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Schritt zur Ortsmitte:Ludl-Bebauungsplan gebilligt

Ludl Anwesen

Auf dem Areal an der Münchner Straße in Karlsfeld soll einmal eine lebendige Ortsmitte entstehen.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Gemeinderat bringt mehrheitlich Großprojekt im Zentrum Karlsfelds auf den Weg - Bündnis moniert zu hohe Lärmbelastung für Wohnbebauung

Vor knapp einem Jahr wurden die bis dahin hinter verschlossenen Türen diskutierten Visionen eines neuen Zentrums auf dem knapp 40 000 Quadratmeter großen Ludl-Areal an der Münchner Straße in Karlsfeld erstmals gelüftet. Jetzt, nach mehreren Sitzungen und einigem Hin und Her hat der Gemeinderat den Bebauungsplan gebilligt. Am städtebaulichen Vertrag wird indes noch gefeilscht. Ganz unabänderlich ist der Beschluss jedoch nicht. Die Pläne werden demnächst öffentlich ausgelegt, dann können Anwohner und Bürger noch einmal Anregungen und Bedenken äußern, mit denen sich die Karlsfelder Kommunalpolitiker befassen müssen.

Einstimmig fiel der Beschluss für den Bebauungsplan übrigens nicht. Das Bündnis für Karlsfeld votierte dagegen. Der Grund: Die Gruppierung ist nicht damit einverstanden, dass der geförderte Wohnungsbau gegenüber vom Heizkraftwerk errichtet werden soll. Die Lärmbelastung sei zu hoch, monierten die Kommunalpolitiker. Der Rest des Gemeinderats hatte indes diese Lösung favorisiert, weil eine medizintechnische Firma sich gerne auf dem Areal ansiedeln würde. Ihre Wünsche eines langen sehr kompakten Produktionsgebäudes können jedoch nur auf dem Grundstück an der Tankstelle realisiert werden. Und die mit der Firma winkenden Gewerbesteuereinnahmen sind für die klamme Kommune sehr wichtig, so die Begründung der anderen Seite.

Im Bebauungsplan ist festgeschrieben, dass maximal 80 Prozent der Fläche versiegelt werden dürfen. Die Dächer sollen begrünt werden. Rund um die denkmalgeschützte Ludl-Kapelle und vor der 32 Meter hohen Elipse an der Münchner Straße soll sogar ein kleiner Park entstehen, der in eine Schneise durch das Neubaugebiet zur Würmaue mündet. Als Ausgleich für die dichte Bebauung auf dem Areal müssen 1,8 Hektar Natur angelegt werden. Bürgermeister Stefan Kolbe (CSU) hat bereits verkündet, dass dies auf dem Gemeindegebiet sein soll. Wo, das weiß man allerdings noch nicht.

Es wird das erste Mal sein, dass die Satzung für sozialverträgliche Bodennutzung (Sobon), die der Gemeinderat vor etwa drei Jahren beschlossen hat, greift. Das bedeutet einerseits, dass der Investor eine Kinderbetreuungseinrichtung bauen muss. Sie ist im ersten Stock in einem zentralen Gebäude vorgesehen und hat eine Dachterrasse, auf der die Kinder spielen dürfen. Außerdem schreibt die Satzung vor, dass 30 Prozent des Wohnraums, den der Investor baut, einkommensgefördert sein muss. In zwei Gebäuden sollen sie unterkommen und vor allem für Familien und Menschen sein, die zwar arbeiten, aber so wenig verdienen, dass sie sich auf dem regulären Mietmarkt schwer tun, eine bezahlbare Bleibe zu finden. Bislang hatte man sich darauf verständigt, eine normale Tiefgarage zu bauen und die nötigen Stellplätze mit Duplex-Elementen zu ergänzen, doch in der jüngsten Sitzung schlug Architekt Klaus Kehrbaum eine neue Alternative vor, die baulich deutlich günstiger ist.

Statt einer Tiefgarage könnte man die Parkplätze auch ins Erdgeschoss bauen, so wie es bei den Sozialwohnungen an der Parzivalstraße gemacht wurde. Zu Straße und Platz hin sollten nach Vorstellung des Planers der Investoren kleine Läden sein, 60 bis 80 Quadratmeter groß, dahinter würde man dann die Autos der Anwohner unterbringen. Damit genügend Platz für diese ist, sollte die Garage ähnlich einer Schublade nicht nur unter die Gebäude gelegt werden, sondern darüber hinaus reichen, fast bis zur Grundstücksgrenze. Diese Lösung sei einerseits sehr günstig für den Grundwasserstrom, warb Kehrbaum. Andererseits sparte man damit auch viel Geld. "Eine Tiefgarage kostet mehr als 30 000 Euro, die Schublade nur 12 000 Euro", gab der Architekt zu bedenken. Einziges Manko: Es könnten dann nicht alle Wohnungen in dem Gebäude untergebracht werden, weil das Erdgeschoss ja wegfalle, so Kehrbaum. Der Investor habe jedoch signalisiert, dass er in den anderen Wohngebäuden im hinteren Teil des großen Ludl-Areals geförderte Eigentumswohnungen nach dem so genannten "Karlsfelder Modell" integrieren könne - also eine Art Einheimischen Modell.

Wolfgang Offenbeck und Stefan Handl (beide CSU) gaben zu bedenken, dass es schon bei der Neuen Mitte Schwierigkeiten bei der Vermarktung der Läden gegeben habe. Kehrbaum beruhigte, es gebe bereits Interessenten. Einen Fahrradreparaturladen könne er sich dort gut vorstellen, auch Blumen und Eis oder Paketservice und Optiker. "Es gibt bereits Absichtserklärungen", sagte er den Gemeinderäten. Stefan Theil fürchtete den Lärm, der von den Autos ausgehen könnte. Dadurch, dass die Parkschublade weit über das Gebäude hinausgehe, müssten die Wohnungen im ersten Stock nichts befürchten, so Kehrbaum. Offenbeck monierte auch die "schwarzen Löcher im Erdgeschoss".

SPD und Bündnis bewegte mehr, dass mit diesem Vorschlag, nicht mehr diejenigen gefördert würden, die man unterstützen wollte. Denn wer sich eine Eigentumswohnung leisten kann, kann problemlos auch eine Mietwohnung auf dem freien Markt finden. Birgit Piroué (Bündnis) beklagte, dass der Investor immer mit neuen Forderungen komme. Es sei Sache des Investors, wie er die Sobon umsetze und 30 Prozent günstigen Wohnraum schaffe. Venera Sansone und Beate Full (beide SPD) plädierten dafür, einen Teil des Gebäudes für den geförderten Wohnraum aufzustocken. Das Karlsfelder Modell kam für sie nicht in Frage. Die Sobon sollte keinesfalls aufgeweicht werden.

Nach langer Debatte einigte sich der Gemeinderat schließlich auf die von der SPD favorisierte Lösung. Damit verknüpften die Gemeinderäte aber auch die Hoffnung, dass die Gebäude für den geförderten Wohnraum nicht nur aller billigsten Standards entsprechen sollten, sondern etwas besser gebaut würden. Mit der Tiefgarage hätte man dies nicht verlangen können, denn die Regierung von Oberbayern hat die Bausummen gedeckelt. Kostet die Errichtung zu viel, werden die Wohnungen nicht mehr gefördert. Zwei Gemeinderäte vom Bündnis stimmten gegen diese Änderung.