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Premiere:Bossa Nova mit Shakespeare

Annalena Lipp (ganz links) ist für die Choreografie der Revue verantwortlich. Robert Gregor Kühn, Jessica Dauer, Gudrun Wilk und Tobias Zeitz (von links) lassen die Fünfzigerjahre aufleben. Das Publikum singt die Schlager bei der Premiere im Hoftheater Bergkirchen begeistert mit.

(Foto: Toni Heigl)

Singen und Tanzen können die vielseitigen Schauspieler am Hoftheater Bergkirchen auch noch. Das beweisen sie in der Revue "In der Milchbar ist was los" - mit alten Schlagern, neu verpackt

Was haben William Shakespeare, der Uralt-Schlager "Wärst du doch in Düsseldorf geblieben" und eine Milchbar miteinander zu tun? Antwort auf diese brennenden Fragen abseits des großen Weltgeschehens gibt das Hoftheater Bergkirchen mit seiner vergnüglichen Revue mit dem verheißungsvollen Titel "In der Milchbar ist was los". Die Älteren erinnern sich an diesen Treffpunkt in Zeiten, in denen Teenies noch Backfisch genannt wurden, in denen jemand als fortschrittlich galt, wenn er ein Festnetztelefon mit Wählscheibe besaß. Auf dem Lande ersetzte die alkoholfreie Eisdiele die Milchbar. In beiden Lokalitäten dudelte - sofern das Taschengeld reichte - die Musicbox immer die gleichen Lieblingsschlager. Von denen gibt es in der Hoftheater-Milchbar reichlich. Bei der Premiere summte und sang das nostalgisch-sentimental gestimmte Publikum textsicher alle Lieder mit.

Hoftheater-Chef Herbert Müller und Regisseur Ansgar Wilk frönen noch einer weiteren persönlichen Leidenschaft, nämlich der für Skurriles und Ausgefallenes quer durch die Welt- und Unterhaltungsliteratur von Shakespeare bis Kurt Goetz und Heinz Erhardt. Da geht eine wahre Flut von Shakespeare-Zitaten - urkomisch verpackt in einen (außer-)ehelichen Dialog - über in den vergeblichen Wunsch nach permanenter Abwesenheit eines Düsseldorfer Playboys. Gesungen, getanzt und gespielt von einem echten Spitzentrio, den jungen Sängerinnen und Schauspielerinnen Jessica Dauser, Annalena Lipp und Helena Schneider. Ihr Können, ihre Bühnenpräsenz, ihre Ausstrahlung und ihre ansteckende, unverkrampfte Fröhlichkeit sind das Tüpfelchen auf dem I dieser Revue.

Aus dem unverwüstlichen "Ich will 'nen Cowboy als Mann" machen die drei Frauen mit vollem Körpereinsatz und ordentlichem Gekreische eine Slapstick-Komödie. Eine "Dancing Queen" ist jede von ihnen, weshalb "Schuld war nur der Bossa Nova" zur Reminiszenz an einen längst vergessenen Modetanz wird. Für die gesamte witzige und einfallsreiche Choreografie ist Annalena Lipp verantwortlich. Vierte im Frauenbunde ist Gudrun Wilk, im Theateralltag zuständig für die Theaterkasse und alles, was dazu gehört. Ihre Auftritte als Putzfrau Hildegard in stilgerechter monströser Kittelschürze und als selbstbewusste Sängerin erhalten viele Lacher und großen Applaus. Sie erweisen sich zugleich als geschickter dramaturgischer Schachzug, denn Gudrun Wilk fügt sich auf der Bühne perfekt ins Ensemble ein und bleibt doch immer sie selbst.

Bei so viel Frauenpower haben die Herren einen schweren Stand - meistern aber ihre Aufgabe mit Bravour. Ansgar Wilk gibt den hilflosen, gern mal angeheiterten Milchbar-Wirt Hermann. Als Kellner Didi macht er in einem Sketch dessen Autor Didi Hallervorden starke Konkurrenz. Weil er bekennender Peter-Frankenfeld-Fan ist, durfte eine heitere Reverenz an den seinerzeit so beliebten Fernsehmoderator über "Das Leben in der Milchbar" nicht fehlen. Und wann hat ein Schauspieler schon die Gelegenheit, mit einer total schrägen Shakespeare-Auswahl seiner Frau auf offener Bühne und demutsvoll kniend wenigstens versuchsweise die Meinung zu sagen? Tobias Zeitz und Robert Gregor Kühn könnten so etwas wie ein Dream-Team der unterhaltsamen Art werden. Zeitz singt und spielt von Natur aus gerne den locker-flockigen Typen, genießt jeden Spaß. Kühn war bislang im Hoftheater eher als ernster Charakter zu sehen. In der Milchbar zeigt er eine neue Seite, ist mal Charmebolzen, mal angeheiterter Gast, der lautstark verlangt: "Herr Wirt, noch zwei doppelte Tannhäuser bitte". Doch Kühn kann noch mehr: Schlager der Fünfziger- und Sechzigerjahre singt er mit gehörig Schmalz in der Stimme, mit der Mimik und Gestik dieser Spezies.

Gut möglich, dass Zeitz und Kühn demnächst öfter als Duo zu hören und zu sehen sein werden. Und gut möglich, dass Max I. Milian dazu wieder die passende Musik liefert. Der Allrounder am Piano hat die Schlager pfiffig und modern arrangiert und etliche musikalische Kapriolen eingebaut. Das macht es dem bunten Völkchen und ihrem Regisseur leicht, in Ulrike Beckers Milchbar mit dem stilechten weinroten Kunstledermobiliar und einer Theke mit allerlei Cocktail-Zubehör, auf Zeitreise zu gehen und dem ganzen Schlagergedöns einen liebevoll-ironischen Anstrich zu geben. Das ist der Reiz dieses feinen, fröhlichen Abends: In der Milchbar ist was los, "Marmor Stein und Eisen bricht", aber das hohe Unterhaltungsniveau nicht.

Weitere Aufführungen: Rosenmontag und Faschingsdienstag sowie am 16., 21. und 22.März, jeweils um 20 Uhr.

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