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Sozialer Wohnungsbau:"Ein Modell für die Zukunft"

Einweihung Seniorenwohnanlage

Ideengeber für den Neubau mit größtenteils Seniorenwohnungen war Bürgermeister Dieter Kugler (links).

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Wohnungsbaugesellschaft schafft 20 neue bezahlbare Wohnungen für Senioren. Bürgermeister Dieter Kugler (CSU) will nun auch Platz für Familien bereitstellen

Von Jacqueline Lang, Röhrmoos

Bezahlbarer Wohnraum ist im Ballungsraum rund um München längst zu einem raren Gut geworden. Mehrere Ein- und Zweizimmerwohnungen in einem Wohnkomplex in Röhrmoos, die speziell auf die Bedürfnisse von Senioren abgestimmt sind, sollen dem Problem zumindest ein Stückweit entgegenwirken. Denn von den insgesamt 20 Wohnungen wurden sieben von der Regierung von Oberbayern gefördert, für sie kann eine einkommensorientierte Förderung (EOF) beim Dachauer Landratsamt beantragt werden. Acht Wohnungen wurden von der Gemeinde Röhrmoos gefördert, hier gilt ein Belegungsrecht mit sozial verträglicher Miete, allerdings ohne Förderung. Die fünf übrigen Wohnungen wurden frei finanziert und werden zu ortsüblichen Preisen vermietet.

Ideengeber für die größtenteils sozialen Seniorenwohnungen war der Röhrmooser Bürgermeister Dieter Kugler (CSU), umgesetzt wurde es von der Wohnungsbaugesellschaft mbH im Landkreis Dachau (WLD). Und nicht nur das: Wie Stefan Egenhofer, einer der beiden Geschäftsführer der WLD, in seiner Rede bei der Einweihung am vergangenen Samstag betonte, sei das Bauprojekt sogar größtenteils von regionalen Firmen umgesetzt worden: "Auch bei diesem Projekt konnten wir nahezu alle Aufträge im Landkreis vergeben, worauf wir, als Landkreisgesellschaft, sehr stolz sind, und somit die heimische Wirtschaft unterstützen."

Spatenstich für das Gemeinschaftsprojekt "Wohnen für Senioren" in der Blumenstraße 1 war im September 2019. Nun wurde das zweistöckige, weiße Gebäude mit den grünen Balkonverkleidungen in zentraler Lage nach nur rund 15 Monaten eingeweiht. Neben den Wohnungen, die zwischen 50 und 70 Quadratmeter groß und alle barrierefrei sind, sind 130 Quadratmeter für Gewerbefläche vorgesehen, sowie ein Gemeinschaftsraum, "der auch den Bewohnern für kleine Feierlichkeiten oder zum Karten spielen zur Verfügung steht", wie Egenhofer in seiner Rede erklärte. Verwaltet werde der Gemeinschaftsraum laut Bürgermeister Kugler von der evangelischen Kirche, die neben dem AML-Pflegedienst, der derzeit in Großinzemoos ansässig ist, ebenfalls direkt vor Ort ein Büro habe und so als direkte Anlaufstelle für die Bedürfnisse der Senioren dienen werde. Ihm sei es wichtig, betonte Kugler in seiner Rede noch, dass "eine Hausgemeinschaft entsteht". Hierfür sei der Gemeinschaftsraum ein "wichtiger Mosaikstein". Dem anwesenden Pfarrer Felix Reuter übergab Kugler deshalb einen Korb mit Gesellschaftsspielen, Liederbüchern und CDs.

Kugler nannte das Gebäude in seiner Rede "ein Modell für die Zukunft": Es handle sich um seniorengerechte Wohnungen die - entsprechend der Nachfrage - zu einem Großteil, aber eben nicht nur für Menschen mit geringem Einkommen gedacht seien. Durch die neuen Bewohnerinnen und Bewohner, die aus der Gemeinde kommen würden, würden wiederum andere Wohnungen in Röhrmoos frei, so sein Gedanke: "Oft größere Wohnungen, die auch für Familien mit Kindern geeignet sind." Von dem Neubau würden somit nicht nur die älteren Bürger profitieren, sondern auch jüngere. Die Wohnungsvergabe laufe bereits und das sehr gut, so Kugler. Bei der Gemeindeverwaltung seien zahlreiche Bewerbungen für die Wohnungen eingegangen, die derzeit geprüft würden. Um Chancen auf eine der Wohnungen zu haben, müssen die Bewerber mindestens 60 Jahre alt sein.

Landrat Stefan Löwl (CSU), der als Vorsitzender der WLD ebenfalls am Samstag vor Ort war, erklärt am Montag auf Nachfrage, Ziel des Landkreises sei es, überall sozialen Wohnraum zu schaffen, aber nicht geballt an einem Ort, sondern am liebsten in jeder Gemeinde und in jedem Ortsteil zwischen 20 und 30 Wohnungen; "wir wollen schließlich kein zweites Neuperlach". Das deutlich größer angelegte Projekt in der Parzivalstraße in Karlsfeld, dessen Bauherr ebenfalls die WLD gewesen ist, stelle hier mit 79 Wohneinheiten bewusst eine Ausnahme dar.

Das nun in Röhrmoos umgesetzte Projekt sei nur eines "von vielen kleinen Schritten" hin zu mehr bezahlbarem Wohnraum im Landkreis, so Löwl. Besonders sei in diesem Fall die Kooperation der verschiedenen Akteure, die zentrale Lage sowie die besondere Zielgruppe. Wenn Wohnungen für ältere Menschen so gut konzipiert würden, wie in diesem Fall, dann müsse altersgerechtes Wohnen auch nicht mit Vereinsamung einhergehen - im Gegenteil, "dann wird ein Gebäude mit Leben gefüllt". Gleichwohl sei das Projekt "keine Blaupause" für andere soziale Projekte, da man die Wohnungen immer auf die Bedürfnisse der jeweiligen Ortschaften anpassen müsse. Die Seniorenwohnungen in Röhrmoos seien aber sicherlich ein Beispiel dafür, "dass es funktionieren kann, wenn alles zusammenpasst".

© SZ vom 13.04.2021
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