Reaktionen Nach Anzeige gegen Rechtsextremisten: Viel Zuspruch für KZ-Gedenkstätte

Der Vorfall zeige, "wie offensiv Rechtsextremisten heute gegen die Einrichtungen unserer Gedenkkultur vorgehen", sagt die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München, Charlotte Knobloch.

(Foto: Toni Heigl)

Die IKG-Präsidentin Charlotte Knobloch verurteilt den Auftritt eines Rechtsradikalen in Dachau.

Von Thomas Radlmaier, Dachau

Dass die KZ-Gedenkstätte dem bekannten Rechtsextremisten Nikolai Nerling, der sich selbst der "Volkslehrer" nennt, Hausverbot erteilte, hat in sozialen Medien zahlreiche Reaktionen hervorgerufen. Die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München (IKG), Charlotte Knobloch, kommentierte auf Facebook einen Post des Fördervereins für Internationale Jugendbegegnung und Gedenkstättenarbeit, der über den Besuch des rechtsradikalen Aktivisten in Dachau berichtet. Der Vorfall zeige, "wie offensiv Rechtsextremisten heute gegen die Einrichtungen unserer Gedenkkultur vorgehen", schreibt die Holocaust-Überlebende und wirft Vertretern der AfD "eine geistige Mittäterschaft vor". Durch deren Äußerungen würden sich "Menschen wie der Angreifer aus Dachau" ermutigt fühlen.

Eine Referentin hatte den "Volkslehrer" erkannt, als er in Begleitung eines weiteren Mannes und mit einer Kamera die KZ-Gedenkstätte betrat. Auf ihre Initiative hin verwiesen Mitarbeiter den 38-Jährigen des Geländes, riefen die Polizei und erstatteten Anzeige wegen Hausfriedensbruchs. Der Dachauer SPD-Bundestagsabgeordnete Michael Schrodi lobte auf Twitter das schnelle Eingreifen der Gedenkstättenleitung. "Rechtsradikale, Holocaustleugner, Antidemokraten haben gerade in KZ-Gedenkstätten kein Recht auf Nazipropaganda", so Schrodi.

Auch der "Volkslehrer" erstattet Anzeige - das sei ein "schlechter Scherz", findet Charlotte Knobloch

Als die Polizisten vor der KZ-Gedenkstätte Nerlings Personalien aufnahmen, erstatte er Anzeige wegen Beleidigung gegen die Referentin, die ihn erkannt hatte. Das sei "ein schlechter Scherz", kommentierte Charlotte Knobloch. "Ich vertraue darauf, dass die Polizei den Vorfall korrekt einordnet und gegen den Täter aktiv wird statt gegen das Opfer."

Der Förderverein für Internationale Jugendbegegnung und Gedenkstättenarbeit nannte den Vorfall auf Facebook einen "Angriff auf den Ort, auf die Opfer des Holocaust, auf alle Mitarbeiter". Der Verein rief auf, sich "entschieden Rassismus und Neonazis entgegenstellen". Der Post wurde mehr als tausendmal geteilt.

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