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Schulpolitik:Endlich wieder Ruhe

Kurt Stecher.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Schulleiter der Gymnasien begrüßen die Rückkehr zum G9

Jahrelang wurde über das achtjährige Gymnasium heftig debattiert und gestritten, immer wieder wurde es in Frage gestellt. Ob und wie lange würde das G8 Bestand haben? "Diese Hängepartie hat für eine gewisse Unruhe gesorgt", sagt Kurt Stecher, Direktor des Dachauer Josef-Effner-Gymnasiums. Am Donnerstagmorgen traf das Schreiben des Ministerialbeamten an seiner Schule ein: Bayern kehrt zum neunjährigen Gymnasium, kurz G9, zurück. Damit ist auch die Idee vom Tisch, G8 und G9 parallel laufen zu lassen. "Das wäre das völlige Chaos geworden", sagt Stecher. Auch die Vorsitzende des Elternbeirats, Ursula Eder, ist erleichtert: "Jeder ist froh, dass das Hickhack endlich vorbei ist. Nichts war schlimmer als diese ewige Unsicherheit."

Zumindest grundsätzlich wissen Lehrer, Eltern und Schüler, wie es am Gymnasium künftig weitergeht, auch wenn viele Details noch offen sind, Beispiel Nachmittagsunterricht: "Was daraus wird, wissen wir nicht", sagt Kurt Stecher. Trotzdem erkennt er vielversprechende Ansätze im neuen Konzept, die aber noch ausgearbeitet werden müssten. Was ihn besonders freut: Stärken des G8 finden auch Eingang in das neue G9-Modell, etwa beim Angebot zu Ausbildung und Berufsvorbereitung. Das G8 fand der Schulleiter nie so schlecht, wie viele es dargestellt haben. Aber auch er hat sich damals über die Einführung "nach Gutsherrenart" geärgert, Knall auf Fall, ohne Rücksprache. Für Thomas Höhenleitner, Direktor des Gymnasiums Markt Indersdorf, war das schon der Geburtsfehler des G8. Es habe nie eine breite Akzeptanz für das achtjährige Gymnasium gegeben, glaubt er. Viele Zusatzangebote am Nachmittag seien dadurch auf der Strecke geblieben. Jetzt gebe es wieder "mehr Spielraum für ein aktives Schulleben", etwa einen Chor der Mittelstufe. "Das G9 ist ein attraktives Angebot für Eltern und Schüler", sagt Höhenleitner. Natürlich werde der Schwenk auf das G9 noch einiges an organisatorischer Arbeit bringen. "Aber ich bin zuversichtlich, dass wir das hinkriegen werden."

Der Direktor des Dachauer Ignaz-Taschner-Gymnasiums, Erwin Lenz, ist froh, dass seine Schüler künftig wieder neun Jahre Zeit haben, bis sie Abitur machen. "Bildung braucht Zeit, braucht Reife", sagt er. Nach dem Hin und Her um G8 und G9 kehre nun endlich wieder Ruhe an den Schulen ein. Auch der Systemwechsel schreckt ihn nicht. "Das ist ein Prozess, der viele Jahre dauert. Die spannende Frage lautet nun, wie das G9 das Übertrittsverhalten im Landkreis beeinflusst." Für Landrat Stefan Löwl (CSU) ist das Wichtigste erst einmal die Grundsatzentscheidung aus München: "Jetzt haben wir endlich Planungssicherheit." Seine Behörde ist Sachaufwandsträger für die weiterführenden Schulen im Landkreis, also auch für die Gymnasien. "So einen Lehrplan kann man schnell mal ändern", sagt er, "aber die entsprechende Infrastruktur zu schaffen, das dauert." Jetzt gebe es eine klare Entscheidung, die auch auf lange Zeit Bestand haben solle. "Das ist für uns ganz, ganz wichtig."

Das geplante Gymnasium in Karlsfeld wurde bereits vorausschauend als G9 geplant. Die Entscheidung vom Mittwochabend kam auch für das Landratsamt nicht überraschend. "Damit hatten wir schon gerechnet", sagt Löwl. Das heißt: Alles läuft weiter nach Plan. "Das Karlsfelder Gymnasium wollen wir so schnell wie möglich umsetzen", unterstreicht Löwl noch einmal. Er hoffe auf einen Baubeginn noch vor dem Jahr 2020. Den Anpassungen, die im Zuge der G9-Reform an den Schulen im Landkreis notwendig werden könnten, sieht er ähnlich gelassen entgegen wie die Direktoren. Die Zeit dränge ja nicht. Bis es wieder eine 13. Klasse gibt, dauert es noch acht Jahre. "Das wird funktionieren", sagt Löwl .

Der Dachauer SPD-Landtagsabgeordnete Martin Güll begrüßt die Rückkehr zum neunjährigen Gymnasium grundsätzlich, kritisiert aber, dass die CSU das Ruder nicht schon früher herumgerissen hat. Die CSU habe wertvolle Zeit verspielt, und was die Landtagsfraktion jetzt beschlossen hat, reicht ihm hinten und vorne nicht. "Außer Überschriften steht in dem Beschluss nicht viel drin", beklagt Güll. Das vorliegende G9-Konzept vergleicht er mit einem Rohbau, der nun erst entsprechend ausgebaut werden müsse. "Wir werden sehr genau darauf achten, wie das ausschaut", sagt der bildungspolitische Sprecher der SPD-Fraktion und drängt Güll zur Eile. "Man muss jetzt schnell ein Gesamtkonzept erstellen." Dass sei der "kapitale Fehler des G8" gewesen: dass man ohne ein fertiges Konzept gestartet sei.