Prozess Mann filmt Nachbarn beim Streit und stellt Video auf Facebook

Weil er ein Video seiner Nachbarn auf Facebook stellte, muss ein Mann vor Gericht.

(Foto: Andrea Warnecke/dpa)
  • Ein Mann filmt seine streitenden Nachbarn und veröffentlicht das Video auf Facebook.
  • Das Amtsgericht Dachau verurteilte ihn dafür zu einer Strafe von 1250 Euro.
  • Die Nachbarn hatten in der Vergangenheit bereits häufiger Streit.
Von Thomas Radlmaier, Dachau

Das Amtsgericht Dachau hat einen 38-Jährigen aus dem Landkreis Dachau zu einer Geldstrafe verurteilt, weil er seine Nachbarn ohne deren Einwilligung filmte und das Video anschließend im Internet veröffentlichte. Laut Anklageschrift hatte der Vater von zwei Kindern im August des vergangenen Jahres von seinem Balkon aus ein Streitgespräch des benachbarten Ehepaars aufgenommen, während es auf seiner Terrasse saß. Anschließend teilte er das Video auf Facebook.

Vor Gericht musste er sich nun wegen Vergehens gegen das Kunsturhebergesetz verantworten. Der Angeklagte habe den "höchstpersönlichen Lebensbereich" seiner Nachbarn verletzt, sagte der Staatsanwalt und verwies auf den Paragrafen 201 im Strafgesetzbuch. Demnach macht sich strafbar, wer das nicht öffentlich gesprochene Wort eines anderen auf einen Tonträger aufnimmt oder die Aufnahme einem Dritten zugänglich macht.

Der Angeklagte kam zu spät zur Verhandlung, sein Anwalt räumte in der Zwischenzeit den Tatvorwurf ein, betonte aber, dass sein Mandant nicht gefilmt habe, wie sich die Eheleute stritten, sondern wie sie den Angeklagten verbal angingen. Demnach ging dem Film ein heftiger Nachbarschaftsstreit voraus. An diesem Augustabend habe man sich mal wieder gegenseitig "mit Nettigkeiten überzogen", sagte der Anwalt. Der Angeklagte habe das Video "aus Wut heraus" erstellt und im Internet veröffentlicht. "Es hat schon oft Streit gegeben."

Später in der Verhandlung schilderte der 38-Jährige selbst die Situation. Er könne nicht einmal Besuch empfangen, ohne dass es zu Streit mit seinen Nachbarn komme, sagte er. Das Ehepaar habe ihn mehrfach beleidigt, es gebe sogar Drohungen gegen seine Kinder. Er wisse nun, dass er einen Fehler gemacht habe. Ein Freund habe ihn darauf hingewiesen, dass er sich mit dem Video strafbar mache. Daraufhin habe er das Video von Facebook gelöscht. Doch da war es schon zu spät. Gleichwohl machte der Angeklagte auch deutlich, dass er sich ungerecht behandelt fühlt. "Jetzt darf ich zahlen und die können sich freuen", sagte er.

Richter Christian Calame, der sich das Video selbst angesehen hatte, verurteilte den Angeklagten zur einer Geldstrafe von 1250 Euro. "Sie können nicht einfach anfangen, irgendwelche Mitschnitte zu machen", sagte er zu dem Angeklagten. Wenn das jeder machen würde, würde das dazu führen, dass Leute zur Schau gestellt würden. "Das geht so nicht."