Pünktlich zum Schuljahresende ist das vierte Gymnasium des Landkreises Dachau in Röhrmoos mit einem Festakt eingeweiht worden. Mit einem Investitionsvolumen von 60 Millionen Euro konnte die weiterführende Schule fristgerecht übergeben werden. Weitere 29,5 Millionen Euro fallen dafür an, dass ein Generalübernehmer den Betrieb und die Instandhaltung des Gymnasiums für 25 Jahre sicherstellt.
Aus dem geplanten 88-Millionen-Euro-Projekt ist somit für 89,5 Millionen der dringend benötigte Neubau für das G 9 entstanden. Der straffe Zeitplan seit Baubeginn im August 2023 konnte laut Landratsamt eingehalten werden. Anders als beim fünften Gymnasium des Landkreises in Karlsfeld, dessen Neubau ein Jahr zuvor begonnen wurde und dessen offizielle Einweihung erst am 29. Oktober ansteht, klopften sich die Beteiligten nun in Röhrmoos gegenseitig auf die Schultern.
Es ist das erste Mal, dass der Landkreis Dachau für einen Schulbau den gesamten Projektauftrag an ein einziges Unternehmen vergeben hat. Mit der Bielefelder Firma Goldbeck Public Partner GmbH ist Dachau eine sogenannte Public Private Partnership (PPP) eingegangen. Öffentliche Hand und privatwirtschaftliche Unternehmen gehen dabei eine Zweckgemeinschaft ein, wie es auch schon beim Bau der neuen Katastrophenschutzhalle des Landkreises geschehen ist.
Die Hoffnung von Landrat Stefan Löwl (CSU) ist bislang aufgegangen: Die Firma aus Ostwestfalen erledigte den kompletten Neubau des Gymnasiums, das Landratsamt verzichtete auf Vergabeverfahren für Einzeldienstleistungen. Fragt man im Landratsamt nach, welchen Unterschied es im Schulalltag machen wird, dass ein Investor sich um Wartung und Instandhaltung des Gebäudes kümmern wird statt des Landkreises selbst, heißt es: „Einen Unterschied gibt es nicht im Alltag. Wenn etwas instand zu setzen ist, sorgt Goldbeck für Ersatz.“



In Unterschleißheim hat Goldbeck beispielsweise schon ein neues Haus für die Montessori-Schule gebaut. In der Region München haben PPP-Modelle beim Schulneubau aber durchaus auch Skeptiker auf den Plan gerufen. In Ebersberg befürchtete man, der Landkreis könnte seine Handlungsfähigkeit zu sehr einschränken und sich langfristig zu sehr an einen Investor binden. Manche hätten lieber ein Kommunalunternehmen gegründet. Eine Delegation aus Ebersberg besuchte 2024 sogar die Goldbeck-Baustelle in Röhrmoos. Zuvor hatte der Landkreis Ebersberg einen Rechtsstreit mit dem PPP-Investor des Gymnasiums Kirchseeon verloren und mehr als 400 000 Euro in den Sand gesetzt.
In Röhrmoos jedoch will man am Tag der Einweihung die gelungene Partnerschaft feiern. Im lichtdurchfluteten Atrium des neuen Schulhauses sitzen die Beteiligten: Die Geldgeberin, Bayerns Kultusministerin Anna Stolz (FW) sagt, Schulen seien „Orte der Herzensbildung“, Bauherr Landrat Stefan Löwl ist sichtlich stolz. Gemeinsam feiern sie mit Mitarbeitenden des Bauamts, dem Röhrmooser Bürgermeister Michael Kugler (CSU), Gemeinde- und Kreisräten, Schulleitern, den am Bau beteiligten Firmen, dem künftigen Kollegium und auch Pfarrer Michael Bartmann und Pfarrerin Ulrike Markert. Eine Handvoll künftiger Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums darf ebenfalls dabei sein, weil sie einen Tanz aufführen.

Kommunale Bauprojekte:Die Ebersberger Schnäppchen-Schulen
Alles wird immer teurer? Im Landkreis Ebersberg möglicherweise nicht: Statt 240 Millionen Euro sollen drei Schulbauprojekte nur die Hälfte kosten – und noch dazu in Rekordzeit fertig werden.
Optisch wirkt im Neubau vieles klar und reduziert. Im Eingangsbereich sind schlichte Steinquader zum Sitzen arrangiert, mehrere Tischtennisplatten laden zum Doppel- und Rundlaufspiel auf dem Pausenhof ein, drum herum blühen violette Pflanzen. Über der Aula geben Dachfenster den Blick in den blau-weißen Himmel frei, die Geländer zum Atrium sind schlicht und weiß gehalten. Im ganzen Gebäude bestimmt Funktionalität die Gestaltung, dazwischen finden sich immer wieder farbige Akzente wie eine sonnengelbe Sitzecke.
Mitsamt offener Galerie, Lichthof, Mensa, Parkplätzen und Außenanlagen liegt das Gebäude auf einem 21 500 Quadratmeter großen Grundstück. Die räumliche und pädagogische Grundlage ist das „Münchner Lernhauskonzept“, teilt das Landratsamt mit, bei dem kooperative Lernformen in den Mittelpunkt rücken. Dazu gehören zum Beispiel ausreichend Räume für Inklusion und kleine Lerngruppen sowie ein Lernmarktplatz. Mehr als 900 Schüler sollen hier einmal lernen und ihr Abitur machen. Zwei Zweige - ein sprachlicher sowie einen naturwissenschaftlich-technologischer - werden ab September angeboten.
Der Röhrmooser Bürgermeister Kugler schwärmt davon, dass ihn viele Menschen darauf ansprächen, wie gut sich das Gebäude in die Landschaft einfüge. Geschmackssache, für manchen, der aus Richtung Arzbach durchs tertiäre Hügelland gefahren kommt, offenbart sich zwischen Feldern und Wiesen von außen betrachtet eher ein grauer Kasten. Das Archikturbüros Auer Weber hat den Entwurf gestaltet, die graugestrichene Lärchenholzfassade ist mit Linien in grünem Farbverlauf durchsetzt.
Neben dem Schulhaus wird gerade noch gebaggert: Hier entstehen Sportanlagen, für die der Landkreis ebenfalls eine Kooperation eingegangen ist. Für mindestens 40 Jahre wird die Freisportanlage gemeinsam von Landkreis und Sportverein genutzt werden.
Der Schulleiter bietet KI-Unterricht an
Fragt man die zukünftigen Schülerinnen und Schüler, wie es ihnen hier gefällt, freuen sich vor allem jene aus den Vorläuferklassen am Gymnasium Markt Indersdorf darauf, nicht mehr auf Sichtbeton in den Klassenräumen starren zu müssen. Die 13-jährige Azra Eker aus Großinzemoos und die ein Jahr jüngere Vanessa Franke aus Biberbach finden das neue Schulgebäude „hübsch und sehr modern“. Einen anderen Verlust haben sie jedoch zu beklagen: Aus dem Freundeskreis der Achtklässlerinnen wechseln drei Kinder nach Röhrmoos, zwei bleiben am Gymnasium in Indersdorf.
Schulleiter Peter Sander zeigt sich erleichtert, dass Gebäude und Lehrkörper zum Schuljahresbeginn stehen. 285 Schülerinnen und Schüler werden mit 27 Lehrkräften im September den Unterricht beginnen. Die Klassengröße schwanke dabei am Anfang zwischen 22 und 26 Schülern, sagt er. Sander, der selbst auch Mathematik und Physik unterrichtet, bietet für die jungen Menschen ein spezielles Wahlunterrichtsfach zu Künstlicher Intelligenz an.
Medienpädagogik sei ihm besonders wichtig, er wolle den Gymnasiasten vermitteln, wie sie nützliche Maschinen „reflektiert verwenden“ können. In Zeiten zunehmender KI-Anwendungen sei es auch wichtig, offenere und komplexere Aufgaben in Prüfungssituationen zu stellen, mahnt Sander an.

