Radverkehr Platz auf der Straße gerechter verteilen

Noch ist Dachau eine Stadt für Autofahrer. Es wird Zeit, das zu ändern

Kommentar Von Viktoria Großmann

Dachau braucht dringend einen Plan zur Verbesserung des Radverkehrs. Vor allem aber den Willen dazu. Noch ist die Stadt eine Stadt für Autofahrer. Auch wenn diese das vielleicht anders sehen, weil es ihnen zu voll ist und sie keinen Parkplatz finden. Aber im Auto sitzt man immer noch im Trockenen und ist seines Lebens im Stadtverkehr ziemlich sicher. Ganz anders geht es den Fahrradfahrern in Dachau und auch den Fußgängern. Das fängt damit an, dass Fußgänger in Dachau grundsätzlich Bittsteller sind und an Ampeln niemals unangefordert Grün erhalten. Völlig unangemessen in einer Stadt, in der ja glücklicherweise vieles zu Fuß zu erreichen ist.

Für Fahrradfahrer gibt es so viele schwierige Stellen, dass es schon Mut braucht, um überhaupt zu fahren. Stellvertretend seien die Ludwig-Thoma- und die Mittermayerstraße genannt. Radfahrer nutzen entlang der Thoma-Straße den breiten Fußweg. Dieser endet an der Kreuzung mit der Martin-Huber-Straße. Sie können dann entweder auf die Fahrbahn ausweichen oder weiter auf dem Fußweg fahren - zu eng ist es überall. Besonders perfide ist, dass an vielen Stellen im Stadtgebiet Fußgänger und Radfahrer auch noch gegeneinander ausgespielt werden, weil sie sich Wege teilen müssen.

Der frühere Stadtbauamtsleiter Michael Simon sinnierte im Oktober in einem Abschiedsinterview darüber, dass der Raum, der einfach nur zum Parken genutzt wird, viel zu billig ist - gerade in immer dichter und enger werdenden Städten mit überschießenden Grundstückspreisen. Einige Autofahrer bringen solche Aussagen vermutlich auf die Palme. Doch gerade die Martin-Huber-Straße mit ihren teils sehr schlechten und extrem engen Gehwegen und fehlendem Radweg ist - stellvertretend für viele Straßen - ein Paradebeispiel dafür, wie Autofahrer bevorzugt werden. Um diese Straße für zwei Gruppen von Verkehrsteilnehmern zu verbessern, braucht es kein Radwegekonzept. Sondern nur den Mut, endlich eine Parkspur zu entfernen, die zu großen Teilen ungenutzt ist. Zum Glück zeichnet sich ein fraktionsübergreifender Konsens ab, die Straßenaufteilung in der Stadt für alle Verkehrsteilnehmer gerechter machen zu wollen.