Silvesterlauf:Endspurt

Silvesterlauf Pfaffenhofen

Sportler laufen an Silvester bei Pfaffenhofen um die Wette, so wie der Zehn-Kilometer-Sieger Benjamin Dillitz (Startnummer 1248, Bildmitte).

(Foto: Horst Kramer)

Fast 600 Menschen gehen beim Silvesterlauf in Pfaffenhofen an den Start. Das euphorische Publikum treibt die Teilnehmer zu Höchstleistungen. Der Bürgermeister möchte seine Kommune in der Laufszene etablieren

Von Horst Kramer, Pfaffenhofen a.d. Glonn

Beim ersten Treffen des Pfaffenhofener Gemeinderats in 2019 warf Bürgermeister Helmut Zech (CSU) einen Blick zurück auf den letzten Tag des vergangenen Jahres. Am 31. Dezember ging in Pfaffenhofen erneut ein Silvesterlauf über die Bühne. Organisiert von der Gemeinde. Eine durchaus ungewöhnliche Konstellation im regionalen Laufsport. Nur das schwäbische Friedberg engagiert sich noch in der regionalen Laufszene, ansonsten veranstalten Vereine oder Unternehmen die zahlreichen Volksläufe. Zechs Fazit: "Ich habe nur positive Rückmeldungen erhalten. Zur Organisation, zur Strecke, zu Stimmung."

So lobte zum Beispiel die Siegerin des Zehn-Kilometer-Wettbewerbs, Nicole Bretting aus Pfaffenhofen an der Ilm: "Der Kurs ist sehr anspruchsvoll, die Organisation war perfekt." Bretting ist eine Toptriathletin und gewann schon den Altersklassen-Iron Man auf Hawaii. Der Schnellste über dieselbe Distanz, der Adelzhausener Benjamin Dillitz, der für die LG Stadtwerke München unterwegs ist, berichtete im Ziel regelrecht euphorisch: "Das Publikum war einfach toll! So angefeuert wurde ich noch nie." Tatsächlich hatten sich Angehörige, Fans und Zuschauer nicht nur rund um den Start- und Zielbereich am Kreisverkehr zwischen Wagenhofen und Pfaffenhofen versammelt, sondern säumten auch die innerörtlichen Streckenabschnitte. Zudem war die Eventhalle der Kommune durchgängig dicht besetzt - kein Wunder, bei der unfreundlichen Witterung.

Am Morgen des Silvestertags sei sich das Organisationsteam noch unsicher gewesen, was sie erwartete, berichtete Zech. Doch dann meldeten sich noch mehr als 140 Unentwegte nachträglich vor Ort. Zusätzlich zu den knapp 450 Aktiven, die das Onlineportal der Kommune genutzt hatten, so dass insgesamt 590 Aktive die Startgebühren beglichen hatten.

"Damit waren es diesmal ziemlich genau so viele Teilnehmer wie im Vorjahr", rechnete der Rathauschef vor. Rund vierzig Prozent der Sportlerinnen und Sportler stammte aus dem Dachauer Land, der Rest aus der gesamten Region zwischen Donau und Ammersee, München und Augsburg. "Einer kam sogar aus Schweden, ein anderer aus der Schweiz", sagte Zech. Sein Stellvertreter Harald Mang (AWG) scherzte: "Also dürfen wir uns jetzt internationaler Silvesterlauf nennen."

Dem PR-Erfolg der kleinen Gemeinde stellte der Bürgermeister den finanziellen Aufwand gegenüber: "Die Kosten lagen bei rund 8000 Euro." Ein Großteil floss an das Zeitmessunternehmen, ein weiterer größerer Beitrag resultierte aus den Teilnehmergeschenken - ein Vierfachlos der Deutschen Sporthilfe sowie eine Müslipackung. Fünfzig freiwillige Helfer leisteten circa 1000 Arbeitsstunden. "Das ist schon ein sehr hoher Aufwand für die wenigen Stunden", meinte Zech.

Zu den Einnahmen sagte er nichts, außer: "Dank der Sponsoren schlossen wir wieder mit einem Überschuss ab." Bei Meldegebühren von zwölf Euro im Onlineverfahren und 15 Euro vor Ort dürften die Startgebühreneinnahmen circa 7000 Euro gelegen haben; die Sponsoren finanzierten die Antrittskosten ihre Mitarbeiter über ihre Spenden.

"Im vergangenen Jahr steckten wir einen Teil des Geldes in eine neue Soundanlage", erzählte der Rathauschef, "das Orga-Team wird nun die finanzielle Situation im Detail analysieren, dann entscheiden wir, was wir machen." Im Gespräch mit der Dachauer SZ zeigte sich Zech zudem noch erfreut über das hohe sportliche Niveau des Silvesterlaufs.

So hatte Benjamin Dillitz den welligen und teilweise matschigen Kurs in beachtlichen 33:09 Minuten bewältigt; der schnellste Landkreis-Athlet Christoph Arthofer (LG Kreis Dachau) war als Achter 37:31 Minuten unterwegs. Nicole Bretting querte die Zeitschranke nach 42:18 Minuten, als Zweite folgte Daniela Arthofer (LG Kreis Dachau und verheiratet mit Christoph) in 42:24 Minuten. Die Fünf-Kilometer-Distanz gewannen Jessica Kuchenbecker (LG Stadtwerke München, 20:03) und Andreas Weinberger (TGV Augsburg. 17:24). Zech versuchte sich selber auf der Fünf-Kilometer-Strecke und kam zu seiner eigenen Überraschung schon nach 30:27 Minuten an. "Obwohl ich nur zweimal trainiert habe", sagte Zech und fügte - nicht ganz ernst gemeint - hinzu: "Mit etwas Trainingsfleiß hätte aus mir ein echter Läufer werden können."

Klar ist, dass die Kommune die Veranstaltung fortführen möchte. Das stehe außer Frage, sagte der Bürgermeister, "wir sind in der Laufszene etabliert und versuchen, uns weiter zu verbessern".

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