bedeckt München 21°

Radverkehr:Keine Lösung für zwei von drei Radwegen

Staatsstraße 2054

Die Gemeinden Markt Indersdorf und Weichs wünschen sich entlang der Staatsstraße 2054 zwischen Glonn und Weichs einen Radweg.

(Foto: N.P.JØRGENSEN)

Seit Ende 2020 bemüht sich ein gemeindeübergreifendes Bündnis um einen Ausbau der Radwege zwischen Weichs und Markt Indersdorf. Doch es geht nur schleppend voran, ein Grund dafür sind sich sträubende Grundeigentümer

Von Jaqueline Lang, Markt Indersdorf

Bereits seit rund einem Jahrzehnt versuchen Gemeinderäte unterschiedlicher Fraktionen Radwegeverbindungen zwischen Weichs und Markt Indersdorf auf den Weg zu bringen, immer wieder waren die Anträge jedoch im Sand verlaufen. Nachdem das Thema Radverkehr aber immer mehr an Bedeutung gewinnt hatte sich im Dezember 2020 erstmals ein breites, gemeindeübergreifendes Bündnis aus dem Weichser und Indersdorfer Grünen, der Weichser und Indersdorfer SPD, dem Bürgerblock Niederroth sowie der Wählergruppe Um(welt)denken zusammengetan, um der Forderung Nachdruck zu verleihen - wie sich in der jüngsten Indersdorfer Gemeinderatsitzung zeigte, jedoch erneut nur mit mäßigem Erfolg. Zwei der drei Abschnitte werden in näherer Zukunft definitiv nicht realisiert und auch der dritte Abschnitt von Glonn nach Weichs entlang der Staatsstraße 2054 ist noch längst nicht beschlossene Sache. Zumindest will man in diesem Fall aber gemeinsam mit der Weichser Gemeinde Kontakt mit dem Staatlichen Bauamt in Freising aufnehmen. Dies wurde sowohl im Weichser als auch im Indersdorfer Gemeinderat einstimmig beschlossen. Der Abschnitt zwischen der Cyclostraße und der ersten Einfahrt Richtung Zillhofen, könne, so erklärte es Bürgermeister Franz Obesser (CSU) den Indersdorfer Gemeinderäten, zum jetzigen Zeitpunkt nicht umgesetzt werden, weil der Weichser Gemeinde der Grunderwerb nicht möglich sei. Sollte sich das zu einem späteren Zeitpunkt ändern, werde man erneut über diesen Radweg beraten, entschieden beide Gemeinderäte. Helmut Ebert (FW) sagte, seine Partei hätte diesen Streckenabschnitt schon vor 15 Jahren gewollt, es sei "ewig schad" dass das Vorhaben nun abermals scheitere.

Hans Wessner, dessen Wählergruppierung Umweltdenker das Vorhaben ebenfalls schon seit längerem auf der Agenda hat, wollte sich deshalb auch nicht mit der schlichten Begründung, Grunderwerb sei nicht möglich, zufriedengeben. Er forderte, die genauen Gründe zu erfahren, die seitens der Grundeigentümer gegen einen Verkauf sprechen würden. "Es muss für das Stückerl a Lösung geben", so Wessner. Bürgermeister Obesser sagte daraufhin, dass er über die Gründe nichts wisse. Man könne diese sicherlich noch einmal erfrage, allerdings sei es doch verwunderlich dass die Antragssteller diese nicht bereits kennen würden. Zudem versicherte der Indersdorfer Rathauschef noch einmal: "Der Beschluss heißt nicht, dass wir da alles beerdigen." Man sei für den Radweg und werde es in Zukunft weiter versuchen - aber ohne Grunderwerb gehe es eben nicht.

Der zweite beantragte Streckenabschnitt - von der ersten Einfahrt Zillhofen von Markt Indersdorf kommend bis zum bestehenden Radweg entlang der DAH 11 zwischen Weichs und Esterhofen - wurde vom Weichser Gemeinderat bereits abgelehnt. Grund sind die zu hohen Investitionskosten, auch hier ist der notwendige Grunderwerb gescheitert. Zudem können Radfahrer mit nur einem kurzen Umweg von 450 Metern einen anderen, bereits existierenden Radweg nutzen. Aufgrund dieser Entscheidung und weil der Abschnitt die Marktgemeinde auch nicht unmittelbar betrifft, stimmte auch der Indersdorfer Gemeinderat über diesen Antrag nicht ab.

Der Abschnitt mit den meisten Aussichten auf eine Umsetzung ist jener zwischen Weichs und dem Ortsteil Glonn. Wie bereits Der Weichser Bürgermeister Harald Mundl (Weichser Bürgervertretung) betont hatte, ist dieser Streckenabschnitt bereits Teil des Radverkehrskonzeptes des Landkreises und wird dort als notwendig eingestuft. "Ein Ausbau ist dringlich, wird aber vom Straßenbauamt so nicht beurteilt, obwohl der notwendige Grund dafür bereits vorhanden ist", heißt es in der Sitzungsvorlage. Da jedoch der Freistaat Bayern für den Ausbau zuständig ist, wollen die beiden Landkreisgemeinden nun erneut Kontakt mit dem Staatlichen Bauamt aufnehmen und so erwirken, dass der Streckenabschnitt in das Radwegebauprogramm des Freistaates mit aufgenommen wird. Obesser gab jedoch zu bedenken, dass der Radweg wohl erst im Zuge eines Straßenausbaus erfolgen werde.

Der Indersdorfer Radverkehrsreferent Hubertus Schulz von den Grünen erklärte, man wolle dem Anliegen auch unabhängig von der Gemeinde "Nachdruck verleihen" und plane daher wie in Petershausen - dort ist ebenfalls ein Radweg nach Weichs auf der gleichen Straße im Gespräch - eine überparteiliche Unterschriftenaktion. Florian Ebner (EHW) fragte sich indes, wo denn der Radweg in Glonn genau hinführe, beziehungsweise warum er innerorts einfach ende. Dem hielt Schulz entgegen, dass bislang fast alle Radwege im Landkreis irgendwann endeten. Es bestehe, und hier stimmte er Ebner zu, "enormer Handlungsbedarf". Gleichwohl sei es wichtig, auch kleine Abschnitte zu verwirklichen, denn jeder Weg hin zu mehr Radwegen sei wichtig. Denn: Nur wenn es mehr Radwege und damit Angebote gebe, vom Auto auf das Rad umzusteigen, würden diese auch mehr genutzt und infolgedessen ausgebaut.

© SZ vom 05.05.2021
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema