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Song-Release aus Dachau:"Ich will mir lieber wieder Tinder installieren"

Sascha Seelemann

Es geht um die Liebe bei Sascha Seelemann - die Liebe, die in die Brüche geht. Die Beziehung ist inzwischen glücklicherweise schon wieder gekittet.

Am Freitag ist "Game over", die erste Radio-Single des Dachauer Musikers und Moderators Sascha Seelemann, erschienen. Diese hat ihm sogar eine Kooperation mit einer bekannten Dating-App beschert.

Von Jacqueline Lang

Game over. So heißt die neueste Single von Sascha Seelemann. Übersetzt bedeutet das so viel wie: Das Spiel ist aus. Vorbei, verloren. Damit steht dieser einprägsame Titel allerdings im krassen Gegensatz zu dem, was in Wirklichkeit passiert: Mit dem Plattenvertrag bei einem der größten Musiklabel weltweit ist der Dachauer Musiker in eine neue Liga aufgestiegen und am Freitag ist genau das mit dem Release seiner ersten Radio-Single gefeiert worden. Für Sascha Seelemann geht das Spiel also gerade erst los.

Wer den redseligen 32-Jährigen am Mittwochvormittag am Telefon erwischt, hört ihm sogar durch den Hörer an, dass er selbst noch nicht ganz glauben kann, dass er, "der kleine Dachauer", nun tatsächlich bei Universal unter Vertrag ist und einer seiner Songs demnächst im Radio rauf- und runterlaufen wird. Denn vor circa einem Jahr hat Seelemann selbst nicht mehr an seinen großen Traum von der "Deutsch-Pop-Nummer" geglaubt. Er hatte sich sogar fast schon damit abgefunden, mit den Grizzlies weiter Cover-Songs zu spielen, statt seine eigenen Lieder zu singen.

Etwa zeitgleich ging auch seine Beziehung in die Brüche. Nach knapp vier Jahren als Musiker stand Seelemann beruflich und privat kurzzeitig vor dem Nichts. Doch das Schicksal hatte offenbar andere Pläne für Seelemann: Er lernte die richtigen Leute im Musikbusiness kennen, seine Freundin und er fanden wieder zueinander und jetzt ist er genau da, wo er immer sein wollte.

Nach wie vor ist Seelemann aber nicht nur Musiker, sondern auch Moderator bei Bayern 3. Umso unwirklicher findet er es, dass sein eigener Song von nun an in seinem Sender zu hören ist und - wenn alles nach Plan läuft - wohl auch von anderen Radiosendern in deren Programm aufgenommen wird. Und obwohl Seelemann weiterhin beim Radio bleiben will, geht es ihm doch auch darum, nicht mehr nur der Moderator zu sein, der auch ein bisschen Musik macht, sondern als Musiker für voll genommen zu werden.

Seelemann geht es dabei aber keineswegs nur um Geld und Ruhm wie er betont. Er wolle "die Meute" sehen, wie sie seine Songs mitsingt. "Ich bin nur ein Instrument, die Fans sind die Resonanz", sagt er. Genau diesen Resonanzraum vermisst er wie viele Künstler in der Pandemie schmerzlich. Alles konzentriere sich derzeit gezwungenermaßen auf die sozialen Netzwerke, und man komme nicht umhin, sich viel mehr zu vergleichen mit anderen Musikern, ihren Clicks und Likes.

"Wenn man etwas wirklich will, muss man hart arbeiten, aber dann kann man es schaffen"

Dieses ständige Nach-links-und-rechts-Schauen, "das kratzt an einem", gibt Seelemann zu. Er hofft deshalb, im Sommer endlich wieder einmal live vor Publikum spielen zu können. Dann soll nämlich eine weitere der insgesamt fünf Singles erscheinen, die dieses Jahr noch veröffentlicht werden sollen. Es handle sich dabei um eine Art Hymne, die wie dafür gemacht sei, das Leben zu feiern. Und Seelemann ist überzeugt, dass die Menschen genau das machen werden, wenn es die Infektionszahlen irgendwann einmal wieder zulassen. "Wenn wir alle wieder raus dürfen, wird es wie nach dem Krieg", sagt Seelemann. Bis es soweit ist, nutzt er die Zeit, um weiter an neuen Songs zu arbeiten.

Dass viele andere Kreative und Künstler derzeit um ihre Existenz bangen, kann Seelemann verstehen. Gleichzeitig ist er davon überzeugt, dass man es mit harter Arbeit immer schaffen kann. Er selbst sei dafür schließlich das beste Beispiel - auch wenn das jetzt vielleicht nach "Disney Club" klinge. Zu Beginn seiner Karriere habe auch er schließlich auf Bühnen in Kreuzholzhausen gespielt, nun könnten nach all den Jahren der harten Arbeit an seinem Traum Bühnen in ganz Deutschland folgen. "Wenn man etwas wirklich will, muss man hart arbeiten, aber dann kann man es schaffen", ist Seelemann überzeugt.

Bleibt nur noch die Frage: Warum hat sich ein Musiker, den man sich nicht schlecht gelaunt vorstellen kann, als ersten Song des neuen Albums einen ausgesucht, der vom Ende einer Beziehung handelt? Er habe, so sagt Seelemann, eine ganze Dropbox voll mit Liedern, aber dieser Song sei etwas ganz besonderes. Mit ihm habe er "klare Kante" zeigen, der Welt etwas noch nie dagewesenes präsentieren wollen. "Game over" sei eine neue Art über Trennung zu sprechen, vor allem aus Sicht eines Mannes, verspricht Seelemann.

Für seine Jetzt-wieder-Freundin sei es anfangs nicht leicht gewesen zu wissen, dass den Song demnächst ein Millionenpublikum im Radio hören kann, erzählt Seelemann. Das kann nachvollziehen, wer den Song einmal zu Ende gehört hat. In der zweiten Strophe singt er etwa: "Ich will keine Kinder mehr mit dir, ich will mir lieber wieder Tinder installieren." Andererseits hat der Song wohl genau deshalb Hit-Potenzial: Weil er ein bisschen weh tut, weil er persönlich ist und die Melodie trotzdem ins Ohr geht.

Gefeiert hat er den Release am Freitagnachmittag unter anderem auf Youtube, inklusive Live-Chat mit Seelemann selbst. Das komplette Album gibt es zwar erst im kommenden Jahr zu kaufen, aber bis dahin will er, wie er auf Facebook schreibt, schon zeigen, "warum der Seelemann ins Radio soll. Nicht als Moderator, sondern als Musikant".

Das Video zur Single: sz.de/seelemann

© SZ vom 20.02.2021/kafe, van
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