Schwerer Unfall Autofahrer stirbt nach Kollision mit S-Bahn

Die S-Bahn hat das Auto des 88-Jährigen an der Fahrerseite gerammt und 150 Meter weit mitgeschleift. Der Wagen ist total zerstört. Bei der Bergung müssen Rettungskräfte das Dach entfernen.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Ein 88-Jähriger will bei Karpfhofen mit dem Auto die Gleise überqueren, obwohl die Schranke geschlossen ist. Eine S-Bahn rammt den Wagen und schleift ihn mit.

Von Thomas Radlmaier, Markt Indersdorf

Ein 88-jähriger Autofahrer ist am Montagvormittag gegen 9.15 Uhr bei einem schweren Unfall am beschrankten Bahnübergang an der Arnbacher Straße im Indersdorfer Ortsteil Karpfhofen ums Leben gekommen. Wie die Polizei berichtet, wollte der Mann mit seinem Auto die Gleise auf Höhe der Untermoosmühle überqueren, obwohl die Schranken geschlossen waren. Gleichzeitig war an der Stelle eine Bahn der Linie S2 in Richtung München unterwegs. Die S-Bahn rammte den Wagen und schleifte ihn 150 Meter weit mit. Der 88-jährige Fahrer erlitt bei dem Zusammenstoß lebensgefährliche Verletzungen. Er starb an der Unfallstelle.

An dem Gleisübergang in der Nähe des Gymnasiums Markt Indersdorf versperrt an beiden Seiten jeweils eine Halbschranke die Zufahrt über den rechten Fahrstreifen. Die linke Fahrbahn ist - anders als bei vollbeschrankten Bahnübergängen - dagegen offen. Zeugen, die den Unfall am Montag beobachtet hatten, sagten bei der Polizei aus, dass der 88-Jährige mit seinem Auto die geschlossene Halbschranke umfuhr, ohne davor kurz anzuhalten. Zudem missachtete er eine Ampel, die rot zeigte. Mit seinem Pkw war er in Richtung Markt Indersdorf unterwegs. Die S-Bahn verkehrte nach München und prallte in die Fahrerseite des Autos, "und zwar unglücklicherweise exakt an der Stelle, wo der Fahrer saß", sagte ein Sprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Nord.

Vergebliche Reanimationsversuche

Etwa 50 Einsatzkräfte der Feuerwehr waren vor Ort. Der Indersdorfer Kommandant Thomas Burgmair berichtet, dass der 88-Jährige noch gelebt habe, als er und seine Kameraden an der Unfallstelle eintreffen. Rettungskräfte hätten laufend versucht, den Mann zu reanimieren. Um das zu erleichtern, entfernten die Feuerwehrler währenddessen zum Beispiel das Dach des zerstörten Autos. "Irgendwann war klar, dass er gestorben ist", sagt Burgmair. Anschließend habe man den Toten aus dem Fahrzeug geborgen.

Einsatzkräfte der Feuerwehr Schwabhausen halfen später, die S-Bahn zu evakuieren. Alle Fahrgäste blieben unverletzt und konnten die S-Bahn über eine Stufenleiter verlassen. Der Triebfahrzeugführer habe die angebotene psychologische Hilfe nicht in Anspruch genommen, berichtet der Polizeisprecher. Die Bahn richtete einen Schienenersatzverkehr ein und stellte Busse bereit. Der Gleisübergang sowie die S-Bahnstrecke zwischen Dachau und Erdweg waren aufgrund des Unfalls für drei Stunden gesperrt. Es kam zu Verzögerungen im Verkehr auf der Straße und Schiene. Nach der Bergung des Pkw von den Schienen konnte die Bahnstrecke um kurz nach 12 Uhr wieder frei gegeben werden.

Der Crash reiht sich ein in eine Serie von Karambolagen

Der Crash reiht sich ein in eine Serie von Karambolagen zwischen Autos und S-Bahnen im Bereich Markt Indersdorf. Erst Ende August hatte sich im Ortsteil Ried ein ähnlicher Unfall ereignet. Eine S-Bahn war mit dem Auto einer 62-Jährigen zusammengestoßen, die einen Bahnübergang queren wollte - anders als in Karpfhofen ist dieser Übergang unbeschrankt. Durch den Aufprall wurde der Wagen der 62-Jährigen etwa 50 Meter weit in das angrenzende Feld geschleudert, die Frau wurde eingeklemmt und schwer verletzt.

Vor diesem Zusammenprall hat es an dem Übergang schon zweimal gekracht: 2008 rammte ein Zug mit 70 Kilometer pro Stunde den Traktor eines 21-jährigen Landwirts, der glücklicherweise nur ein Schleudertrauma erlitt. 2013 ereignete sich ein spektakulärer Unfall. Eine Bahn stieß mit einem Bulldog zusammen, der ein Güllefass hinter sich herzog. Der Anhänger flog durch die Luft und zerschellte auf einem Feld. Der Lokführer, drei Fahrgäste und der 18-jährige Traktorfahrer kamen mit leichten Verletzungen davon.

Die Feuerwehr evakuiert die S-Bahn.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

In der Folge des Unfalls Ende August hat der Marktgemeinderat die Initiative ergriffen, um den Bahnübergang an der Verbindungsstraße zwischen Frauenhofen und Ried zu beschranken. Das Gremium hatte eine Machbarkeitsstudie auf den Weg gebracht. Man will wissen, ob eine technische Sicherung möglich ist und wie viel das kosten würde. Die Rede ist von mehreren hunderttausend Euro, die sich Gemeinde, Bahn und Staat teilen würden. Vor allem aber wollen die Kommunalpolitiker in Indersdorf mit der Studie ein Zeichen setzen, dass es so nicht weitergehen kann. Bürgermeister Franz Obesser (CSU) sagte damals: "Es tut Not, dass endlich etwas passiert." Laut Obesser, der von dem schrecklichen Unfall am Montag gehört hatte, gibt es bisher noch keine Ergebnisse der Studie.