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S-Bahnhof Hebertshausen:Der Lift funktioniert wieder

Aufzug am Bahnhof

In diesem Jahr war der Aufzug in Hebertshausen häufiger außer Betrieb als funktionstüchtig. Vor allem für Menschen mit Behinderung und Eltern mit Kinderwagen ist das ein großes Problem.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Nachdem eine Protestaktion darauf aufmerksam gemacht hatte, dass der Aufzug an der S-Bahnhaltestelle in Hebertshausen wochenlang außer Betrieb gewesen ist, funktioniert er nun wieder. Initiatorinnen der Demo und Rathauschef Richard Reischl kritisieren die Deutsche Bahn trotzdem

Eine gute Nachricht für alle Hebertshausener: Nach einem Stillstand von acht Wochen funktioniert der Lift am S-Bahnhof wieder. Ob die Reparatur jetzt eine Reaktion der Bahn ist auf die spontane Bürgerdemo, mit der die Hebertshausener kürzlich ihre Wut öffentlich gemacht haben, mag dahingestellt bleiben. Allerdings hatte der Aufschrei der Bürger durchaus für öffentliche Aufmerksamkeit gesorgt, auch über den Ort hinaus.

Viele Medienanfragen seien dazu im Rathaus eingegangen, berichtete Bürgermeister Richard Reischl (CSU) bei der Bürgerversammlung. Für Empörung gesorgt hatte dabei besonders das Schicksal von Josefine Irlenborn. Die junge Frau, die im Rollstuhl sitzt, musste sich wegen des defekten Lifts am Bahnhof seit Wochen morgens aus dem Rollstuhl herausmanövrieren, auf die Bahnsteigtreppe setzen und dann mit den Armen die Stufen hochstemmen. Nun ist diese tägliche Demütigung auf dem Weg zur Arbeit erst einmal Vergangenheit. Der Bürgermeister ist aber noch lange nicht zufrieden. "Die Bahn muss künftig schneller reagieren." Auch Anja Kittlitz, die gemeinsam mit Stephanie Jäsche die Protestaktion organisiert hatte, reagiert zurückhaltend. Der Aufzug werde wieder kaputt gehen. "Wir können nicht jedes Mal das ganze Dorf mobilisieren."

Natürlich freuen sich die Initiatoren der Demo, dass nun der Lift erst einmal wieder läuft, auch wenn die Reparatur offenbar teilweise nur provisorisch durchgeführt wurde. Doch wie viele Bürger auf diese technische Hilfe angewiesen sind, um die S-Bahn nutzen zu können, zeigte sich bei der Protestaktion. Da hatten sich auf einen kurzfristigen Aufruf hin gut 70 Bürger versammelt. Nach der Demo haben die Initiatoren einen offenen Brief ins Netz gestellt und auch direkt an die Bahn gesendet. Allerdings gab es darauf bisher keinerlei Reaktion. "Das ist schon enttäuschend."

Zumal die Geduld der Hebertshausener dieses Jahr besonders auf die Probe gestellt worden ist: Im Frühjahr und Sommer legten randalierende Jugendliche den Aufzug über Wochen immer wieder lahm, Unbeteiligte wurden im Aufzug eingeschlossen und mussten gewaltsam befreit werden. Der Lift war in dieser Zeit häufiger defekt als funktionsfähig. Dann ab Oktober wieder kompletter Stillstand. "So ein Aufzug muss innerhalb zwei Wochen repariert sein", fordert der Rathauschef.

Zudem beklagt Reischl, dass selbst für einen Bürgermeister bei der Bahn direkte Ansprechpartner und eine engmaschige Kommunikation bislang fehlten. Ein Beispiel: In diesen Tagen seien auf dem Bahnsteig neue Pfosten installiert worden, auf denen wohl noch eine Fahrgastinfo montiert werde. Das vermutet jedenfalls der Rathauschef, denn informiert worden ist er nicht - sondern nur verwundert. Genau so eine Anzeige am Bahnsteig mit Abfahrtszeiten und Informationen über Verspätungen hatte die Gemeinde nämlich schon 2016 mit Nachdruck gefordert. Damals hatte die Bahn den Wunsch abgelehnt mit der Begründung, der Hebertshausener Bahnhof sei zu wenig frequentiert. Auch wenn die Fahrgastinfo nun kommt, ist Reischl noch nicht zufrieden. "Wir wollen unbedingt noch eine Videoüberwachung." Mit einer Aufzeichnung hätte man weniger Probleme mit Vandalismus nicht, sagt Reischl. Er will deshalb an der Sache dran bleiben. Dranbleiben, das will auch Anja Kittlitz. Denn das Dilemma der fehlenden Barrierefreiheit von Bahnhöfen betrifft nicht nur ihr Dorf. "Inzwischen weiß ich, dass es ein großes Thema ist, das in Bayern und deutschlandweit viele angeht." Deshalb überlegt sie, den Inklusionsbeauftragten der Bahn anzusprechen, sich im Landkreis mit Behindertenbeauftragten zusammenzuschließen. Konkrete Aktionen sind noch nicht geplant, aber erste Überlegungen werden angestellt. "Wir werden das Thema auf jeden Fall über Hebertshausen hinaus tragen."