„Zauber des Rokoko“ lautet das Motto beim Schlossfest des Haimhauser Kulturkreises am Freitagabend, und eine bessere Kulisse als das Haimhauser Schloss kann man dafür kaum finden: ein Rokoko-Schlösschen im Grünen, von keinem Geringeren gestaltet als dem berühmten Baumeister Cuvilliés. Einige Damen kommen in Reifröcken mit Spitzenbesatz und prächtigen Schleifen, die Herren stecken in Kniehosen und Schnallenschuhen, manches Haupt wird von einem Dreispitz gekrönt. Man trägt wieder Perücke. Oder einfach nur bequeme Sommerkleidung.
Im ersten Teil des Festprogramms führt das Petershausener Festivalorchester unter der Leitung von Eugen Tluck mit dem Chorensemble Stimmbruch und diversen Solisten Höhepunkte aus Mozarts Oper „Don Giovanni“ auf. Die Freitreppe erweist sich dabei als perfektes Bühnenelement für Liebesarien. Als es langsam Zeit wird für die Höllenfahrt des Wüstlings Don Giovanni, rauscht es unheilvoll in den Bäumen, schwarze Wolken ballen sich über dem Schloss. In den Besucherreihen kursieren Ankündigungen eines nahenden Unwetters.

Im zweiten Teil des Abends wird es richtig lustig. Theo Falls Operette „Madame Pompadour“ wartet nicht nur mit einer Reihe schmissiger Ohrwürmer auf, sondern auch mit herrlichen Texten („Treib das Ding nicht bis zum Gipfel / Fass mich bloß nicht so beim Zipfel / Meines Mantels an …“). Die Sänger und Sängerinnen, darunter auch die Sopranistin und Kulturkreis-Vorsitzende Marja-Leena Varpio höchstselbst, schöpfen auch im Spiel auf der Bühne den Witz dieses Stücks voll aus. Leichte Kost, wohl wahr, aber bewusst gewählt, für eine Zeit der Krisen, Umbrüche und Ungewissheiten. „Es braucht ein bisschen Leichtigkeit“, sagt Margot Waltenberger-Walte vom Kulturkreis.
Dann ein lautes Krachen, am Himmel blitzt es grell. Nein, kein Unwetter, das ist ausgeblieben. Ein ehrenamtlicher Pyrotechniker vom Kulturkreis zündet das Feuerwerk. Großes Finale mit Oh und Ah! Madame Pompadour und Don Giovanni hätte es gefallen.

