Süddeutsche Zeitung

Schauspiel:Striptease der Seele

Ansgar Wilk tritt im Hoftheater erstmals in einer Solo-Rolle auf

Das Hoftheater Bergkirchen lädt am Freitag, 24. Januar, um 20 Uhr zu seiner ersten Premiere in diesem Jahr ein. Auf dem Programm steht "Der Ansager einer Stripteasenummer gibt nicht auf" von Bodo Kirchhoff. In dem Solostück ist Ansgar Wilk als Ansager zu erleben. In einem Nachtclub verspricht er den "letzten klassischen Striptease auf deutschem Boden". Gleich werde Andrea erscheinen, deren Mutter bereits Stripteasetänzerin war und die ihr Handwerk von der Pike auf gelernt hat. Er verspricht Unglaubliches, und das, obwohl im Zeitalter des Fernsehens der Striptease so gut wie tot zu sein scheint. Doch Andrea scheint sich zu verspäten. Oder ist Andrea eigentlich Andreas? Ein verwirrendes Spiel beginnt und ein unterhaltender Abend mit dem Ansager der Stripteasenummer.

SZ: Herr Wilk, was darf das Publikum von "Der Ansager einer Stripteasenummer gibt nicht auf" erwarten?

Ansgar Wilk: Natürlich einen Striptease, aber mehr einen psychischen statt eines physischen. Dabei zeigt der Autor mit sehr viel Witz, was unter der Oberfläche brodelt. Der Striptease ist dabei keine obszöne Revuenummer, sondern wird zum philosophischen Statement, was sehen wir in uns und im anderen.

Was ist für Sie persönlich das Spannende an diesem Stück?

Dieser Ansager fühlt sich zurückgesetzt, scheinbar unsichtbar und hätte gern selbst einmal den Stellenwert der Darbietung, die er anmoderiert. Dabei ist er derjenige, der den Zauber des Striptease überhaupt entstehen lässt und das nur aufgrund seiner Sprache. Er zeigt mit Worten mehr, als ein Körper je zeigen könnte.

Wie haben Sie sich auf Rolle vorbereitet? Waren Sie im Stripclub?

Leider hat mir das Theater die Spesen für den Besuch eines solchen Etablissements verwehrt. Also habe ich mich, wie üblich, über den Text an die Figur angenähert. Was träumt er, wer ist er und worunter leidet er. Seine Stärke ist natürlich sein Umgang mit der Sprache, aber er könnte jederzeit auch selbst den Striptease durchführen, sofern man ihn - Erotik ist ja eine Sache des Hirns - als Objekt der Begierde anerkennen würde. Und darin liegt auch eine Herausforderung: einen Striptease gekonnt, aber immer taktvoll zu zeigen.

Es handelt sich um Ihr allererstes Solostück. Was ist für Sie das Besondere daran und wo liegen die Herausforderungen?

Tatsächlich ist es in den dreißig Jahren meiner Schauspielerlaufbahn das erste Mal, dass sich die Gelegenheit für ein Solo ergibt. Der Ansager ist deshalb so reizvoll, weil er eine geradezu zerrissene Persönlichkeit ist. Einerseits ein Meister seines Faches, der sich souverän vor ein Publikum stellt, andererseits ein von der Mutter fast gebrochener, schüchterner Mann, dem nichts bleibt als die großartige Eloquenz seiner Sprache. Er wäre gerne so viel mehr als nur der Ansager und träumt, wie wir alle, von Anerkennung und Liebe. Am Ende, wenn ihm fast nichts mehr einfällt, steht er

quasi nackt auf der Bühne, weit mehr als wenn er sich ausgezogen hätte. Die Möglichkeit, ein ganzes Leben, an einem Abend, auf einer Bühne zum Leben zu bringen ist eine große Herausforderung, aber auch ein Geschenk. Schöner als Weihnachten und Ostern zusammen.

Der Ansager einer Stripteasenummer gibt nicht auf. Solo für einen Herrendarsteller von Bodo Kirchhoff. Premiere Freitag, 24. Januar um 20 Uhr, Hoftheater Bergkirchen. Karten gibt es unter mail@hoftheater-bergkirchen.de oder 08131/326 400 oder an der Abendkasse.

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Quelle:
SZ vom 23.01.2020
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