Sanierung Grundschule unter Zeitdruck

In einem der Klassenzimmer hinter den gelben Fensterrahmen breitet sich der Schimmel aus. Das macht jetzt eine Dachsanierung nötig.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Die Rektorin von Dachau-Ost macht sich allmählich Sorgen, ob der Ausbau noch rechtzeitig zum Schuljahresbeginn fertig wird: Ein Pavillon muss aufgestockt werden, im Anbau über der Fahrradhalle wuchert der Schimmel und ein Klassenzimmer ist seit Monaten gesperrt

Von Petra Schafflik, Dachau

Schon wieder eine Hiobsbotschaft: Die Schülerzahlen an der Grundschule-Ost in Dachau steigen bekanntlich, schon im kommenden Schuljahr werden dringend weitere Räume gebraucht. Eine provisorische Erweiterung per Containerbau hat der Familien- und Sozialausschuss deshalb im März kurzfristig beschlossen. Doch nun gibt es neue Schwierigkeiten. Die Übergangslösung funktioniert nicht schnell genug, erneut muss umdisponiert werden. Jetzt soll ganz schnell der bestehende Pavillon-Anbau um eine Etage aufgestockt werden. Zu allem Überfluss wuchert auch noch Schimmel im Anbau über der Fahrradhalle. Ein Klassenzimmer ist seit Monaten gesperrt. Um diesen Mangel zu beheben, muss wohl das Dach saniert werden. Fraglich ist, ob alle Arbeiten bis zum Beginn des neuen Schuljahres fertig sind. "Das wird funktionieren", betonte Oberbürgermeister Florian Hartmann (SPD) zuversichtlich. Die stellvertretende Schulleiterin Andrea Noha ist allerdings skeptisch. "Wir sind in großer Sorge." Gebe es Verzögerungen am Bau, "haben wir überhaupt keinen Raum für eine der künftigen ersten Klassen."

Noch im März schien alles klar: Da der langfristig geplante Erweiterungsbau für die Grundschule-Ost erst 2021 bezugsfertig sein wird, muss eine Übergangslösung her, weil schon von Herbst an Klassenzimmer fehlen. Also entschieden die Stadträte, dass ein separater Pavillonbau auf dem Schulgelände aufgestellt wird. Dort sollten Klassenzimmer entstehen, aber auch Zusatzräume für Hort und Mittagsbetreuung. Doch nun hat sich gezeigt, dass so ein Behelfsbau aus Container-Modulen nicht rechtzeitig zum ersten Schultag bezugsfertig dastehen wird.

Die Verwaltung will deshalb zweigleisig fahren: Um die zwingend notwendigen Klassenzimmer bereitzustellen, wird der schon bestehende Container-Anbau der Schule um eine dritte Etage aufgestockt. Die geplante separate Pavillon-Anlage wird trotzdem zügig errichtet. Als Standort ist die Wiese hinter der Mittelschule an der Fünfkirchner Straße vorgesehen. Sobald diese neue Anlage im Oktober oder November fertig ist, zieht der Hort mit den bisher im Schulhaus untergebrachten Gruppen dorthin um. Und erweitert sein Angebot, weil im Containerbau mehr Platz ist.

Bauarbeiten starten erst im Juli

Die Kosten für beide Erweiterungs-Projekte sind keine Peanuts: Die Aufstockung wird 350 000 Euro kosten, der eigenständige Pavillonbau rund eine Million Euro. Diese Finanzmittel muss der Stadtrat noch bereitstellen. Doch die neue, aus der Not geborene Lösung bietet Vorteile: Im Schulhaus einschließlich aufgestocktem Anbau gibt es künftig genug Platz für alle Schüler. Die Kinder müssen nicht wie ursprünglich geplant zwischen Hauptgebäude und ausgelagertem Erweiterungsbau hin- und herlaufen, denn unterrichtet wird nur im Schulhaus. Die Hortbetreuung wiederum findet ausschließlich im externen Satellitenbau statt. Ein Konzept, das auch die Schulleitung überzeugt. Wenn nur die Sorge um den Zeitplan nicht wäre. Denn die Bauarbeiten starten erst im Juli.

Und dann ist da noch das Schimmelproblem. Ein Klassenraum im Anbau über der Fahrradhalle ist seit vorigem Sommer gesperrt. Der Befall ist laut Experten nicht gesundheitsgefährdend, wie Schulleiterin Gabriele Dörfler erklärt. Aber der Schaden breite sich aus, das Zimmer sei nicht nutzbar. "Noch ist unklar, woher der Schimmel kommt", erklärte der Oberbürgermeister den Stadträten im Ausschuss. Ein Dachexperte konnte die Ursache nicht eindeutig lokalisieren, eine Baubiologin soll nun ran. Womöglich muss das Schuldach komplett saniert werden. Unwägbarkeiten, die bei den Verantwortlichen große Sorge auslösen. "Wir haben es leider bisher immer so erlebt, dass Baumaßnahmen nicht rechtzeitig fertig werden", sagte Konrektorin Andrea Noha im Familien- und Sozialausschuss. Die Schule hätte gerne einen "Plan B". Das Terminproblem sehen auch die Stadträte. Sie stimmten deshalb zu, dass der Oberbürgermeister das Projekt ohne Beratung in den Gremien per dringlicher Anordnung vorantreiben soll. Damit will man Zeit sparen.

Die Skepsis an der Schule bleibt. "Wir zweifeln, weil wir seit Jahren mit Notlösungen leben müssen", sagt Rektorin Dörfler. Auch die Eltern sind wachsam. Das neue Konzept sei gut, "aber wichtig ist, dass es wirklich kappt", erklärte Elternsprecher Achim Seibt, der die Diskussion im Ausschuss verfolgt hatte. Von der Stadt wolle man einen Zeitplan des Bauprojekts erbitten, damit die Eltern den Baufortschritt verfolgen können. Und frühzeitig Alarm geben, falls sich Verzögerungen abzeichnen sollten.