Schwabhausen:Sein Hanf ist der Hit

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Schwabhausen: Aus Experimentierfreude hat sich Landwirt Kilian Kellerer dafür entschieden, Nutzhanf anzubauen.

Aus Experimentierfreude hat sich Landwirt Kilian Kellerer dafür entschieden, Nutzhanf anzubauen.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Kilian Kellerer aus Armetshofen baut auf einem seiner Felder Cannabis an. Dabei handelt es sich um legalen Nutzhanf. Doch Schaulustige posieren immer wieder vor der Plantage und posten die Bilder in sozialen Medien - und die Polizei war auch schon da.

Von Carolin Gruber

Die Hanfpflanzen am Straßenrand sind nicht zu übersehen. Hochgewachsen, leuchtend grün und davon fast zwei Hektar. Das Feld liegt kurz vor dem Schwabhausener Ortsteil Oberroth und ist umgeben von Äckern, die bereits abgeerntet wurden und Feldern, auf denen der Mais noch meterhoch steht. Wer an den Hanfpflanzen vorbeifährt, ist zunächst überrascht: Es bleibt das Gefühl, sich verschaut zu haben. Eine Hanf-Plantage, mitten im Landkreis Dachau?

Die Pflanzen gehören Kilian Kellerer. Der 25-jährige Landwirt betreibt den Ganter-Hof in Armetshofen, das zwischen Schwabhausen und Oberroth liegt. Das Feld sei "ein Versuch", sagt er. Er baut auch diverse andere Pflanzen an: Neben Weizen, Dinkel und Soja auch Zuckerrüben und Mais. Erst seit diesem Jahr gehört Hanf dazu. Kellerer wollte einfach "experimentierfreudig" sein, den "Anbau diversifizieren", erklärt er. Auch die regionalen Vermarktungsmöglichkeiten hätten ihn am Hanfanbau gereizt.

In der Region gebe es mehrere Hanf-Bauern

Damit ist aber nicht der Verkauf von Marihuana gemeint, der in Deutschland nach wie vor illegal ist. Auf seinem Acker baut Kilian Kellerer - ganz legal - ausschließlich Nutzhanf, der sich nicht zum Rauschmittel Marihuana verarbeiten lässt. Nutzhanf wiederum darf den gesetzlich vorgegebenen THC-Wert von 0,2 Prozent nicht überschreiten, worauf im Anbau geachtet werde. Ebenfalls wichtig ist Kilian Kellerer der ökologische Anbau des Hanfs - genauso wie bei seinem üblichen Sortiment. Ganz allein ist er mit seiner Idee vom Hanfanbau übrigens nicht. In der Region gebe es mehrere Hanf-Bauern, wie er erzählt, im Landkreis Dachau etwa eine Handvoll.

Schwabhausen: Die Hanfnüsse sollen an Ölmühlen in der Region verkauft werden.

Die Hanfnüsse sollen an Ölmühlen in der Region verkauft werden.

(Foto: Niels P. Jørgensen)
Schwabhausen: Das Feld, auf dem die Hanfpflanzen wachsen, misst fast zwei Hektar.

Das Feld, auf dem die Hanfpflanzen wachsen, misst fast zwei Hektar.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Die Nutzpflanze hat, je nachdem, mit wem man redet, einen schlechten Ruf. Dabei sei die Pflanze sehr vielfältig und ziemlich pflegeleicht. Man müsse sie nur säen und ernten, mehr Aufwand stecke nicht dahinter. Auch die Hitze der vergangenen Wochen habe der Hanf gut weggesteckt, sogar "am besten" von all seinen Pflanzen, denn das Gewächs hat ein weitverzweigtes Wurzelsystem.

Hobby-Fotografen posieren in den Hanfpflanzen

Bald ist auch schon Erntezeit: Gegen Ende August oder Anfang September werden die Pflanzen gedroschen, aufbereitet und dann sollen die Hanfnüsse an Ölmühlen in der Region verkauft werden. An welche, sei noch nicht ganz klar, sagt der Landwirt. Der Vertrieb laufe erst an. Der Ganter-Hof steckt im ersten Jahr des Hanf-Versuchs, allerdings stehen Kellerers Chancen gut: Hanferzeugnisse wie Öle sind im Kommen, immer mehr Läden verkaufen die unkonventionellen Produkte. Einen Vertriebspartner hat er schon: Die Bäckerei Gürtner mit Sitz in Oberroth möchte den Hanf unter anderem für Brezen verwenden.

Und bis jetzt seien die Rückmeldungen aus der Bevölkerung und von der lokalen Bäckerei überwiegend positiv gewesen, erzählt der Hanf-Bauer, die Leute fänden den Anbau interessant. Das ist auch in den sozialen Medien zu sehen, dort posten Schaulustige immer wieder Fotos vor den grünen Pflanzen. Probleme mit den Hobby-Fotografen hatte Kellerer noch nicht. Doch einige würden sich immer wieder Pflanzen mitnehmen, was für den Landwirt unverständlich ist. Schließlich hätten sie ja nichts davon, so der Landwirt - ob die Interessenten das auch wissen, bleibt unklar.

Anwohner meldet legale Plantage bei der Polizei

Einmal kam allerdings auch eine negative Reaktion eines Anwohners: In Form einer Meldung an die Polizei. Daraufhin wurde das Feld mehrmals von Beamten begutachtet. Kellerer war nicht dabei, er habe die Überprüfungen über Dritte mitbekommen. Bedenken hatte er nicht, schließlich habe er alle ordnungsgemäßen Schritte zum Hanfanbau befolgt. Dazu gehört unter anderem ein "lückenlos gemeldeter Anbau" bei der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung, so Kellerer - auch, um weitere Hausbesuche der Polizei zu vermeiden.

Das Hanf-Feld in Oberroth zeigt: Wer bei Hanf nur an Marihuana denkt, liegt falsch. Die Pflanze hat viel mehr zu bieten, als man vermutet, und lohnt sich deshalb für immer mehr Bauern als Ergänzung ihres Betriebs. Ob Landwirt Kellerer den Hanf im kommenden Jahr wieder anbaut, hänge davon ab, wie gut der Vertrieb nach der diesjährigen Ernte laufe, sagt er. Aber er bleibt offen dafür, den Versuch zu wiederholen. Und vielleicht können die Schaulustigen im nächsten Jahr schon deutlich mehr Hanf-Felder vor Oberroth ablichten.

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