Etwa 400 Menschen wollten sich die „Sinfonische Sommernacht Röhrmoos“ mit dem Kammerensemble des Bundespolizeiorchesters Münchens auf dem Schönbrunner Marienplatz nicht entgehen lassen.
Den Beginn des Abends machte die Serenade für Bläser „Gran Partita“ von Wolfgang Amadeus Mozart (1756 – 1791). Viele Mythen ranken sich um dieses Werk: So gibt es beispielsweise die überlieferte Behauptung, der junge Mozart habe diese Serenade als Hochzeitsgeschenk für seine Constanze geschrieben. Bewiesen ist das jedoch bis heute nicht.

Doch zurück nach Schönbrunn: Mit wunderbar leichter Hand führt der Dirigent des Abends, Philipp Armbruster, durch fünf der sieben Sätze der grandiosen Unterhaltungsmusik. Leichtfüßig tänzelnd und vergnüglich erklingen dabei volksmusikalische Elemente in den Trios zwischen den sonst so formstrengen Menuetten.
Armbruster selbst weist auch auf Bezüge zu dem oscarprämierten Film „Amadeus“ aus dem Jahr 1984 hin. Hier vergleicht Antonio Salieri, der vermeintliche Kontrahent Mozarts, die kantable Oboenmelodie des Adagios mit der göttlichen Stimme. Ob man diese spürt, als just in dem Moment ein beachtlicher Windstoß über den Marienplatz fegt?
Im Anschluss an die klassische Serenade ertönt in Schönbrunn die „Petite Suite“ des französischen Komponisten Claude Debussy (1862 – 1918), um – wie Philipp Armbruster selbst erklärt – auch „leicht sommerliche Musik aus einem anderen Land“ mitzubringen. Dieses eigentlich für Klavier zu vier Händen komponierte Werk erklingt in einem speziellen Arrangement für Bläserkammerorchester. Müsste man einen Schwachpunkt des Abends benennen, wäre es wohl dieser. Das liegt jedoch allein am Arrangement, beileibe nicht am Kammerorchester.
Melodische Vielfalt und geniale Instrumentierung
Nach einer Pause erklingt schließlich die Serenade für Blasinstrumente, Violoncello und Kontrabass in d-moll des Komponisten Antonín Dvořák (1841 – 1904). Dieses viersätzige Werk – dem laut dem Komponisten übrigens die „Gran Partita“ Mozarts als Vorbild gedient hat – wird von dem Kammerorchester meisterhaft interpretiert. Hier wird auch sofort nach den ersten Tönen klar, dass es sich nicht um eine Bearbeitung handeln kann, sondern um eine originale Instrumentierung aus der Feder des tschechischen Komponisten.
Die melodische Vielfalt, der geschickte Aufbau und die geniale Instrumentierung, bei der jede Stimme einen eigenen Sinn hat und dieser Sinn im Gesamtkonzept gleichzeitig auch erkennbar wird – all das sind Charakteristika, welche typisch sind für das kompositorische Schaffen Dvořáks. Das Kammerorchester gestaltet jede Klangfarbe des Werkes mit Hingabe, und die Musiker selbst vermitteln beim Musizieren große Freude.
Es folgen anschließend zwei Sätze des Bläser-Oktetts in Es-Dur von Ludwig van Beethoven (1770 – 1827). Auch hier stellt das Orchester sein Können unter Beweis und erarbeitet gezielt den traditionell klassischen Stil des damals gerade einmal 22-jährigen Komponisten.
Zum Schluss wäre eigentlich die Bläserserenade in Es-Dur von Richard Strauss vorgesehen gewesen, die jedoch krankheitsbedingt instrumental nicht aufgeführt werden kann. Somit entscheidet sich der Dirigent als Zugabe für ein Arrangement des Kitty-valse aus der bisher eher unbekannten „Dolly-Suite“ des Franzosen Gabriel Fauré (1845 – 1924) und sorgt damit für eine Konzertvielfalt, bei der sowohl Laien als auch Kenner ihren musikalischen Kanon erweitern können.


