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Seltene Auszeichnung:Rudolf Forche erhält die Goldene Bürgermedaille

Bürgermedaille

Für sein Engagement überreicht Oberbürgermeister Florian Hartmann (rechts) Rudolf Forche eine seltene Auszeichnung, die Goldene Bürgermedaille.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Dachaus Oberbürgermeister bezeichnet den Chorleiter als "epochalen Glücksfall"

Die Goldene Bürgermedaille der Stadt Dachau ist keine alltägliche, nicht einmal eine regelmäßige Auszeichnung. Anders als die Silberne Bürgermedaille, die jährlich an verdiente Persönlichkeiten aus dem Stadtleben verliehen wird. Lange Zeit gab es die Auszeichnung nur in Silber, erst 1988 wurde das goldene Pendant eingeführt. Am Mittwochabend wurde sie im Dachauer Rathaus erst zum 19. Mal verliehen. Der Geehrte dirigierte sich sein Ständchen selbst. Rudolf Forche, Leiter der Chorgemeinschaft Dachau, darf sich nun die Ehrennadel ans Revers heften und für seine Medaille daheim einen Platz suchen.

Musik bestimmt Forches Leben. Geboren in Dachau, die Eltern Mitglieder im Kirchenchor, wird er als Kind zu den Domspatzen nach Regensburg geschickt. Später studiert er in München, beginnt als Musiklehrer zu arbeiten. Seit zwei Jahren ist der 65-Jährige im Ruhestand, im Ehrenamt aber ist er weiterhin aktiv. Die Leitung der Chorgemeinschaft übernahm er vor mehr als 40 Jahren noch als Student. Forche freut sich sichtlich über die hohe Auszeichnung, bedankt sich bei seiner Frau, Sohn und Tochter, die zur Ehrung in den alten Sitzungssaal gekommen sind. Hinten im Raum hat sein Chor Aufstellung genommen. Andere ausgezeichnete Bürger wie Olivia Fleischer, Edda Drittenpreis und Erich Meister sind zur Feier erschienen. Aber, bemerkt Forche lächelnd: "Wenn man solche Auszeichnungen bekommt, merkt man, dass man alt wird." Sein gemischter Chor, das darf man wohl sagen, ist mit ihm alt geworden. Über Nachwuchssorgen könne er allerdings nicht klagen, sagt Forche. Nur an Männerstimmen fehle es - wie in jedem Chor. In ihren Anfängen in den Fünfzigerjahren hatten die Chormitglieder für sich festgeschrieben, dass keiner über 35 mitsingen darf, erzählt Forche. Diese Ansicht wurde offensichtlich längst revidiert. Heute dürfte kaum ein Sänger unter 35 sein, von Forches Tochter einmal abgesehen.

Oberbürgermeister Florian Hartmann (SPD) nennt Forche einen "epochalen Glücksfall". Forche hat mit seinem Chor viele große Werke einstudiert, er ist mit ihm gereist und er ist ihm immer treu geblieben - neben Beruf, Familie und anderen Verpflichtungen. So war er selbst Sänger im Konzertchor des Bayerischen Rundfunks und in der Chorgemeinschaft Neubeuern und tritt immer wieder als Solist auf. 1991 erhielt Forche die Silberne Bürgermedaille. Die Chorgemeinschaft wurde 2001 mit dem Kron-Maus-Kulturpreis ausgezeichnet. Dabei, sagt Hartmann in seiner Rede, sei Forche "bewundernswert bescheiden". Ein Mensch, "für den die Musik das wichtigste ist und für den der Chor bedeutender ist als der Chorleiter".

© SZ vom 08.02.2019 / vgr
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