Regionale TiernahrungHundefutter aus eigener Schlachtung und Jagd

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Ben Hugl aus Hilgertshausen-Tandern, hier mit Hündin Amsel, verfolgt im Job und auf der Jagd einen ganzheitlichen Ansatz.
Ben Hugl aus Hilgertshausen-Tandern, hier mit Hündin Amsel, verfolgt im Job und auf der Jagd einen ganzheitlichen Ansatz. Marco Einfeldt
  • Metzgermeister und Jäger Ben Hugl produziert aus Schlachtnebenprodukten wie Innereien und Pansen hochwertiges Hundefutter in Lebensmittelqualität.
  • Seit 2019 vertreibt er seine Marke „Nature’s Gold“ über seine Homepage und hat nun seinen ersten Selbstbedienungsladen in Achering eröffnet.
  • Hugl will das ganze getötete Tier verwerten und eine Alternative zu industriellem Tierfutter mit undurchsichtigen Lieferketten aus Indien und Afrika bieten.
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Von der Nase bis zum Huf: Diesen Grundsatz nimmt Metzgermeister und Jäger Ben Hugl ernst. Aus Teilen, die viele wegwerfen würden, produziert er hochwertiges Tierfutter.

Von Alexandra Vettori, Freising/Hilgerthausen-Tandern

Milliarden von Euro geben die Deutschen jedes Jahr für das Futter ihrer Haustiere aus. Trotzdem leiden viele Vierbeiner an ernährungsbedingten Krankheiten wie Allergien, Übergewicht oder empfindlichen Mägen. Denn die Industrieware, die in der Regel in den Näpfen landet, birgt Risiken: Künstliche Füll, Farb- und Konservierungsstoffe, Schimmelpilz- und andere Gifte oder ungünstige Nährwerte. Dazu kommen undurchsichtige Lieferketten aus der ganzen Welt.

„Die Hälfte des Hundefutters kommt aus Indien und Afrika. Das Fleisch kann gute Ware sein, aber die Container werden gegen Schädlinge oft mit Pestiziden besprüht“, weiß Ben Hugl. Er hat sich eingehend mit dem Thema Tiernahrung beschäftigt. Jahrelang hat der 31-Jährige aus Hilgertshausen-Tandern im Landkreis Dachau nach gutem Nassfutter für seine Hunde gesucht. Bis er den Entschluss fasste: „Dann mache ich es eben selbst.“ Für einen Metzgermeister und Jäger ist das zumindest kein ganz unmögliches Unterfangen.

Öfter mal was Natürliches. Bei Ben Hugl gibt es sogar Hirsch-Herz und Rotwild-Füße, direkt aus den Isarauen nebenan.
Öfter mal was Natürliches. Bei Ben Hugl gibt es sogar Hirsch-Herz und Rotwild-Füße, direkt aus den Isarauen nebenan. Marco Einfeldt

„Ich habe schon früher Schweinen nach dem Schlachten die Ohrwascheln abgeschnitten und im Heizungskeller zum Trocknen aufgehängt“, erzählt Hugl mit einem Lächeln. Gedörrtes Schweineohr schätzt der moderne Hund als Leckerli. Auch dass er sich später im Betrieb oft freiwillig in der Kuttelei aufhielt, fanden die Kollegen schräg. In dieser Spezialabteilung einer Metzgerei werden die Innereien, Gedärme und Mägen der Schlachttiere entnommen und gereinigt. Hier fällt auch der bei Hunden so beliebte Pansen an.

Was Ben Hugl an der Hundefutterproduktion reizt, ist nicht nur das Hundewohl, es geht viel tiefer. Es ist der Wunsch, getötete Tier ganz zu verwerten, von der Nase bis zum Huf, als Zeichen des Respekts für dessen Leben. „Da bin ich zu sehr Jäger. Wenn ich was schieße, habe ich der Natur was genommen, auch wenn ich heutzutage damit eigentlich für ein Gleichgewicht sorge. Deswegen ist es mir wichtig, dass ich dann auch alles von dem Tier verwerte, und wenn ich drei Stunden dran rumwerkle.“

Die Ochsenziemer stellt Metzgermeister Ben Hugl im Betrieb eines Freundes in Straubing her.
Die Ochsenziemer stellt Metzgermeister Ben Hugl im Betrieb eines Freundes in Straubing her. Marco Einfeldt

Ben Hugl betreibt in Achering, einem Ortsteil von Freising, seinen ersten Selbstbedienungsladen für Tierfutter. Dort stehen zwei Tiefkühltruhen, Regale und eine Vertrauenskasse, aber mit Videoüberwachung. Weitere Verkaufsstellen, so der Plan, sollen vorerst in den Landkreisen Freising und Dachau folgen.

Der Laden in Achering liegt auf dem Hof von Andreas Mühlich, einem Freund und Jagdkollegen von Hugl. Gleich daneben steht eine Hofladen-Hütte, in der es Wildprodukte und anderes in Verkaufsautomaten gibt. Mühlich hat das Jagdrecht in den Isarauen nebenan. Dass es dort auch Rotwild gibt, das sonst eher in den Bergen vorkommt, ist den früheren Freisinger Erzbischöfen zu verdanken. Sie hielten sich zur Jagd Rudel in den Isarauen, deren Nachkommen bis heute überdauert haben.

Seit 2013 ist Ben Hugl Metzger, längst auch Meister und spezialisiert auf die Schlachtung von Großtieren, also Rindern. So kennt er zum Beispiel auch Kniffe beim Zerlegen, die der Tierfutterproduktion zuträglich sind. „Wenn man hier oben an der Luftröhre den Schnitt setzt, dann kann man das Fett einfach abziehen und hat die saubere Luftröhre, die man dann gut trocknen kann.“

Beim Metzgern sind heutzutage immer noch vor allem Edelteile gefragt, „minderwertige“ Teile gelten, so sie nicht nach Asien exportiert werden, meist als Schlachtreste.

Zum Thema Asien erzählt Hugl grinsend eine Anekdote: Eine Zeitlang hat er auch Chips aus Kuh-Eutern für Hunde produziert. Sehr beliebt seien die gewesen. „Dann aber ist der Chinesen-Markt so angesprungen, und die Euter haben so viel gekostet, dass ich keine mehr bekommen habe.“

Auf dem Hof von Andreas Mühlich in Achering gibt es nicht nur regionales Hundefutter, sondern auch eine Hütte mit Verkaufsautomaten für Menschennahrung.
Auf dem Hof von Andreas Mühlich in Achering gibt es nicht nur regionales Hundefutter, sondern auch eine Hütte mit Verkaufsautomaten für Menschennahrung. Marco Einfeldt

„Für mich sind das keine Schlachtabfälle, sondern Nebenprodukte“, sagt Ben Hugl bestimmt. Also steht er an den Wochenenden im Betrieb eines Freundes in Straubing und stellt für die Hunde unter anderem Ochsenziemer her, also gedörrte Ochsenpenis-Haut, sowie Pansenstreifen, Schweineohren und wurstförmig in Plastikfolie eingeschweißtes Frischfleisch.

Die Pakete produziert er bei einem anderen Freund mit einer anderen Maschine. Das ist alles ein wenig umständlich, doch immer noch günstiger, als sich selbst eine professionelle Einschweiß-Maschine zu kaufen. Die koste etwa 70 000 Euro, sagt der Metzgermeister, „da kauft lieber einer eine, und mehrere Leute nutzen sie“.

Eigentlich Lebensmittelqualität

Das Fleisch habe eigentlich Lebensmittelqualität, sagt Hugl und versichert: „Ich tät’ das jederzeit selbst essen.“ Innereien, Zunge oder Füße gehörten ja vor nicht allzu langer Zeit auch noch zum Speiseplan der meisten Menschen hier bei uns.

Seit 2019 betreibt Ben Hugl eine eigene Tierfutter-Marke „Nature’s Gold“, der Vertrieb lief bislang über seine Hompage. Mit dem ersten Selbstbedienungs-Verkaufsstand betritt er Neuland. Künftig aber möchte er sich beruflich auf das Tierfutter konzentrieren. Der Anfang lässt ihn hoffen: Obwohl er außer einem Hinweisschild an der Straße noch keine Werbung gemacht hat, kommt jetzt schon täglich Kundschaft vorbei.

Ginge es nach Hugl, würde noch viel mehr vom Tier verwertet werden. Der Pelz von Füchsen zum Beispiel, sei heute Abfall, weil Pelz in der Gesellschaft verpönt sei. „Und dafür“, sagt er mit einem schiefen Grinsen, „hat man dann eine Goretex-Jacke aus Plastik an“.

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