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Renovierung in Odelzhausen:Herrsche und spare

Geiselwies

Die Kapelle in Geiselwies bei Sixtnitgern zählt zu den beliebtesten und meistbesuchten Andachts- und Wallfahrtsstätten im Dachauer Land.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Die Kirche lehnt eine Beteiligung an den Renovierungskosten für die Wallfahrtskapelle Geiselwies ab, weil ihr das Gebäude nicht gehört. Mitreden will sie trotzdem. Odelzhausens Bürgermeister kann darüber nur noch lachen

Markus Trinkl gehört zu den Menschen, die unwillkürlich lachen müssen, wenn sie mit absurden Situationen oder nicht nachvollziehbarem Verhalten konfrontiert werden. Am vergangenen Dienstag berichtete er seinem Gemeinderat vom neuesten Stand der Dinge in Sachen Geiselwies, einer überregional bekannten Wallfahrtskapelle in der Nähe von Sittenbach. So viel vorab: Der Odelzhausener Bürgermeister lachte viel.

Der Anlass: Ein Brief von Generalvikar Peter Beer, dem Verwaltungschef der Erzdiözese München und Freising. Beers Hauptbotschaft: Die Kirche beteiligt sich nicht an den Renovierungskosten des kleinen Gotteshauses. Mitreden beim weiteren Procedere will sie aber trotzdem. Schon seit Anfang 2017 diskutieren Gemeinde und Kirche über die Zukunft der Kapelle. Damals wollte die Sittenbacher Kirchenstiftung einige Votivtafeln der Geiselwies restaurieren, in der Annahme, dass die Kapelle der Erzdiözese gehört. Ein Irrtum, wie das Landratsamt bei Prüfung der Grundbücher herausfand. Das Bauwerk steht genau auf einer Parzellengrenze, die ein Areal der Kommune vom Grund einer Privatperson trennt. Prompt sah sich Münchner Kirchenbehörde für die Restaurierungsarbeiten nicht zuständig und verwies auf die Gemeinde. Daraufhin wollte das Odelzhausener Rathaus dem Ordinariat die Kapelle schenken. Allein die Kirche will das Bauwerk nicht.

Anfang des Jahres platzte Trinkl der Kragen ob des Verhaltens der Kirchenoberen. Nicht nur wegen der Geiselwiesfrage sondern auch wegen anderer Projekte, bei denene sich die Finanzfachleute der Diözese sehr zugeknöpft gezeigt hatten. Mitte Februar wandte sich der Bürgermeister mit einem Schreiben an Kardinal Marx.

Am 22. August ging Beers Antwort ein. Die lange Reaktionszeit begründete der Generalvikar mit den zahlreichen involvierten Stellen und dem Zusatz: "Die nochmalige Prüfung und Abstimmung haben wir sehr ernst genommen." Schon hier musste Trinkl beim Vorlesen lachen. Ebenso, als er zitierte, warum die Erzdiözese weiterhin eine Übernahme der Kapelle ablehnt. Beer betont in dem Brief, dass die Sittenbacher Kirchenstiftung verpflichtet sei, "ihr Vermögen sparsam zu verwalten" und "ausschließlich für die Befriedigung der ortskirchlichen Bedürfnisse zu verwenden". Auch hier lachte der Bürgermeister auf. Denn die Geiselwies wird gerade von den Sittenbachern heiß und innig geliebt, wie bei Fronleichnams-Prozessionen zu sehen ist. Bei der folgenden Aussage schüttelte Trinkl daher den Kopf: "Auch pastorale Gesichtspunkte, insbesondere im Hinblick auf die bisherige Nutzung der Kapelle können eine Übernahme nicht rechtfertigen." Zumal sich im Laufe der Zeit rund 100 00 Euro im Opferstock gesammelt haben. Der erzbischöfliche Verwaltungschef schreibt weiter: "Wir können uns vorstellen, Ihnen (...) die Opferstockeinnahmen und Spendengelder (...) für die Bezahlung der Renovierungs- und Sanierungsarbeiten zur Verfügung zu stellen." Ebenso könnte mit künftigen Einnahmen verfahren werden. Das fände er "sensationell", merkte Trinkl an, "die Kirche ist nicht der Eigentümer, will uns aber Vorschriften machen."

Einige Gemeinderatsmitglieder fanden Beers Vorschlag ganz vernünftig, etwa Willi Wegele (FW): "Die Leute wollen schließlich wissen, was mit ihrem Geld passiert." Allerdings zweifelte er an, dass man für die Sanierung von Votivtäfelchen 100 000 Euro ausgeben müsste. Lorenz Bradl (CSU) widersprach: "Da ist man schnell mit einem fünfstelligen Betrag dabei". Roderich Zauscher (BGO) wollte wissen, in welchem Zeitraum sich diese Summe angesammelt hätte. Trinkl will bei der Kirchenstiftung nachhaken. Zudem plant er Gespräche mit der Stiftung und der Odelzhausener Pfarrei zum weiteren Vorgehen. Die Diskussion mit deren Münchner Vorgesetzten fortzuführen, schien der Rathauschef hingegen nicht geneigt zu sein. Zauscher prophezeite: "Das Thema wird uns hier noch öfter beschäftigen."