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Schulentwicklung:Fünftes Gymnasium kommt nach Röhrmoos

Das Kultusministerium entscheidet sich endgültig für die Gemeinde als Standort und schmettert den Wunsch des Dachauer Kreistages ab, die Schule in Bergkirchen zu bauen. Der Westen des Landkreises geht damit leer aus

Von Jacqueline Lang, Röhrmoos

Nach langem Hin und Her steht der Standort für das fünfte Landkreisgymnasium nun endgültig fest: Es wird in der Gemeinde Röhrmoos errichtet - und nicht, wie vom Dachauer Kreistag mit großer Mehrheit gewünscht, in der Gemeinde Bergkirchen. Den grundsätzlichen Bedarf für ein weiteres Gymnasium hatte das Kultusministerium bereits im September des vergangenen Jahres anerkannt und bestätigt. Der vom Schulausschuss favorisierte Standort im westlichen Landkreis wurde vom zuständigen Ministerium aber nun final abgelehnt. In seiner Begründung heißt es, dass "der Standort Bergkirchen leider absehbar nicht über ein ausreichend hohes Schülerpotenzial verfügt". Aufgrund dieser Berechnungen hat Staatsminister Michael Piazolo (FW) dem Landkreis nun mitgeteilt, dass der Standort Bergkirchen "nicht genehmigungsfähig" sei.

Bereits nachdem der Bau durch das Kultusministerium in Röhrmoos im Oktober vergangenen Jahres genehmigt worden war, hatte eine Delegation von Dachauer Kommunalpolitikern rund um Landrat Stefan Löwl (CSU) sich im November noch einmal mit Kultusminister Piazolo getroffen, um doch noch eine geänderte Entscheidung zugunsten von Bergkirchen zu erwirken. Piazolo hatte daraufhin auch versprochen, das aktualisierte Gutachten zu prüfen. Auch die neuen Zahlen, welche die westlichen Gemeinden nachgereicht hatten, konnten an der Entscheidung aber schlussendlich nichts mehr ändern, da sie - wenn auch laut Kultusministerium "durchaus sinnvoll und wohl realisierbar" - auf Bauleitplanungen in den kommenden eineinhalb Jahrzehnten basieren, welche von den gemeindlichen Gremien zum größten Teil noch nicht beschlossen wurden. Kurzum: Die Prognosen sind zu vage, um darauf eine Entscheidung zu stützen.

Gewinner: Der Röhrmooser Rathauschef Dieter Kugler freut sich über die Entscheidung.

(Foto: Toni Heigl)

Aus Sicht von Löwl ist das aber keine Niederlage für den Landkreis: "Wir haben noch nicht einmal ein viertes Gymnasium gebaut und bekommen schon ein fünftes genehmigt." Aus Sicht des Kreistags sei Bergkirchen zwar die erste Wahl gewesen, aber Röhrmoos sei immer schon eine annehmbare Alternative gewesen. Dass nun endlich Klarheit herrsche, sei deshalb "gut und wichtig" für die weitere Planung. Raum für weitere Diskussionen rund um das Thema sieht Löwl daher nicht, schließlich seien alle Fraktionen bis auf die Freien Wähler Dachau grundsätzlich von Anfang an mit beiden Optionen einverstanden gewesen. Der Schulausschuss wird über die Entwicklung und das weitere Vorgehen in seiner nächsten Sitzung am 26. Juni beraten.

Schon in den vergangenen Monaten hatte die Landkreisverwaltung parallel für beide Standorte die Vorplanungen gemeinsam mit den jeweiligen Gemeinden vorangetrieben und bereits entsprechende Grundstücke gesichert. Das Grundstück in Röhrmoos, auf dem das Gymnasium nun erbaut wird, liegt südlich der Indersdorfer Straße unweit des Spielplatzes Seeräuber.

Der Dachauer Kreistag hatte sich von dem Standort in Bergkirchen eine Stärkung des Westens versprochen und deshalb "strukturpolitisch" für diesen Standort argumentiert. Der neugewählte Bürgermeister Robert Axtner (CSU) hatte sich von einem Gymnasium in seiner Gemeinde einen Schub für den Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs erhofft. Auch das Argument, dass die Gemeinden Odelzhausen und Bergkirchen die niedrigsten Übertrittsquoten aufweisen, hatte Axtner schon vor seiner Zeit als Rathauschef nicht gelten lassen wollen. Die weiten Wege zu den übrigen Gymnasien im Landkreis würden nun einmal viele Eltern abschrecken. Das Argument, Bergkirchen sei nicht per S-Bahn erreichbar, brachte schon Axtners Vorgänger Simon Landmann (CSU) in Rage. Immerhin kämpft die Gemeinde seit Jahren für eine bessere Anbindung. Nun, da die Entscheidung gefallen ist, gibt sich Axtner aber als "fairer Verlierer". Die Entscheidung sei knapp zugunsten von Röhrmoos ausgefallen. Das sei schade, müsse man nun aber so akzeptieren.

Bergkirchens Bürgermeister Robert Axtner dagegen hat immer wieder für seine Gemeinde argumentiert, letztlich vergeblich

(Foto: Toni Heigl)

"Die Klarheit über den Standort ermöglicht nun eine rasche Realisierung. Und die ist auch erforderlich, da wir die neue Schule spätestens ab dem Schuljahr 2025/26 brauchen", begrüßt auch der CSU-Landtagsabgeordnete Bernhard Seidenath die Entscheidung. Die Genehmigung des fünften Gymnasium sei unabhängig vm Standort "ein Meilenstein" für den Landkreis. Denn der Landkreis Dachau sei der am stärksten wachsende Landkreis Bayerns. "Da ist es nur konsequent, dass auch die Bildungs-Infrastruktur in unserem Landkreis mitwächst", so Seidenath. In den vergangenen Monaten habe man mit "Nachdruck und großer Ernsthaftigkeit" Wege zur Realisierung des Standorts Bergkirchen gesucht. Nun müsse man aber "seriöserweise anerkennen, dass es einen solchen Weg nicht gibt", so Seidenath.

Dass die Entscheidung auch nach reichlicher Prüfung zugunsten seiner Gemeinde ausgefallen ist, freut nicht zuletzt den Röhrmooser Bürgermeister Dieter Kugler (CSU): "Heute ist ein guter Tag für unsere Gemeinde." Es sei gut, dass die Verwaltung sich von nun an, auf die weitere Planung in Röhrmoos konzentrieren könne.

© SZ vom 26.05.2020

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