Stromverteilung Widerstand gegen Hochspannungsleitung

Das neue Umspannwerk der Bayernwerk AG in Kleinschwabhausen bei Neuried (Gemeinde Markt Indersdorf) ist bereits fertiggestellt.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Weil nicht alle Grundeigentümer mit der Verlegung eines Erdkabels der Bayernwerk Netz GmbH einverstanden sind, droht der Betreiber mit Enteignung.

Von Renate Zauscher, Schwabhausen

Zwischen Kleinschwabhausen in der Gemeinde Markt Indersdorf und dem Umspannwerk Oberbachern bei Schwabhausen plant die Bayernwerk Netz GmbH die Verlegung einer neuen 110-kV-Leitung. Doch nicht alle Grundeigentümer sind einverstanden. Befürchteter Wertverlust vor allem ortsnaher Flächen, die vielleicht als Bauland in Frage kommen könnten, spielt bei der Ablehnung des Projekts durch einzelne Landwirte ebenso eine Rolle wie private Bauvorhaben oder die Sorge um Drainagen in den Äckern, die von der Baumaßnahme betroffen sein könnten.

Sollte es jetzt zu keiner Einigung mit den Grundbesitzern kommen, sagte Markus Schmitt von der Bayernwerk AG während einer Informationsveranstaltung im Gasthof Lachner in Stetten, drohten in letzter Konsequenz Enteignungen.

Über eine Länge von 19 Kilometern soll ein Kabel verlegt werden

Das Projekt der Kabelverlegung über eine Länge von rund 19 Kilometern bedarf gründlicher Vorarbeit. Seit mehr als zwei Jahren führt die Bayernwerk Netz GmbH bereits Gespräche mit den insgesamt rund sechzig Eigentümern und Pächtern der Flächen, über die die neue Erdleitung verlaufen soll. Zunächst war geplant, nach entsprechenden Vorarbeiten, darunter etwa der Umweltverträglichkeitsprüfung oder eingehender Baugrunduntersuchungen, die Genehmigungen für das Vorhaben direkt bei den zuständigen Fachbehörden einzuholen.

Auf einem Transparent am Zaun des Umspannwerks in Neuried skizziert die Bayernwerk AG den Verlauf des geplanten 110-kV-Erdkabels.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Weil aber nicht alle betroffenen Grundeigentümer ihr Einverständnis erklärt haben, will die Bayernwerk Netz GmbH einen Antrag auf Durchführung eines Planfeststellungsverfahrens stellen. "Die Duldung für entsprechende Untersuchungen auch auf den restlichen, noch nicht untersuchten Flächen kann ich nur über ein solches Verfahren erhalten", sagte Schmitt. Diese Untersuchungen aber seien essenziell für eine Genehmigung: Er müsse, so Schmitt, die Trassenwahl, bei der Landschaftsstrukturen ebenso wie wirtschaftliche Gesichtspunkte und auch Wünsche der Flächenbesitzer eine Rolle spielen, schließlich gegenüber der Genehmigungsbehörde begründen können. Grundsätzlich gehe es darum, "die naturverträglichste und auch kostengünstigste Trasse zu finden."

Mit geschätzten Kosten von 26 Millionen Euro ist das Projekt nicht gerade billig

Mit derzeit geschätzten Kosten von 26 Millionen Euro ist das Projekt ohnehin nicht gerade billig; weitere zwölf Millionen hat das bereits fertig gestellte Umspannwerk Kleinschwabhausen bei Neuried (Gemeinde Markt Indersdorf) und der Leitungsbau im Mittelspannungsbereich in umliegende Gemeinden gekostet. Sollte jetzt keine Einigung mit allen Grundeigentümern erzielt werden, dann wäre eine Enteignung das letzte Mittel.

Markus Schmitt erläuterte den rund zwei Dutzend Besuchern noch einmal die Gründe für das Vorhaben. Er erklärte, dass die hohen und sich nach jetziger Prognose noch weiter verstärkenden Einspeisungen Erneuerbarer Energie ins Netz zu Spannungsproblemen führen können. "Wir kommen bald an die Belastungsgrenze des Netzes", sagte er. Im Umkreis der insgesamt neun, von Schiltberg über Petershausen bis Vierkirchen reichenden Gemeinden, die an das neue Umspannungswerk in Neuried und die geplante Kabelleitung nach Oberbachern angeschlossen sind, wird vor allem in Fotovoltaikanlagen etwa das Dreifache des lokalen Strombedarfs erzeugt. Der Überschuss soll über Oberbachern bis über die Landesgrenzen geleitet werden.

Schmitt erläuterte den Zuhörern auch die technischen Details des Leitungsbaus. Auf einer Breite von rund zwanzig Metern müssten der Kabelgraben nebst Lager- und Arbeitsflächen entstehen, die spätere Trassenbreite liege bei zehn Metern. Um so schonend wie möglich vorzugehen, sollen im ersten Schritt nur die Leerrohre verlegt und mit einer "Wanderbaustelle" jeweils dreihundert Meter pro Tag bewältigt werden. Die Grundbesitzer können mit Entschädigungen für Ernteverluste und die Eintragung einer Dienstbarkeit für die Trasse rechnen. Baubeginn soll nach jetziger Planung im Jahr 2021 sein. Der tatsächliche Zeitpunkt wird von der Dauer des Genehmigungsverfahrens abhängen.