedrich-Meinzolt-Hauses, das derzeit nicht unter einem Personalmangel leidet. "Ich gehe davon aus, dass es uns auch dieses Jahr wieder gelingen wird, eine individuelle Pflege zu gewährleisten", versicherte er. Auch Große zeigte sich zuversichtlich: "Wir sind auf einem guten Weg". Sie leitet das Friedrich-Meinzolt Haus erst seit einem Jahr. Die Anforderungen qualitativ hochwertiger Pflege mit der ausufernden Bürokratie und all den politischen Vorgaben zu vereinbaren nannte sie als größte Herausforderung ihrer bisherigen Arbeit. Das erste Jahr als Einrichtungsleiterin sei ein "Jahr des Kennenlernens" gewesen. Dabei sei sie auch in manches Fettnäpfchen getreten. Im kommenden Jahr gebe es für sie und ihr Team einiges zu tun. Mithilfe der Spenden der Josef-Kiener-Stiftung seien im Friedrich-Meinzolt-Haus im nächsten Jahr einige Veränderungen geplant. Dazu gehörten die Renovierung der Fußböden und Fenster und die Einrichtung einer gemütlichen Loungeecke im Festsaal und einer Bibliothek.

Die 2009 gegründete Josef-Kiener-Stiftung unterstützt das Friedrich-Meinzolt-Haus jedes Jahr. Bisher kamen an Spenden mehr als 70 000 Euro zusammen, die beispielsweise auch in die Anschaffung des Konzertflügels im Festsaal, einer Kinoleinwand und diverse pflegerische Einrichtungen flossen. "Geld ist nur die Voraussetzung, die eigentliche Arbeit leistet das Team des Heims", betonte Helmut Rez, der sich ausdrücklich für das Engagement von Mitarbeitern und Helfern bedankte.

© SZ vom 20.01.2020
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