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SZ-Schulratgeber:Lernanreize

Wenn die Sanierung am Klostergebäude abgeschlossen ist, ziehen die Realschüler aus den Containern. Die Fachoberschüler könnten dann einziehen.

(Foto: Toni Heigl)

Mittelschule, Realschule, Gymnasium: Jetzt plant der Landkreis, den Schulstandort Indersdorf um eine Fachoberschule zu ergänzen. Das Projekt kommt gut an - aber nicht bei allen.

Im Februar und März 2016 können sich die ersten Schüler für die neue Fachoberschule (FOS) in Markt Indersdorf einschreiben. Schulträgerin ist die Erzdiözese München und Freising. Im Herbst soll die Schule dann ihren Betrieb aufnehmen. "Bis dahin haben wir noch ein bisschen Zeit, aber trödeln dürfen wir auch nicht, sagt Albert Herbst aus dem Landratsamt, der gerade eine Beschlussvorlage zu dem Thema fertiggestellt hat. Darüber wird sowohl im Schulausschuss am 27. März, als auch im Kreistag am 24. April "hoffentlich abschließend" diskutiert.

"Grundsätzlich schaut alles sehr gut aus", sagt Herbst, der im Landratsamt für die Dachauer Schulen zuständig ist. Herbst ist aus mehreren Gründen von einer FOS in Indersdorf begeistert. Die Schule könne rasch umgesetzt werden, die Umbauarbeiten seien überschaubar und die Schulwege kurz. Für Herbst ist die neue FOS ein weiteres reizvolles Bildungsangebot im Landkreis. Dass die Fachoberschulen in Karlsfeld und Indersdorf zu Konkurrenten werden, die sich gegenseitig Schüler wegnehmen, befürchtet er nicht.

"Die Zahl der Schüler aus den Landkreisgemeinden ist an der FOS in Karlsfeld überschaubar", sagt er. Andererseits besuchten im Schuljahr 2013/14 263 Schüler aus dem Landkreis Fachoberschulen in München und in den Nachbarlandkreisen. Diese Zahl sei in den vergangenen Jahren deutlich nach oben gegangen. Für einen Gastschüler muss der Landkreis im Durchschnitt zwischen 700 und 800 Euro zahlen. Der Einzugsbereich der neuen Einrichtung in Indersdorf soll sich mit dem der dort bestehenden Schulen decken. Durch die beiden Realschulen in Weichs und Indersdorf, das Indersdorfer Gymnasium und die Mittelschule mit einem Mittlere-Reife-Zug gebe es für die FOS genügend Schüler.

Der erste Jahrgang soll in den Räumen der Realschule Vinzenz von Paul unterkommen. Nach Abschluss der Sanierungsarbeiten am Klostergebäude könnten dann die Container genutzt werden. Als Schulgeld sind wie bei der Realschule 40 Euro pro Monat angedacht. An der privaten Karlsfelder FOS liegen die Beiträge zwischen 200 und 250 Euro. "Geschwister zahlen bei uns die Hälfte, bedürftige Kinder gar nichts", wirbt Anton Wagatha, Rektor der Realschule Vinzenz von Paul, der schon seit Jahren für die Erweiterung kämpft. Es sei schon immer sein Wunsch gewesen, dass seine Schüler nicht wegziehen müssen.

Auch der Indersdorfer Bürgermeister Franz Obesser (CSU) freut sich auf das neue Angebot vor der eigenen Haustür. "Ich bin überzeugt, dass sich die Klassen schnell füllen werden", sagt er zuversichtlich. Dadurch würden auch die Orte im nördlichen Landkreis abgedeckt. Vom Konzept einer Fachoberschule sei er begeistert, weil er selbst als Schüler "ausschließlich positive Erfahrungen" gemacht habe. Zudem hofft er, dass sich die neue FOS gut auf die Attraktivität Indersdorfs auswirkt, besonders für junge Familien.

Sein Amtskollege aus Karlsfeld, Stefan Kolbe (CSU), sieht das Projekt skeptischer. Als Kreisrat müsse er natürlich für die Erweiterung der Schullandschaft sein. "Auf der anderen Seite muss ich aber auch die Karlsfelder Befürchtungen vertreten", sagt er. Eine Konkurrenzsituation könne sich durchaus entwickeln. Die kommenden Schritte werde Kolbe kritisch betrachten, um beiden Rollen gerecht zu werden. Zudem bedauere er es, dass der Technik-Zweig nicht schon zu Betriebsbeginn im Herbst 2016 starten kann. Eine ähnliche Position vertritt Karl Heinz Semsch, Schulleiter der privaten FOS Karlsfeld.

In der neuen Einrichtung sieht er eine direkte Konkurrenz zu seiner Schule. "Es macht meiner Ansicht nach nicht viel Sinn, zwei identische Zweige doppelt anzubieten." In den Anfangsjahren werden beide Schulen die Zweige Wirtschaft und Verwaltung sowie Sozialwesen anbieten. Nach vier bis fünf Jahren sollen die Richtungen Gesundheit und Technik hinzukommen, sagt Landrat Stefan Löwl (CSU). Zu einem früheren Zeitpunkt sei das aber nicht möglich. Auch die Verkehrssituation rund um das viel umfahrene Klostergelände werde erst nach Betriebsbeginn der FOS entzerrt werden können. Das Planfeststellungsverfahren für die Südost-Umfahrung wird von der Regierung von Oberbayern nach der Sommerpause 2015 bearbeitet, heißt es aus dem Landratsamt.

Und was wird aus einer FOS in Dachau? "In den nächsten Jahren ist nichts geplant", so Löwl. Der Bedarf sei derzeit gedeckt. Das ergab eine Probeeinschreibung im März 2012. Dafür könne Löwl sich eine Außenstelle der neuen FOS in Dachau vorstellen, sollte der Technik-Zweig anlaufen.

© SZ vom 17.03.2015
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