Menschen das Gefühl geben, dass sie nicht allein sind – das hat sich die Nachbarschaftshilfe Schwabhausen (NBSH) vor fast 33 Jahren zur Aufgabe gemacht. Mit Herz und Engagement waren die Helferinnen und Helfer da, wenn Menschen in der Umgebung Unterstützung gebraucht haben. Besorgungen übernehmen, bei Behördengängen unterstützen und kleinere Ausflüge und Spielenachmittage organisieren – dies war nur ein kleiner Teil der Aufgaben der Nachbarschaftshilfe. „Es waren sehr schöne und bereichernde Jahre“, sagt Immi Battermann-Fischer, ehemalige Leiterin der Nachbarschaftshilfe, rückblickend.
Nach mehr als drei Jahrzehnten ist jetzt aber Schluss: Vor Kurzem hat die NBSH ihre Tätigkeit eingestellt. Was die Gründe dafür sind, darüber sind sich Battermann-Fischer und die Gemeinde Schwabhausen offenbar uneinig. Wer sich beide Perspektiven anhört, bekommt den Eindruck, dass es schon länger geknirscht haben muss zwischen der NBSH und der Kommune.
„Ich verstehe das Hin und Her nicht“, sagt der Bürgermeister
Battermann-Fischer sagt, dass die Gemeinde in den vergangenen Jahren darauf gepocht habe, die Nachbarschaftshilfe zu einem eingetragenen Verein zu machen. Dies würde für das Team aber zu viel zusätzlichen bürokratischen Aufwand bedeuten, sagt sie. Deshalb habe sich die Nachbarschaftshilfe gegen eine Weiterarbeit entschieden.
Bürgermeister Wolfgang Hörl (Bürgerblock Arnbach) dagegen hat eine andere Perspektive. Er erklärt, dass insbesondere die Corona-Pandemie herausfordernd für die Nachbarschaftshilfe gewesen sei. Die Anzahl der Helfer sei zurückgegangen. Laut Hörl ging von der NBSH selbst die Initiative zur Umstrukturierung aus. Gemeinsam habe man über die Umwandlung in einen Verein gesprochen. Die Ankündigung, dass das Team der Nachbarschaftshilfe seine Arbeit beendet, sei für die Gemeinde überraschend gekommen. „Ich verstehe das Hin und Her nicht“, sagt Hörl.
Trotzdem betont er, dass die Gemeinde die Nachfolge der Nachbarschaftshilfe gerne gemeinsam mit der NBSH angehen würde: „Ich würde mich freuen, den Neustart gemeinsam mit Frau Battermann-Fischer und ihren Mitarbeitenden zu begleiten.“ Und auch Immi Battermann-Fischer sagt, dass sie sich für ein potenzielles Nachfolgemodell viele engagierte Menschen wünsche. Ob und inwiefern gemeinsam ein neues Projekt angegangen wird, ist zum jetzigen Zeitpunkt allerdings offen.
Zu Hochzeiten bestand das Team aus 37 Leuten
Aktuell bleibt nur der Blick zurück auf fast 33 Jahre. Battermann-Fischer und Annemarie Loderer hatten die ökumenische Nachbarschaftshilfe Schwabhausen 1991 gegründet. Nachdem sich Loderer vor einigen Jahren zurückgezogen hatte, übernahm Battermann-Fischer die Leitung und koordinierte seither die Arbeit. Unter dem Dach der evangelischen Kirchengemeinde arbeitete die Nachbarschaftshilfe auch eng mit benachbarten Gemeinden zusammen. „Wir Gemeinden haben uns auch immer gegenseitig geholfen“, erzählt die Leiterin in Schwabhausen. Brauchte die Nachbargemeinde Hilfe, sind andere eingesprungen und andersherum.
Während die Nachbarschaftshilfe zu Gründungszeiten vor allem aus Frauen bestand, die gar nicht, oder nur in Teilzeit berufstätig waren, entwickelte sie sich zu einer Gruppe Engagierter, die zu Hochzeiten auf 37 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kam. Gemeinsam legte das Team knapp 4000 Kilometer pro Jahr zurück, um Menschen aus der Umgebung zu begleiten. Zu Arztterminen zum Beispiel.
Kein Taxi-Unternehmen, aber hilfsbereit und engagiert
Bei der Frage nach ihren persönlichen Höhepunkten zögert Battermann-Fischer kurz. „Eigentlich habe ich alles gerne gemacht“, meint sie und erzählt weiter: „Ich habe gerne gehört, was die Leute zu sagen haben“, deshalb haben die Besuchsdienste wohl zu ihren liebsten Einsätzen gezählt. Auch kleinere Ausflüge nach München, oder mit älteren Menschen eine Runde um den Weiher spazieren, sind ihr besonders gut in Erinnerung geblieben, da sei die Freude der Menschen Belohnung genug für die eigene Arbeit.
Geärgert hat sich die NBSH-Leiterin nur, wenn Klienten ihren Einsatz für selbstverständlich genommen haben und Leistungen wie Fahrdienste regelrecht eingefordert wurden. Schlagfertig habe sie darauf meist entgegnet: „Nein, ich bin ja kein Taxi-Unternehmen.“ Geholfen hat das Team trotzdem immer. Die allermeisten Menschen seien aber vor allem dankbar gewesen.
Immi Battermann-Fischer ist es wichtig, dass die Nachbarschaftshilfe in guter Erinnerung bleibt. „Es war für mich wie eine Lebensaufgabe“, sagt Battermann-Fischer. Engagieren wird sie sich auch weiterhin. Gemeinsam mit der Friedenskirche Dachau organisiert sie im Gemeindezentrum Schwabhausen auch in Zukunft einen Spielenachmittag vor allem für ältere Menschen, damit „die Menschen das Lachen nie verlieren“, sagt Immi Battermann-Fischer.
Unter dem Namen „Gemeinschaft & Kultur“ findet ab 16. September immer vierzehntägig montags von 14 bis 16.30 Uhr der Spielenachmittag im Gemeindezentrum Schwabhausen statt.

