Dachauer Schloss-SanierungKonzerte fallen Planungschaos zum Opfer

Lesezeit: 2 Min.

Die Fassade hinter der Blütenpracht im Barockgarten braucht dringend eine Sanierung.
Die Fassade hinter der Blütenpracht im Barockgarten braucht dringend eine Sanierung.
Johannes Simon
  • Die Bayerische Schlösserverwaltung verschiebt die Sanierung des Dachauer Schlosses um zwei Jahre auf 2028 und 2029.
  • Das Kulturamt hatte wegen der ursprünglich für 2026/2027 geplanten Sanierung seine Schlosskonzerte bereits zu einem Drei-Tages-Festival zusammengestutzt.
  • Die Verträge mit Künstlern sind bereits aufgelöst und können nicht rückgängig gemacht werden, obwohl die Bauarbeiten verschoben wurden.
Von der Redaktion überprüft

Diese Zusammenfassung wurde mit der Unterstützung einer generativen künstlichen Intelligenz erstellt. Lesen Sie mehr über unseren Umgang mit KI.

Fanden Sie diese Zusammenfassung hilfreich?
Mehr Feedback geben

Wegen der kurzfristig angekündigten Sanierung des Dachauer Schlosses hat das Kulturamt seine renommierten Schlosskonzerte auf ein Mini-Festival zusammengestutzt. Jetzt wurden die Arbeiten um zwei Jahre verschoben.

Von Gregor Schiegl, Dachau

SZ bei Google bevorzugen

Das Dachauer Schloss ist nicht nur ein schmuckes Baudenkmal, das über der Altstadt thront, es bietet auch einen festlichen Rahmen für klassische Konzerte, für Kunstausstellungen und Bälle, als Hochzeitsort ist die ehemalige Residenz der Wittelsbacher ebenfalls sehr beliebt. Doch damit dürfte es 2028 und 2029 erst einmal vorbei sein. Dann finden an dem historischen Gebäude umfangreiche Bauarbeiten statt.

Wie die Bayerische Schlösserverwaltung erklärt, besteht an den historischen Fassaden der Gartenseite und den beiden Schmalseiten des Schlosses „Sanierungsbedarf“.  Es seien Schäden an auskragenden Gesimsen und Fensterumrahmungen festgestellt worden. „Hier sollen einzelne Elemente instandgesetzt oder ergänzt werden.“ Möglicherweise müssen Teile der bröckelnden Fassade mit Netzen gesichert werden.

Noch im März hatte die Schlösserverwaltung die Bauarbeiten für Sommer 2026 bis Herbst 2027 angekündigt. Damit hatte sie viele kalt erwischt, die für diesen Zeitraum bereits eine Veranstaltung im Dachauer Schloss geplant hatten. Nun ist die Behörde überraschend zurückgerudert: „Unter Abwägung der Gesamtinteressen vor Ort, insbesondere der Interessen des Pachtbetriebs, wurde entschieden, diese Maßnahme um voraussichtlich zwei Jahre zu verschieben“, teilt sie auf Anfrage der SZ mit.

Es gibt kein Zurück mehr: Die Verträge sind aufgelöst

Für Dachaus Kulturamtsleiter Tobias Schneider ist diese Rolle rückwärts doppelt ärgerlich. In Windeseile hatte er die Reihe  „Dachauer Schlosskonzerte“ zu einem Drei-Tages-Festival komprimiert  – mit der japanischen Pianistin Maki Namekawa als Interpretin von Keith Jarretts legendärem „Köln Concert“; bereits am Montag, 18. Mai, startet der Vorverkauf. Die alten Termine seien storniert, die zuvor geschlossenen Verträge mit den Künstlern aufgelöst, teilweise verbunden mit Entschädigungszahlungen. „Da ist auch nichts mehr zu ändern“, sagt Schneider.

„Es sind komplexe Jahre, die auf uns zukommen“, sagt Tobias Schneider, Kulturamtsleiter der Stadt Dachau.
„Es sind komplexe Jahre, die auf uns zukommen“, sagt Tobias Schneider, Kulturamtsleiter der Stadt Dachau.
Toni Heigl

Normalerweise verteilen sich die Schlosskonzerte über das ganze Jahr – nun finden sie nur an drei Tagen im Januar statt. „Für so eine Reihe ist das einschneidend“, sagt der Kulturamtsleiter. Die Abonnenten hätten das neue Format zwar „sehr gut angenommen“, doch es bleibe die Frage, wie es danach weitergehen soll. „Es sind komplexe Jahre, die auf uns zukommen.“

Seinen Unmut über die „sehr suboptimale Kommunikation“ habe er der Schlösserverwaltung bereits kundgetan, sagt Schneider. Und dabei geht es ihm nicht nur um seine eigene Konzertreihe: Für das Kulturleben der Stadt seien „klare und verlässliche Aussagen“ unabdingbar: Das Schloss sei eine „zentrale Kulturstätte in Dachau“, zahlreiche Vereine hielten ihre Jahresveranstaltungen dort ab und müssten ihre Veranstaltungen planen – oft mit langem Vorlauf.

Seit 1907 finden hier regelmäßig Kunstausstellungen statt

Das gilt insbesondere für die Künstlervereinigung Dachau (KVD). Seit dem Jahr 1907 nutzt sie das Dachauer Schloss regelmäßig für ihre großen Sommerausstellungen. Deren aufwendige Organisation sei einer der Hauptgründe gewesen, warum die Künstlervereinigung einst überhaupt gegründet wurde, weiß Florian Marschall vom KVD-Vorstand.  Turnusgemäß findet die nächste Schlossausstellung im Sommer 2027 statt, die Vorbereitungen starten bereits im August.

Für den Fall, dass das Schloss als Ausstellungsort nicht zur Verfügung steht, hatte die KVD zwar einen „Plan B“ in der Tasche, aber ob der auch praktisch umsetzbar gewesen wäre: fraglich. „Wir sind mit einem blauen Auge davongekommen“, meint Florian Marschall. Und ganz egal, wann die Sanierungsarbeiten 2029 offiziell enden sollten, sei eine Ausweichoption sinnvoll: „Wir haben gelernt, dass Zeitpläne bei Bauarbeiten nur grob und oft auch als eher unverbindlich zu interpretieren sind.“

© SZ - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
Zur SZ-Startseite

Dachauer Gastro-Szene
:Eine Kultkneipe feiert Revival

Fünf Monate lang hat ein Verein daran gearbeitet, das leerstehende Café Gramsci wieder zu dem zu machen, was es mal war: ein lebendiger Kulturtreffpunkt in der Dachauer Altstadt. Die Neueröffnung ist schon mal vielversprechend.

Von Gregor Schiegl

Lesen Sie mehr zum Thema

  • Medizin, Gesundheit & Soziales
  • Tech. Entwicklung & Konstruktion
  • Consulting & Beratung
  • Marketing, PR & Werbung
  • Fahrzeugbau & Zulieferer
  • IT/TK Softwareentwicklung
  • Tech. Management & Projektplanung
  • Vertrieb, Verkauf & Handel
  • Forschung & Entwicklung
Jetzt entdecken

Exklusive Gutscheine für SZ-Abonnenten: